Beim Schelmenburgpokal in der Riedsporthalle in Enkheim sind am Sonntag 240 Kunstrad- und Einrad-Sportlerinnen und Sportler aus 53 Mannschaften angetreten. Foto: Rolf Oeser
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Beim Schelmenburgpokal in der Riedsporthalle in Enkheim sind am Sonntag 240 Kunstrad- und Einrad-Sportlerinnen und Sportler aus 53 Mannschaften angetreten. Foto: Rolf Oeser

Bergen-Enkheim

Eindrucksvolle Einrad-Schau

  • vonMaxie Römhild
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Beim Schelmenburg-Pokal in Bergen-Enkheim ist großes Können gefragt

Wenn es um Fahrradtricks geht, ist es für die meisten Alltagsradler schon das höchste der Gefühle, die Hände vom Lenker zu nehmen. Darüber können die Sportler, die am Sonntag um den Schelmenburg-Pokal in Enkheim kämpfen, wohl nur müde kichern. Ganze fünf Minuten nur auf dem Hinterrad kunstvoll in Formation fahren? Kein Problem für die etwa 240 Teilnehmer aus Hessen und Umgebung, die an diesem ersten Märztag die Reifen in der Riedsporthalle quietschen lassen. Die meisten von ihnen sind Frauen.

„Das ist schon immer so gewesen“, sagt Helmut Völp, Fachwart für Kunstradfahren des 1. Radfahrer-Clubs 1903 Bergen. Sein Verein hat den Wettbewerb, der bereits zum 42. Mal stattfindet, gemeinsam mit dem Radsportbezirk Frankfurt-Taunus-Wetterau organisiert. Das Besondere am Schelmenburg-Pokal sei, dass hier ausschließlich Mannschaften zu viert oder zu sechst antreten. „Einer-Wettbewerbe“, also solche, bei denen nur ein Sportler allein fährt, „gibt es schon so viele“, sagt Völp. Auch in seinem Verein trainieren nur Teams.

Neben dem Kunstradfahren treten die Mannschaften im Einradfahren an. Aber das laufe eben so nebenher, sagt Völp. Wer die Tricks auf zwei Rädern beherrsche, komme auch mit einem klar. Kunstradfahren sei viel schwerer, bestätigt die 16-Jährige Caroline Strubel, die zusammen mit Arzu Mahmud, Victoria Metz und Lucy Altschäfl für die TSG 1861 Flonheim antritt: „Dadurch dass man noch das Vorderrad hat, hat man viel weniger Platz und weniger Möglichkeiten, sich abzusprechen.“

Der Raum ist tatsächlich sehr begrenzt. Wenn man sich den auf etwa 14 mal 11 Meter eingezäunten Bereich so anschaut, kann man sich kaum vorstellen, dass da bis zu sechs Fahrräder herumfahren sollen. Aber sie tun es: immer in Bewegung, eng aneinander vorbei, unter den Armen der Anderen hindurch – und das alles freihändig auf dem Hinterreifen.

An Möglichkeiten zum Staunen mangelt es dem Laien im Publikum wirklich nicht. Etwa, ls die Juniorinnen aus Flonheim sicher und elegant vier, fünf, sechs Mal auf ihren Einrädern Pirouetten drehen, um sich dann wieder in größer werdenden Kreisen einander anzunähern und sich schließlich hinter dem Rücken an den Händen halten. Eine Glanzleistung der Balance. Dabei nimmt das Einradfahren nur einen kleinen Teil des Trainings ein.

Drei Mal die Woche üben die Mädchen zusammen, seit sechs Jahren fahren sie im Team. „Das schweißt zusammen“, sagt Lucy Altschäfl. Ihre Mannschaft sei „wie eine zweite Familie“. Fünfmal haben sie schon an den deutschen Meisterschaften teilgenommen. Letztes Jahr kamen sie auf den dritten Platz.

Für die Gruppen, die bereits am Vormittag antreten, geht es zwar nicht um die deutsche Meisterschaft, aber immerhin um die Qualifikation für die Hessenmeisterschaft. Es ist die zweite und letzte Chance, die Schülern hier eingeräumt wird. Erwachsene mussten sich bereits qualifizieren.

Zugegeben, viele Sportler fernab des Teenageralters sieht man hier an diesem Sonntag nicht, aber es gibt sie. „Ich habe eine Mannschaft, da ist die Älteste über 60“, sagt Kunstrad-Trainer Helmut Völp. Bei einem letzten Blick auf das abenteuerliche Treiben in der Sporthalle wirkt das noch einmal umso beeindruckender.

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