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„An der Schelmenburg brauchen wir Platz“

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Von: Fabian Böker

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Ortsvorsteherin Alexandra Weizel hat sich mit ihrem Anliegen, Bäume an den Rand des Schelmenburgplatzes zu setzen, durchgesetzt.
Ortsvorsteherin Alexandra Weizel hat sich mit ihrem Anliegen, Bäume an den Rand des Schelmenburgplatzes zu setzen, durchgesetzt. © Rolf Oeser

Ortsvorsteherin Alexandra Weizel spricht über die Neugestaltung von Plätzen, die Folgen des Riederwald-Tunnels für Bergen-Enkheim und die Ideen gegen Leerstand im Hessen-Center.

In einer Serie blicken wir zurück auf das Jahr 2022 in den 16 Ortsbeiräten. Was waren die wichtigsten Themen, die den Ortsbezirk in den vergangenen Monaten bewegt und beschäftigt haben? Welche Erfolge oder Niederlagen gab es für das Stadtteilparlament? Wie geht es jetzt im neuen Jahr weiter? Heute der Ortsbeirat 16 (Bergen-Enkheim).

Frau Weizel, der Ortsbeirat 16 hat ein Alleinstellungsmerkmal: Sie sind zwar formal die Ortsvorsteherin, an der Spitze steht aber ein Dreiergremium, dem neben Ihnen Wilfried Bender (CDU) und Nathalie Porth (Grüne) angehören. Hat sich diese Konstellation bewährt?

Auf jeden Fall. Wir sind zwar naturgemäß nicht immer einer Meinung, aber das Zusammenspiel klappt ganz hervorragend. Die Arbeit funktioniert aber nur, wenn alle Mitglieder ihren Teil dazu beitragen. Das ist bei uns der Fall. Es ist der beste Ortsbeirat der Welt.

Im Oktober gab es Aufregung im Neubaugebiet Leuchte. Dort ist nach Jahren der Umsiedlung die geschützte Zauneidechse wieder aufgetaucht. Die Bauarbeiten wurden dadurch verzögert. Wurde eine Lösung gefunden?

Das Baugebiet ist gefühlt eine unendliche Geschichte, die uns jetzt schon locker 40 bis 50 Jahre beschäftigt. Dazu zählt auch die Episode mit der Zauneidechse. Aktueller Stand ist, dass die Grundstücksbesitzer Gutachten vorlegen müssen, dass die Tiere auf ihren Gemarkungen nicht mehr vorkommen. Auf diese wird jetzt gewartet. Gerade für die jungen Familien, die dort bauen wollen, ist das natürlich eine unbefriedigende Situation.

Tragen denn auch – wie das bei Bauprojekten manchmal ja der Fall ist – die Behörden oder Ämter eine Mitschuld?

In diesem Fall kann ich das klar verneinen. Natürlich kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Verzögerungen aus verschiedenen Gründen. Die Ämter aber ducken sich nicht weg. Deren Vertreter und Vertreterinnen waren auch immer wieder zu Gast in unseren Sitzungen, um Fragen zu beantworten.

Ein großes Thema im Ortsbeirat 16 war auch der Riederwaldtunnel. Die Grünen im Gremium haben einen Baustopp gefordert, damit keine Bäume im Fechenheimer Wald gefällt werden. Wie stehen Sie dazu?

Ein großes Thema war es ehrlicherweise vor allem für die Grünen im Ortsbeirat. Der Tunnel selbst befindet sich nicht auf der Gemarkung unseres Ortsbezirks. Und ich sage ganz ehrlich: Mir fehlen da noch weitere Infos. Daher laden wir zu einem Treffen der Verkehrs-AG unseres Ortsbeirates einen Sprecher der BI gegen den Tunnel ein.

Wie Sie sagen, liegt der Tunnel nicht auf Bergen-Enkheimer Gemarkung. Auswirkung auf Ihren Stadtteil wird er aber dennoch haben. Welche befürchten Sie?

Bergen-Enkheim erstickt jetzt schon im Verkehr. Von daher erhoffe ich mir natürlich eine Entlastung für uns. Ich sehe da aber auch andere Möglichkeiten. Zum Beispiel würde ich mir ein zweites Park-and-Ride-Parkhaus wünschen. Das Bestehende ist meist voll, der Bedarf ist also da.

Ein weiteres großes Thema ist der Leerstand im Hessen-Center. Immer mehr Läden sind verwaist. Der Versuch im Ortsbeirat, den Magistrat zu einer Kontaktaufnahme zum Center-Management zu veranlassen, ist gescheitert. Welche Ideen haben Sie, um dem Leerstand zu begegnen?

Die Frage ist doch viel eher die: Warum stehen die Läden leer? Weil wir als Kunden und Kundinnen nicht hingehen. Und das setzt einen gewissen Teufelskreis in Gang: Wenn die Kundschaft ausbleibt, schließen die Läden, das Center wirkt trostloser – und es kommen noch weniger Leute.

Hat denn der Ortsbeirat da irgendeine Möglichkeit, tätig zu werden?

Wir können eigentlich nur Appelle an die Menschen richten, lieber in die Läden zu gehen anstatt online zu bestellen.

Eine Idee war der Umzug des Bibliothekszentrums ins Hessen-Center. Was ist daraus geworden?

Diese Idee war super. Aus mehreren Gründen. Zum einen würde es dem Bibliothekszentrum ungemein helfen, weil es an seinem derzeitigen Standort am Ried viel zu klein ist. Es wäre auch eine gewisse Wertschätzung für die Arbeit der Menschen dort. Zum anderen würde das Synergieeffekte auslösen, weil neue Laufkundschaft zum Hessen-Center gelockt würde, die dann auch wieder die Geschäfte frequentieren könnte. Die Gespräche mit der Stadt laufen derzeit.

Anfang des vergangenen Jahres schien der Streit um den Schelmenburgplatz beigelegt, dann trat er wieder zutage. Die Stadt will dort Bäume pflanzen, Ihr Gremium lehnt das ab. Warum?

Zur Person

Alexandra Weizel (54) ist seit Mai 2021 Vorsteherin im Ortsbeirat 16 (Bergen-Enkheim). Sie ist Mitglied der Wählergemeinschaft Wir Bergen-Enkheimer (WBE) und Geschäftsführerin des St.-Katharinen-Krankenhauses in Bornheim.

In Bergen-Enkheim wohnen 18 000 Menschen (Stand 30. Juni 2022). Im Stadtteilparlament sind die Fraktionen Wir Bergen-Enkheimer und die CDU mit je fünf Sitzen vertreten, die Grünen haben vier, die SPD zwei Sitze. FDP, Linke und BFF haben jeweils einen Sitz.

Die erste Sitzung des Ortsbeirats 16 in diesem Jahr findet am Dienstag, 17. Januar, um 19.30 Uhr in der Nikolauskapelle, Am Königshof / Ecke Marktstraße 56, statt. bö

Wir lehnen Bäume nicht per se ab. Wir wollen nur keine in der Mitte. Denn da brauchen wir Platz, zum Beispiel für die Bestuhlung bei den Schelmenspielen. Die ursprüngliche Planung sah ja Bäume am Rand vor.

Und wie soll der Platz nun gestaltet werden?

Mit Bäumen am Rand statt in der Mitte. Wir hatten vor drei Jahren einen Vor-Ort-Termin mit den zuständigen Ämtern, da wurden unsere Bedenken verstanden. Zuletzt gab es weitere Gespräche. Nun warten wir auf den Baubeginn. Wir sind daher auch guter Dinge, dass das Altstadtfest im Juni stattfinden kann.

Und die Schelmenspiele?

Die sollen voraussichtlich vom 13. bis 16. Juli stattfinden. Das Ensemble hat mit den Proben angefangen.

Ein anderes Fest ist der Berger Markt. Der musste 2022 ausfallen, weil die organisierende Kulturgesellschaft keinen Geschäftsführer hatte. Ist der Posten mittlerweile besetzt?

Nein, noch ist er vakant. In der Kulturgesellschaft finden aber derzeit Veränderungen statt. Daher sind wir guter Hoffnung, dass es den Markt 2023 wieder geben wird, wie immer am ersten September-Wochenende.

Unter dem Fritz-Schubert-Ring soll eine Skateanlage entstehen, federführend ist die AG „Bespielbare Stadt“. Mindestens 100 000 Euro soll das kosten. Wie weit sind die Planungen?

Dabei geht es um mehr als nur eine Skateanlage. Der gesamte Platz soll generationenübergreifend umgestaltet werden. Als erster Schritt werden jetzt im Frühjahr Sitzgelegenheiten errichtet.

Ein großes Ärgernis für Anwohner und Anwohnerinnen ist der Busverkehr in der Marktstraße. Viele Busse starten dort, es kommt manchmal zu Unfällen. Ein Vertreter von Traffiq hatte sich in einer Ortsbeiratssitzung den Fragen der Bürger und Bürgerinnen gestellt. Was erfolgt daraus?

Dazu muss ich sagen, dass die Traffiq immer unsere Fragen prüft. Aber ganz ehrlich: Eine Lösung sehe ich nicht. Das ist ja nur ein Puzzlestück im gesamten Straßenverkehr in Frankfurt, und sicher auch nicht das mit der höchsten Priorität. Immerhin wurde kürzlich im Voltenseeweg eine neue Bushaltestelle errichtet.

An der Kreuzung Vilbeler Landstraße / Borsigallee wünscht der Ortsbeirat schon länger einen Kreisverkehr. Der Magistrat hatte das bisher mit Verweis auf das fehlende Geld abgelehnt, Sie wollten aber weiter an dem Thema dranbleiben. Konnten Sie etwas erreichen?

Eins ist klar: An diesem Thema bleiben wir dran. Wie wichtig es uns als Gremium ist, kann man daran sehen, dass wir andere gute Ideen teilweise verwerfen, um das Projekt nicht zu gefährden.

Zum Beispiel?

Die Idee, die U 4 bis zum Riedbad zu verlängern. Das verfolgen wir nicht länger, weil dadurch der Kreisel nicht mehr möglich wäre. Und der Kreisverkehr steht auf der Prioritätenliste der Stadt nicht besonders weit oben.

An welchen Themen werden oder müssen Sie 2023 auch dran bleiben?

Das Baugebiet Leuchte wird uns weiter begleiten, genau wie der Verkehr. Die Arbeiten am Schelmenburgplatz werden wir beobachten. Was ebenfalls wichtig sein wird, sind die Schulen. Auch durch das Neubaugebiet brauchen wir mehr Plätze für Schüler und Schülerinnen. In der Schule am Ried wird schon gebaut, aber das reicht natürlich nicht. Auch Hortplätze muss es mehr geben, da wird es aktuell schon knapp.

Interview: Fabian Böker

Im Hessen-Center steht viel leer. Das soll sich ändern, eventuell auch durch die Ansiedlung des Bibliothekszentrums.
Im Hessen-Center steht viel leer. Das soll sich ändern, eventuell auch durch die Ansiedlung des Bibliothekszentrums. © ROLF OESER
Auch auf Bergen-Enkheim hat der Bau des Riederwaldtunnels Auswirkungen.
Auch auf Bergen-Enkheim hat der Bau des Riederwaldtunnels Auswirkungen. © Renate Hoyer
Das Altstadtfest soll im Juni stattfinden, die Schelmenspiele folgen im Juli, der Berger Markt am ersten Septemberwochenende.
Das Altstadtfest soll im Juni stattfinden, die Schelmenspiele folgen im Juli, der Berger Markt am ersten Septemberwochenende. © Michael Schick

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