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Schäfchen zählen muss nicht unbedingt müde machen.

Bergen-Enkheim

Staunen übers liebe Vieh auf dem Berger Markt

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Zur Tierschau des Stadtteilfests reisen Kinder aus der ganzen Stadt an. Die Besucher schätzen vor allem, Kühen, Schafen und Schweinen einmal ganz nah kommen zu können.

Am Schafgehege der Berger Tierschau hat sich ein wunderbarer Wechselgesang entwickelt. Es ist kaum auszumachen, welche Seite das bessere Mäh blökt, die Schäfchen oder die Jungen und Mädchen auf der anderen Seite des Zauns. Die Erstklässler gehören zur Schule am Landgraben. Der Ausflug zur Wiese nördlich des Marktplatzes liegt also nah, sagt auch Lehrer Herr Both.

Herr Both bittet darum, seinen Vornamen nicht zu erwähnen. Tun wir so, als hätte der allgemeine Krach ihn einfach verschluckt. Schließlich ist ganz schön was los auf der Wiese, zig Jungen und Mädchen laufen mit großen Augen an Schafen, Kühen und Schweinen vorbei, rufen, rennen, lachen. „Sonst gibt es nicht viele Möglichkeiten, die Tiere live zu erleben“, sagt Herr Both.

Es sind auch nicht nur Kinder aus dem Stadtteil zugegen. Die Tierschau hat Strahlkraft. Die 2a der Diesterwegschule ist aus Ginnheim angereist. Mehr als eine Stunde hat sie dafür gebraucht. Der Weg hat sich aber gelohnt, finden die Kinder. „Die sind so schön wollig“, bewundert der siebenjährige Riccardo die Schafe. Die achtjährige Mia hat derweil einen Hund unter einem Anhänger entdeckt. „Ich möchte auch einen Hund haben“, sagt sie sehnsüchtig. Während Noah, Sidon und Michella bereits weiter zu den Kühen flitzen.

„Ich bin begeistert, wie nahe die Kinder den Tieren kommen können“, schwärmt Klassenlehrerin Karin Eckardt. Ein Schwein streicheln zu dürfen sei ein seltenes Vergnügen für Stadtkinder. „Es müsste mehr Bauernhöfe in der Nähe geben“, sagt Eckardt. Die Reise nach Bergen würde sie aber wieder auf sich nehmen. Die Kinder müssten doch lernen, woher Getreide kommt, wie Brot entsteht, dass die Milch nicht im Kühlschrank des Supermarkts wächst.

Apfelweinkönigen Sissy I. weiß das alles schon. Huldvoll wandelt sie über die Wiese, verteilt Autogrammkarten und erfreut sich an der Begeisterung der Kinder. Sissy, bürgerlich Elizabeth Cale, ist in Bergen aufgewachsen. Als Kind ist sie selbst mit großen Augen zu den Kaninchen oder Gänsen geflitzt. „Die Tiere sind so nah“, sagt sie. Nicht wie sonst, nur aus der Ferne zu bestaunen.

Fern ist höchstens die Großstadt. Ein Vorteil von Bergen-Enkheim, befindet ihre Majestät. Nah an der Stadt zu sein und gleichzeitig gefühlt draußen in der Natur. Das sieht auch Frank Weil so, der Vorsitzende des Gewerbevereins und stolzer Vater der Apfelweinkönigin. Die Bedeutung der Tierschau? „Ganz wichtig für den Ort, Sie sehen ja, was hier los ist.“

Viele, auch die frisch gekürte Stadtschreiberin Anja Kampmann, flanieren übers Feld. Sehr wohl fühle sie sich, sagt sie. Und ganz „wundervolle Worte“ habe sie in ihrer Antrittsrede benutzt, lobt Ortsvorsteherin Renate Müller-Friese (CDU). Das sei nicht nur ihre eigene Beobachtung, versichert die Ortsvorsteherin, das sei Thema gewesen am nächsten Morgen in der Schlange beim Bäcker. Überhaupt hat Müller-Friese bei allen Tagen des Volksfests Berger Markt rundum zufriedene Gesichter erspäht.

In den Vorjahren hätten sich die Veranstalter gesorgt, dass sie beim Fest immer mehr unter sich bleiben. Mit dem neuen, frischen Konzept seien es aber wieder mehr Besucher geworden.

Die Tierschau

Die Berger Tierschau ist früher reger Handelsplatz gewesen. Wie eigentlich der gesamte Berger Markt. Nicht nur die Berger und Enkheimer eilten herbei, um Vieh oder Gebrauchswaren zu kaufen und verkaufen. Auch die Bewohner der umliegenden Dörfer und der südlichen Wetterau.

Seit jeher findet die Tierschau außerhalb des Ortes statt. Geändert hat sich aber, dass die Landwirte ihr Vieh auf der Wiese nördlich von Erlenseer Straße / Ecke Nordring nicht mehr handeln, nur noch präsentieren.

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