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Frank Weil leitet den Gewerbeverein Bergen-Enkheim.

Bergen-Enkheim

„Verbände können mehr erreichen“

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Hessen-Center will Mitglied im örtlichen Gewerbeverein werden. Einst haben die Einzelhändler den Verband gegründet, um sich gegen das Center zu wehren.

Als vor mehr als 40 Jahren die Bergener Einzelhändler einen Gewerbeverein gründeten, wäre diese überraschende Wendung undenkbar gewesen: Das Hessen-Center, einst Erzrivale des örtlichen Einzelhandels, könnte noch in diesem Monat Mitglied des Dachverbands werden.

Dabei haben sich die Gewerbetreibenden aus der Marktstraße damals wegen dem Bau des Hessen-Centers zusammengeschlossen. „Jahrzehntelang wurde dagegen gekämpft“, sagt der Vorsitzende des Gewerbevereins Frank Weil. „Dann sollte die Marktstraße noch als verkehrsberuhigte Straße ausgewiesen werden, was den Durchgangsverkehr und damit potentielle Käufer drastisch minimiert hätte. Da ist der Einzelhandel auf die Barrikaden gegangen.“

Doch der Einzelhandel hat sich gewandelt. „Wir haben jetzt einen gemeinsamen Feind, den jeder in seiner Hosentasche trägt“, sagt Weil. Das Smartphone und die Lieferdienste machen es den Nahversorgern nicht leicht. „Für uns hier oben könnte man sagen: Wir haben den Kampf im Einzelhandel verloren – dafür haben wir ihn bei den Dienstleistungen gewonnen.“ Rechtsanwälte und Steuerberater, Fußpflege und Physiotherapeuten, Handwerker und Restaurants und ganz neu einen Kinderpsychologen.

„Das heißt natürlich nicht, dass der Einzelhandel hier tot ist“, sagt Weil, der selbst einen Lederwaren-Laden betreibt. „Es öffnen auch neue Geschäfte, zuletzt das Futterhaus, ein Geschäft für Haustierbedarf.“

Olaf Kindt managed das Hessen-Center an der Borsigallee.

Seit zwei Jahren gebe es eine Zusammenarbeit mit dem großen Einkaufszentrum. Den ersten Schritt habe das Management des Hessen-Centers gemacht. „Erst durch die Offenheit vom aktuellen Manager Olaf Kindt und seinem Vorgänger, Stephan Thiel, war dieser Schritt überhaupt denkbar“, sagt Weil. Sie hätten zum Beispiel erkannt, was für tolle Broschüren der Gewerbeverein habe. Seit 2017 würden sie am ersten Advent gemeinsam einen Shuttleservice zum Berger Weihnachtsmarkt organisieren.

Das Angebot, mit dem Bus vom Hessen-Center über das Neubaugebiet bis vor die Nikolauskapelle gefahren zu werden, sei gut angenommen, voraussichtlich auch in kommenden Weihnachtszeit. „Die Zusammenarbeit hat sich bewährt. Verbände können mehr erreichen vor Ort“, ist sich Frank Weil sicher.

Mit 125 Mitgliedern, die größtenteils in Markt- und Triebstraße ansässig sind, ist der Gewerbeverein Bergen-Enkheim heute der größte in Frankfurt. Das Hessen-Center, das für 45 Millionen Euro modernisiert wird, ist eines von fünf Frankfurter Einkaufzentren. Sein Einzugsgebiet geht über die östliche Stadtgrenze hinaus.

Zur kommenden Jahreshauptversammlung Mitte April bittet der Vorstand um zahlreiches Erscheinen, für die Abstimmung über die Aufnahme des Centers. „In unserer Satzung steht nicht drin, dass über neue Mitglieder abgestimmt werden muss. Aufgrund der Historie wollen wir aber sichergehen, dass die Mehrheit dafür ist.“

Auch im Vorstand habe es Enthaltungen gegeben, der Tenor sei aber pro Hessen-Center. Bei einer Mitgliedschaft soll dem ganzen Center, nicht jedem der rund 100 Gewerbetreibenden, eine Stimme zukommen. „Wenn wir uns dort präsentieren und die Besucher des Hessen-Centers sehen, was an Nahversorgung, Industrie, Handwerk und anderen Dienstleistungen im Ort noch gibt“, sagt der Vereinsvorsitzende, könne er darin nur eine Chance erkennen.

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