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„Ich bin ein großer Freund von Teamplay“

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Von: Boris Schlepper

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Ortsvorsteherin Alexandra Weizel am Schelmenburgplatz, der umgestaltet werden soll.
Ortsvorsteherin Alexandra Weizel am Schelmenburgplatz, der umgestaltet werden soll. © Christoph Boeckheler

Ortsvorsteherin Alexandra Weizel spricht im Interview darüber, dass sie sich mit zwei anderen die Führung im Stadtteilgremium teilt. Auch um Kreisverkehre, Betreuungsplätze und den Schelmenburgplatz geht es.

Frau Weizel, auf die Frage nach einem Termin für dieses Interview sagten Sie, Sie würden es gerne zusammen mit Ihrem Stellvertreter Wilfried Bender (CDU) und der parlamentarische Schriftführerin Natalie Porth von den Grünen führen. Warum?

Ich bin ein großer Freund von Teamplay. Als ich gefragt worden bin, ob ich Ortsvorsteherin werden möchte, sagte ich, auf keinen Fall alleine. Denn wenn ich etwas mache, will es gut und richtig angehen, und dass kann man als ehrenamtliche Politikerin neben dem Beruf kaum schaffen. Deshalb haben wir nach der Kommunalwahl mit den anderen Fraktionen gesprochen, und alle fanden es eine gute Idee, dass man sich die Arbeit im Ortsbeirat aufteilt.

Wie hat man sich das vorzustellen?

Wir sind wohl der einzige Ortsbeirat in Frankfurt, der aktiv mit drei Leuten an der Spitze antritt. Wir sind alle für alles da, aber manche haben eine besondere Begabung oder Verbindungen, die man nutzen kann. Wilfried Bender etwa ist sehr mit den Vereinen in Bergen-Enkheim vernetzt, Natalie Porth kennt sich über ihre Kinder gut mit den Themen Schule und Kinderbetreuung aus. Und ich kann gut, was Polizei, Feuerwehr und Verwaltung betrifft. Wir sehen uns aber nicht als Bestimmer. Wir sind nur die drei, die mehr in der Öffentlichkeit auftreten. Über einen Newsletter, den wir alle 14 Tage an die Mitglieder schicken, versuchen wir, Transparenz herzustellen und alle einzubeziehen.

Sie sind Mitglied der Wählergemeinschaft Wir Bergen-Enkheimer (WBE), die bei der Wahl stärkste Kraft geworden ist. Wie erklären Sie sich das?

Bergen-Enkheim ist ein ganz eigener Stadtteil – im positiven Sinne. Ich glaube, im Römer hat man das bekannte kleine gallische Dorf mit uns verbunden. Und die WBE hat die große Freiheit, dass sie sich nicht empfehlen muss, von uns sitzt niemand in der Stadtverordnetenversammlung. Mehr als Ortsvorsteherin kann man nicht werden. Was gut ist. So kann man das propagieren, was wir für den Stadtteil als das Beste ansehen.

Dazu gehört die Umgestaltung der Kreuzung Vilbeler Landstraße / Borsigallee. Ein Problem ist etwa, dass man in die Straße Leuchte nur aus einer von drei Richtungen einfahren kann. Im Sommer schlugen WBE, Grüne, CDU und SPD vor, die Ampelkreuzung zu einem Kreisverkehr umzuwandeln, der Magistrat lehnte ab. Wie geht es da weiter?

Es heißt nicht, dass ein Kreisel Quatsch wäre, sondern derzeit kein Geld dafür da ist. Deshalb werden wir da nicht aufgeben. Wenn das neue Baugebiet Leuchte kommt, muss da etwas passieren mit dem Verkehr. Die Neubürger müssen ja rein und raus ins Quartier und können nicht alle über die Ried- und Barbarossastraße fahren.

An der Kreuzung Vilbeler Landstraße / Barbarossastraße gibt es bereits einen Kreisverkehr, der funktioniert.

Es ist unfassbar, wie viel besser der Verkehrsfluss dort im Vergleich zu damals ist, als es noch die Ampelschaltung gab. Das wollen wir auch an der Borsigallee erreichen.

Im Baugebiet Leuchte hat sich lange Zeit kaum etwas bewegt. Geht es dort überhaupt voran?

Es gibt bereits die ersten Baugruben, die Erschließung schreitet voran. Allerdings muss man schauen, dass es für die Kinder, die dort mit ihren Familien hinziehen werden, auch Betreuungsplätze gibt. Da gibt es schon jetzt Engpässe.

Zur Person:

Alexandra Weizel ist seit Mai Vorsteherin im Ortsbeirat 16. Geboren ist die 53-Jährige in den USA, ihre Kindheit und Jugend verbrachte sie in Heidelberg und Mannheim. Seit 1994 lebt sie in Frankfurt, seit 1996 in Bergen-Enkheim. Es ist ihre dritte Wahlperiode in dem Gremium, dem sie seit 2011 zunächst als Kinderbeauftragte angehörte. Sie ist Mitglied der Wählergemeinschaft Wir Bergen-Enkheimer (WBE) und Geschäftsführerin des St.-Katharinen-Krankenhaus in Bornheim.

Der Ortsbeirat 16 ist für den östlichen Stadtteil Bergen-Enkheim zuständig, in dem rund 18 000 Menschen leben. WBE und CDU haben je fünf Mandate, die Grünen vier. Die SPD hat zwei Sitze, FDP, Linke und BFF haben je einen.

Die nächste Sitzung findet voraussichtlich am 18. Januar um 19.30 Uhr im Saalbau Stadthalle Bergen, Schelmenburgplatz 2, statt.

Die FR blickt mit allen 16 Ortsvorsteherinnen und Ortsvorstehern in Frankfurt zurück auf das Jahr 2021. Die Serie erscheint in loser Folge. (bos)

Unzufriedene Eltern gibt es auch an der Schule am Hang. Seitdem das Gebäude Am Bächelchen saniert und erweitert wird, werden die Kinder in einem kleinen Containerdorf an der Barbarossastraße an der Riedschule unterrichtet. Doch die Strecke bis zu den Horten in Bergen ist zu weit. Gibt es dort eine Lösung?

Es gab Probleme, dass der Bus nicht alle Horte in Bergen anfährt. Der Ortsbeirat hat deshalb gefordert, dass sämtliche Anträge auf Schülertickets für Kinder der Schule positiv beschieden werden, wenn sie einen Hort in Bergen besuchen. Und dass ein Shuttlebus für alle Kinder der ersten und zweiten Klasse eingerichtet wird. Der soll ab dem 10. Januar fahren, da ist jetzt das Stadtschulamt dran.

In diesem Jahr ist es zehn Jahre her, dass mit der Sanierung des Alten Rathauses begonnen worden ist. Seitdem liegt das Wahrzeichen des Stadtteils hinter einem Gerüst versteckt. Ist da ein Ende absehbar?

Ja, endlich. Wir hatten vor kurzem einen Termin vor Ort, da hieß es, dass es im Frühjahr losgehen soll. Ein Architekturbüro aus Enkheim hat das Projekt übernommen und erläutert, was gemacht werden muss. Jetzt sind alle Informationen da und eine Fachfirma ist auch schon gefunden, die sich mit der Sanierung von denkmalgeschützten Gebäuden auskennt.

Wann rechnen Sie mit der Fertigstellung, nach der die Verkehrsführung wieder geändert werden könnte?

2024 sollen die Arbeiten am Rathaus abgeschlossen sein, das klingt realistisch. Was dann mit der Verkehrsführung auf der Marktstraße wird, wissen wir aber noch nicht. Das hat sich in den vergangenen Jahren eigentlich gut eingependelt so.

Haben Sie auch gute Nachrichten, was den Schelmenburgplatz betrifft? Dass es da nicht vorangeht, ist auch wegen des Heimattheaterstücks Schelmenspiel und des Altstadtfests ärgerlich, die auf den Platz und eine gewisse Planbarkeit angewiesen sind.

Ich habe keinen Termin, nicht mal ein Datum, wann es losgeht. Aber wahrscheinlich soll der Umbau im Frühjahr starten. Zuletzt hing es daran, dass der Ortsbeirat es abgelehnt hat, dass Bäume in der Mitte des Platzes gepflanzt werden. Die würden beim Schelmenspiel die Sicht auf die Bühne einschränken. Dabei haben wir nichts gegen Bäume, nur sollen sie am Rand stehen, dann fallen auch keine Parkplätze weg, die für den Einzelhandel wichtig sind.

Apropos Einzelhandel. Das Hessen-Center hat 2021 seinen 50. Geburtstag gefeiert. Viele Läden im Stadtteil hatten darunter zu leiden. Wäre Bergen-Enkheim ohne das Einkaufszentrum heute besser dran?

Man kann dem Hessen-Center nicht vorwerfen, es ziehe dem lokalen Einzelhandel die Kunden ab. Das haben wir als Kunden selbst in der Hand, wen wir unterstützen. Es gibt aber noch immer Bürger, die verbittert sind und sagen, sie setzen da keinen Fuß rein. Es stimmt aber leider, dass wir nicht mehr viele Geschäfte haben. Aber die wenigen sind großartig und verdienen unsere Unterstützung. Umso bedauerlicher fand ich es, dass Läden durch die Pandemie schließen mussten. Da haben viele ihren Job verloren.

Durch Corona musste auch der Berger Markt ausfallen. Dafür gab es im Sommer ein Stadtteilfest.

Das war großartig und eine tolle Leistung unserer Vereine – da ist mir das Herz aufgegangen. Die haben innerhalb kürzester Zeit dezentral auf ihren Geländen etwas angeboten, da es wegen Corona keine große Veranstaltung an einem Ort geben durfte. Solche Sachen gehen dann bei uns in Bergen-Enkheim.

Interview: Boris Schlepper

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