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Bücherei im Einkaufszentrum

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Von: Boris Schlepper, Friedrich Reinhardt

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Die Spielecke für Kinder wird in der Schulzeit oft von Jugendlichen genutzt, sagt die Leiterin des Bibliothekszentrums Vera Dopichaj. Dadurch verdrängten sie kleinere Mädchen und Jungen.
Die Spielecke für Kinder wird in der Schulzeit oft von Jugendlichen genutzt, sagt die Leiterin des Bibliothekszentrums Vera Dopichaj. Dadurch verdrängten sie kleinere Mädchen und Jungen. © Rainer Rüffer

Die Stadt verhandelt über den Umzug der Bergen-Enkheimer Stadtteilbibliothek ins Hessen-Center. Derzeit ist sie in der Schule am Ried untergebracht, wo es zu wenig Platz gibt.

Das Bergen-Enkheimer Bibliothekszentrum liegt versteckt auf dem Gelände der Schule am Ried. Zwei Tore müssen Gäste auf dem Weg zum Eingang der Bücherei passieren. Zwei Mal kommt der Gedanke: Das ist doch Schulgelände, ich sollte hier nicht sein. Nur wer trotzdem weiter läuft, kommt zu dem versteckten Eingang auf dem Schulhof.

„Die Lage, die Lage, die Lage.“ Das sagt Vera Dopichaj, die Leiterin der Bibliothek, immer wieder. Es klingt eher resignativ. Was soll man denn noch sagen, um verständlich zu machen, dass ein Schulhof kein guter Ort für eine Stadtteilbibliothek ist? Doch die Lage könnte sich bald ändern. Die Stadtbibliothek, zu der das Bibliothekszentrum gehört, verhandelt derzeit mit dem Einkaufszentrum an der Borsigallee über eine geeignete Fläche.

„Bei einer zwischenzeitlich durch das Hessen-Center angebotenen Mietfläche wurde deren grundsätzliche Eignung für einen Bibliotheksbetrieb festgestellt“, sagt Sabine Prasch, Sprecherin der Stadtbibliothek. „Wir sind gerade in Gesprächen mit der Stadt“, bestätigt Centermanagerin Janine Marz. Dabei handele es sich um erste Planungen. Wo genau die Bücherei Platz finden könne, sei noch offen.

Der Gedanke, dass die Bibliothek im Einkaufszentrum gut aufgehoben wäre, ist zwar nicht neu und „mit Blick auf ein konkretes Ergebnis sind die Verhandlungen als offen zu bezeichnen“, wie es Prasch ausdrückt. „Doch so weit wie jetzt waren wir noch nie“, sagt Dopichaj. Für die geeignete Fläche hat die Stadt diesmal schon ein Nutzungskonzept in Auftrag gegeben.

Rund 250 Quadratmeter hat die Stadtteilbibliothek derzeit – die Büros der vier Angestellten mitgerechnet. Bei Veranstaltungen werden die Bücherregale – allesamt auf Rädern – zusammengeschoben, dann ist Platz für 50 bis 80 Personen.

Aber eine Bibliothek ist längst kein Ort mehr, wo man nur Bücher ausleiht. In der Schulzeit hängen Jugendliche in der Kinderspielecke ab, weil es für sie keinen eigenen Platz gibt. Einige machen ihre Hausaufgaben, treffen sich für gemeinsame Projektarbeiten. Vernünftige Tische gibt es dafür aber nicht. Und dass Jugendliche die Kinderspiel-Ecke blockieren, ist auch nicht gerade ideal, sagt Dopichaj. Von einem Platz zum Zeitunglesen für Erwachsene ganz zu schweigen.

Wenn Dopichaj sich etwas wünschen dürfte, wären die neuen Räume zwischen 800 und 1000 Quadratmeter groß. Dann könnte die Bibliothek sich Computer für die Jugendlichen anschaffen. „Mit Computerspielen hat man ganz andere pädagogische Möglichkeiten“, sagt Dopichaj. „Außerdem sind Games bei Jugendlichen gefragt und wir wollen ja attraktiv sein.“

Bislang liegt der Schwerpunkt der Bibliothek auf Kindern. „Die erreichen wir auch fast zu 100 Prozent. Es gibt keine Kita, mit der wir nicht kooperieren“, sagt die Bibliotheksleiterin. Allerdings könnte die Bibliothek im Hessen-Center noch ganz andere Zielgruppen ansprechen. Etwa Erwachsene, die keine Lust auf den Shopping-Samstag mit der Familie haben. Mit mehr Platz könnte man auch in einer Ecke Kaffee anbieten. Menschen aus Fechenheim und dem Riederwald könnten die Bibliothek schnell erreichen. Und auch Jugendliche verbringen ja viel Zeit im Hessen-Center, hat Dopichaj beobachtet. Letztlich geht es eben doch nur um eines: Die Größe und natürlich um „die Lage, die Lage, die Lage“. mit bos

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