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Die Rückkehr der Zauneidechse

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Von: Thomas Schmidtutz

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Die Stadt hatte die Echsen vor Jahren aus dem potenziellen Baugebiet umgesiedelt – vergeblich. Sie sind zurück.
Die Stadt hatte die Echsen vor Jahren aus dem potenziellen Baugebiet umgesiedelt – vergeblich. Sie sind zurück. © Monika Müller

Geschützte Reptilen blockieren Bauherren und Bauherrinnen an der Leuchte. Für Arbeiten im Neubaugebiet ist zunächst ein Gutachten nötig.

Wer ein Grundstück im Baugebiet Leuchte hat, könnte bald mit dem Bau beginnen. Theoretisch. Die Erschließung auf dem Areal zwischen der gleichnamigen Straße, der Barbarossa- und Rangenbergstraße ist abgeschlossen. Indes ist ein neues Problem aufgetaucht: Die Zauneidechsen sind zurück.

„Sie wurden zur Erschließung umgesiedelt“, sagte Kirsten Lindner von der Unteren Naturschutzbehörde am Dienstag in der Sitzung des Ortsbeirats 16 (Bergen-Enkheim). „Aber sie sind wieder da.“ Und das bedeute für die Bauherren und Bauherrinnen: Sie können nicht einfach loslegen. Denn die grünen Eidechsen stehen unter Naturschutz. Sie dürfen weder getötet noch bei der Fortpflanzung gestört werden.

„Die Baufeldvorbereitungen sind nur möglich in der Zeit von März bis Mitte Mai, und dann noch einmal von Ende August bis etwa Mitte September“, sagte Lindner. „Das heißt“, ergänzte sie mit Blick auf die zahlreich erschienenen bauwilligen Zuhörer:innen, „Sie müssen ihre Planungen so legen, dass dies passt.“

Die Baufeldvorbereitung ebnet das Gelände ein, beseitigt Pflanzenbewuchs und damit Versteckmöglichkeiten für die Tiere, kurz, verleidet ihnen das Grundstück. Sind die Vorbereitungen erst einmal abgeschlossen, könne normal gebaut werden, ohne Rücksicht nehmen zu müssen. Gibt dann ja keine Eidechsen mehr.

Das Problem liege darin, dass die Reptilien sich im Frühjahr paaren und dann einen Nistplatz zur Eiablage suchen. Dies ist Mitte Mai abgeschlossen. Das heißt, danach würden Nester zerstört. Bereite man seine Baustelle hingegen vorher vor, verscheuche man die Tiere. Sie legen ihre Eier woanders ab. Man kann normal weiterbauen. Auch im Sommer. Ende August sind die Jungtiere selbstständig, suchen dann im Herbst jedoch einen Raum zum Überwintern. Deshalb ist dieses zweite Zeitfenster auf Mitte oder Ende September terminiert.

Doch wen betrifft das? Dies entscheidet sich im Einzelfall: „Sie müssen ein Gutachten erstellen lassen darüber, ob sich auf Ihrem Grundstück Zauneidechsen befinden“, erläuterte Lindner. „So ein Gutachten kostet auch wieder tausende Euro. Kann man denn nicht ein Sammelgutachten in Auftrag geben?“, fragte eine Zuhörerin. Ja, dies sei möglich, sagte die Naturschutzexpertin, es sei sogar erwünscht. „Denn wir werden viele Aufträge und damit viel Arbeit haben.“ Eine Baugenehmigung erhalten die Bauherrinnen und Bauherrn jedoch nur, wenn ein Gutachten vorliegt und darin dann auch gegebenenfalls – falls Eidechsen gefunden wurden – Auflagen für die Zeit des Baubeginns.

Bei einigen Zuhörer:innen und Ortsbeiräten riefen die Nachricht Kopfschütteln hervor. Sei doch der Bau eines eigenen Hauses für Familien die größte Investition im Leben. Und die sei in Zeiten steigener Baupreise schon schwer genug. Der Kampf Zauneidechse contra Zement mache es da nicht leichter.

Keine Probleme bereitet hingegen an der Leuchte das Grundwasser. Hier referierte Dirk Brehm vom Ingenieurbüro BGU, das für die Stadt die Grundwassersituation beurteilt hat „Pro Jahr bilden sich hier etwa 67 Millimeter Grundwasser neu“, sagte er, etwa zehn Prozent des Regens auf der Fläche von 160 230 Quadratmetern. Diese Menge würde durch die Versiegelung reduziert. Jedoch nur um etwa zwei Zentimeter Grundwasserspiegel, ein Drittel also. Ein vertretbarer Wert.

Ein anderes Problem sei, dass das Grundwasser sich nach Süden zum Main hin bewege. Brehm zufolge liegen die wegen der Tiefgaragen bis zu vier Meter tief geplanten Betonwannen als Hindernisse im Weg. „Das Wasser staut sich auf der Nordseite an, der Grundwasserspiegel steigt.“ Allerdings sei dies nicht bedenklich. Die Aufteilung der geplanten Baukörper ermögliche dem Grundwasser weiter das Strömen. Sie liegen nicht wie ein Sperrriegel im Erdreich.

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