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Seit drei Jahren ist das Rathaus in der Marktstraße eingerüstet.

Bergen-Enkheim

Altes Rathaus in Bergen-Enkheim noch bis 2021 eingepackt

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Die Sanierung des Alten Rathauses beginnt im April.

Wer schon vergessen hat, was sich unter dem Stoffgebilde im Zentrum von Bergen verbirgt: Das Alte Rathaus,Wahrzeichen des Stadtteils, blickt auf eine bewegte Geschichte zurück – schon Könige aus England und Schweden waren dort zu Gast. Zur Erleichterung vieler soll die ausstehende Sanierung nun in wenigen Monaten beginnen.

„Als wir mit dem Museum aus dem Alten Rathaus ausziehen mussten und gehört haben, wie viele Jahre das dauern soll, konnten wir es kaum glauben“, erzählt Horst Becker, Leiter des Bergen-Enkheimer Heimatmuseums. „Aber bei so umfangreichen Baumaßnahmen müssen viele Dinge geklärt werden.“ Einsturzgefahr bestehe keine, sicherheitshalber würde das historische Gebäude aber mit Stahlstangen gestützt.

Die Funktion als Rathaus kommt dem vierstöckigen Fachwerkhaus in der Marktstraße schon seit der Eingemeindung Bergen-Enkheims zu Frankfurt 1977 nicht mehr zu. Als sogenanntes Spilhus, einem Dorfgemeinschaftshaus für Verwaltung, Feiern und Tagungen des Gerichts wurde es um 1300 gebaut. Damals als eingeschossige Halle mit Gewölbekeller, wie ein Miniatur-Modell zeigt. „Das charakteristische Balkengefüge, der Wilde Mann genannt, ist erst rund 200 Jahre später aufgesetzt worden“, berichtet Horst Becker. 

Das rote Fachwerk – früher wurde das Holz mit Ochsenblut konserviert – war lange verputzt. Erst 1936 wurde es freigelegt, die westliche Wetterseite zum Schutz mit Schiefer eingekleidet. Zwischenzeitlich befand sich das Polizeirevier im Erdgeschoss. Schon ab 1958 war es das Domizil des Heimatmuseums.

Übergangsweise sind die Modelle des Alten Rathauses im gegenüberliegenden Gebäude aufbewahrt. Die wichtigsten Ausstellungsstücke des Heimatmuseums sollen dort ab dem Frühjahr wieder zwei Mal die Woche der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Größtenteils in Umzugskartons verpackt lagern in den Räumen dahinter derzeit sämtliche Besitztümer des Museums. Nur ein Gips-Modell des Stadtteils, ein Diagramm der Schlacht von Bergen und historische Handwerksgeräte mussten wegen Größe und Gewicht im Alten Rathaus bleiben.

„Es muss einiges gemacht werden“, sagt Horst Becker. Die Prüfung des Bauantrags sei abgeschlossen. „Viele Balken sind marode und müssen ausgetauscht werden und die Wasserleitungen werden erneuert.“ Wegen der Verkehrssituation müsse an vielen Stellen auf einen Kran verzichtet werden, was die Sanierung erschwere. Im April, spätestens Juni dieses Jahres sollen die Bauarbeiten beginnen und rund zwei Jahre andauern.

Über die Kosten hält der Museumsleiter sich bedeckt. „Teuer“, sagt er nur. Sie werden von der Stadt übernommen. Nach der Fertigstellung soll das Heimatmuseum wieder in das Alte Rathaus einziehen. Derzeit wird in Zusammenarbeit mit dem Hessischen Museumsverband an einem modernen Museumskonzept gearbeitet, das auch kleine Veränderungen im Innenraum einschließt.

Dass die Marktstraße durch das Baugerüst derzeit nur im Wechselverkehr passiert werden kann, würden viele mittlerweile gerne beibehalten, sagt Horst Becker. An die Sicherheitsnetze wolle sich aber niemand gewöhnen. „Seit drei Jahren ist das Alte Rathaus jetzt eingepackt. Nur leider nicht so kunstvoll, wie wenn Christo den Reichstag verkleidet“, scherzt er.

Zur Vorstellung des Buchs „Rundgang. Historisches Bergen-Enkheim“ laden die Mitglieder des Heimatmuseums für Donnerstag, 21. Februar, um 19 Uhr in die Buchhandlung „Bergen erlesen“, Schelmenburgplatz 2, ein.

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