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Die Apfelweinkönigin sucht den Ebbelwei

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Von: Friedrich Reinhardt

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Hoheiten unter sich: Laternen-, Brunnen, Frosch- und Apfelweinkönigin samt Gefolge.
Hoheiten unter sich: Laternen-, Brunnen, Frosch- und Apfelweinkönigin samt Gefolge. © Friedrich Reinhardt

Beim Stadtteilfest in Bergen-Enkheim legen sich die Vereine ins Zeug und verwandeln das Quartier in ein buntes Wimmelbild

Die neue Apfelweinkönigin Lea I. steht am Weinstand und bestellt einen Apfelwein. Noch keine Stunde ist sie im Amt. Ihr Diadem rutscht noch im dunklen Haar, eine Haarklammer hat sie nicht dabei. Fast pausenlos kommen sie, schütteln ihr die Hand, tätscheln ihr die Spitze am Rücken des rosa Ballkleids. „Apfelwein“, sagt die Barfrau, „haben wir nicht.“ Lea I. will es erst nicht wahr haben. Die Barfrau schickt sie ins Festzelt. Dort gibt es nur Bratwürste. Am dritten Stand will man ihr Ebbelwei in einer kleinen Glasflasche geben. „Der schmeckt nur aus dem Gerippten richtig“, sagt sie und fragt auch nach einem Bembel. Aber Bembel gibt es auch nicht. Dafür ein Glas mit Rhomben. Immerhin.

Eine Apfelweinkönigin auf der Suche nach Apfelwein ist nur eine kleine Szenen. Das Bergen-Enkheimer Stadtteilfest hat am Wochenende wie in einem Wimmelbild unzählige davon gemalt. Ob im Riedstadion, auf dem Schelmenburgplatz, an der Marktstraße oder auf der Sportanlage beim FSV Bergen. Überall haben die Vereine kleine und große Aktionen auf die Beine gestellt. Der Berger Markt musste wegen der vakanten Geschäftsführerstelle in der Kulturgesellschaft ausfallen. Die Vereine sprangen ein.

Da ist die Szene, die die Schelmenspielerin Nicole Schmidt- Isermann am Alten Rathaus aufführt. Sie ist Désirée, die Verlobte Napoleons und spätere Ehefrau des schwedischen Königs. Vor mehr als 20 Zuschauern – darunter die neue Stadtschreiberin Marion Poschmann – flucht sie über ihren französischen Geliebten. „Ich wäre lieber in Paris als in Bergen“, sagt sie am Ende. Ein Satz, den Désirée, zwar tatsächlich gesagt haben soll. In die Szene hat ihn der Regisseur Hans Meurer aber nur auf genommen, um die „Hardcore-Bergenerin“ Schmidt-Isermann zu ärgern.

Gleich auf der anderen Straßenseite, im Heimatmuseum, knobelt eine Frau an dem historischen Rätsel. Das hat Christel Herren konstruiert. In einer Kiste stehen zwei runde Glaskolben voll Wasser, dahinter hängen zwei Lampen und über allem schwebt die Frage: Was ist das?

Das Fest ist ja nun vorbei, wir können es verraten: Es sind Schusterkugeln. Um im Dämmerlicht einer Petroleumlampe arbeiten zu können, bündelten zuerst Schuster das Licht mit den gefüllten Kolben wie mit einer Lupe, erklärte Museums-Vize Helmut Römisch. „Haben Sie es herausgefunden?“, fragt Herren die knobelnde Frau. „Ja“, sagt sie stolz. „Petroleumlampe“ steht aber auf ihrem Lösungszettel, der flink in der Tasche verschwindet.

Zurück zu ihrer Majestät, Apfelweinkönigin Lea I. Sie ist in adretter Gesellschaft. Bei Cola, Pommes und Bratwurst sitzen die „Königinnen“ aus dem Umland zusammen. Da sind (von links) die Büdesheimer Laternenkönigin Janina I, ihre Hofdame Charline, die Oberurseler Brunnenkönigin Verena I., die Büdinger Froschkönigin Jule I., Janinas zweite Hofdame Vanessa und eben Lea I. Es sei ein besonderes Jahr, das sie teilen. „Man lernt das Umland kennen“, sagt Verena I. „Man lernt öffentlich reden“, erklärt die Froschkönigin. „Man wird selbstbewusster“, meint die Brunnenkönigin.

Die jungen Frauen verbringen derzeit fast jedes Wochenende zusammen, erzählen sie. Besonders Jule und Verena seien schon längere Zeit in ihrem Amt. Ob Sie sich nach ihrer Amtszeit noch sehen werden? „Definitiv“, antwortet Verena ad hoc. Und Jule: „Das bleibt.“

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