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Feiner Besuch aus Sachsenhausen: Die Brunnen- und Kerbegesellschaft beim Festumzug zum Berger Markt. 

Bergen-Enkheim

Bergen-Enkheim: Tradition aufleben lassen

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Der Berger Markt setzt in diesem Jahr auf alte Bräuche. Das Fest endet am kommenden Dienstagabend mit einem Feuerwerk.

In Bergen-Enkheim scheint die Zeit am Sonntag zurückgedreht: Mittelalterliche Schelmen, „Berjersleud“ mit traditionellen Tellerröcken und Hauben auf den Köpfen und sogar eine echte königliche Hoheit, Apfelweinkönigin Sissi I., marschieren beim traditionellen Festumzug des Berger Markts von der Leuchte bis zum Marktplatz.

Das Motto des Umzugs mit rund 350 Teilnehmern lautet in diesem Jahr: Tradition – Zurück in die Moderne. „Den Berger Markt gibt es seit mehr als 300 Jahren. Wahrscheinlich sogar noch viel länger“, sagt der Geschäftsführer der Kulturgesellschaft Bergen-Enkheim Peter Ließmann. Früher sei der Markt der jährliche Höhepunkt im Stadtteil gewesen. „Bergen war damals ja ein eigenständiger Ort. Der Markt war für die Berger wie der Wäldchestag für die Frankfurter“, so der Mitorganisator. So gab es damals für die Angestellten im Ort frei und man habe gemeinsam auf dem Fest einen Schoppen getrunken. „Unser Ziel ist es, dieses Gefühl wieder aufleben zu lassen und Zugezogenen die Traditionen näher zu bringen.“

Zur Umsetzung haben sich die Bergen-Enkheimer dafür einiges einfallen lassen. Zusätzlich zu den alljährlichen Programmpunkten, wie dem Stadtschreiberfest am Freitag, dem Marktumzug am Sonntag und der Tierschau am kommenden Dienstag, wurde so auch ein Häuser-Schmück-Wettbewerb veranstaltet. Auf der Marktstraße verzieren Bewohner im Vorfeld ihre Häuser mit Girlanden und richteten sich auf der Straße sonnige Plätze zur Begutachtung des Festumzugs ein.

Früher sei es Tradition gewesen, nicht nur sich selbst für den Markt herauszuputzen, sondern auch das Haus auf Vordermann zu bringen. „Leider haben nicht ganz so viele Berger mitgemacht, wie wir uns gewünscht hätten“, sagt Ließmann. Er ist allerdings zuversichtlich, dass das beim nächsten Mal besser wird.

Beliebt: Der Handwerkermarkt auf dem Festplatz am Nordring.

Eine andere Tradition, die in diesem Jahr zu ersten Mal wiederaufgelebt wurde, ist die Teilnahme der sogenannten Berger Marktburschen am Fest. Der 27-jährige Joshua Moritz hat hierfür die Jugend im Stadtteil zusammengetrommelt und eine große Truppe an feierwilligen Helfern organisiert. „Wir sind in Bergen aufgewachsen und lieben die Feste hier. Als Marktburschen wollen wir jetzt – wie auch früher – unseren Teil zum Stadtteilleben beitragen“, so der junge Bergen-Enkheimer. Zusammen mit rund 15 anderen Burschen, auch weibliche übrigens, fährt er beim Zug mit und hilft beim Auf- und Abbau des Festes.

Auch die 28-jährige Apfelweinkönigin Sissi I., die auf den bürgerlichen Namen Elizabeth Cale hört, fühlt sich seit ihrer Jugend mit dem Stadtteil verbunden. „Meine Eltern sind sehr engagiert, meine Mutter war auch schon Apfelweinkönigin. Ich selbst bin im Karnevalsverein“, erzählt die gebürtige US-Amerikanerin. Ihr Amt nimmt die hauptberufliche Callcenteragentin sehr ernst: „Ich will unseren Stadtteil astrein präsentieren und im ganzen Land bekannt machen.“

In Frankfurt ist Bergen-Enkheim schon bekannt. so gibt es beim Umzug Besuch auch Sachsenhausen. Die „Berjersleut“ der Brunnen- und Kerbegesellschaft sind extra für Markt über den Fluss gekommen. „Wir freuen uns über die Einladung. In Bergen macht das Feiern immer Spaß“, so die im Biedermeieroutfit verkleidete Bejersfrau Cornelia Seidel.

Ziel des Umzugs ist ein Handwerksmarkt auf dem Marktplatz. Hier haben mehr als 20 Frankfurter Kleinbetriebe und Vereine Produkte und Kunst ausgestellt. Es gibt jede Menge Genähtes, Geschnitztes und Gekochtes. „Wir verkaufen hier jedes Jahr unsere eingekochte Marmelade“, sagt die Vereinsvorsitzende der Bergen-Enkheimer Landfrauen, Sigrid Vetter. Von dem Erlös finanzieren sie Veranstaltungen im Winter.

Die Feierlichkeiten zum Bergermarkt dauern bis Dienstag. 3. September. Los geht es der Berger Tierschau. Abends klingt das Fest mit einem Konzert der Folkband „Paddy goes Holyhead“ sowie einem Feuerwerk aus.

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