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Die rot-weißen Wandvorsprünge stehen mit unter Denkmalschutz.

Bergen-Enkheim

Bergen-Enkheim: Fußgänger besser schützen

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WBE-Fraktion will Vorbau am Fachwerkhaus im Neuen Weg entfernen lassen. Die sollen allerdings den Hang bei Unwettern stützen.

Die Konsolen, die zwei Wandvorsprünge vor dem Fachwerkhaus im Neuen Weg 64, sind so ungewöhnlich, das sie sogar den Ortsbeirat beschäftigten. Warum sie existieren, darüber gab es zahlreiche Spekulationen unter den Stadtteilpolitikern. Ob sie aus Sicherheitsgründen entfernt werden dürfen und ob das überhaupt nötig ist, darüber ist man sich uneinig.

Sie sind ein Mysterium: Etwa einen Meter hoch, rot-weiß gestreift, sind sie zur Straßenseite rechts und links am Wohnhaus angebracht. Gerade so weit auseinander, dass die Hausbesitzer eine Sitzbank dazwischen gestellt haben, überragen die Betonklötze den schmalen Fußweg.

Fußgänger auf dieser Straßenseite müssen den optisch eingezeichneten Rand des Gehwegs deshalb überschreiten – sogar einige Meter auf die Straße ausweichen. Weil das „extrem gefährlich“ sei, möchte die WBE-Fraktion im Ortsbeirat 16 mit einem Antrag prüfen lassen, ob die Konsolen entfernt werden könnten.

„Als wir in das Haus gezogen sind, haben wir einen Architekten hinzugezogen“, sagt die Eigentümerin, verwundert über das plötzliche Interesse des Ortsbeirats an ihrem Haus. Der Planer habe am Gebäude selbst keine statischen Gründe für die Konsolen finden können.

Ellen Wild (BFF) sagt, sie habe sich umgehört: „Die Poller wurden nach einem Unwetter 1947 gebaut.“ Sie sollen auffangen, was der Regen herunterspült. „Damit das nicht den ganzen Berg herunterrutscht.“

Horst Becker vom Heimat- und Geschichtsverein bestätigt die Theorie: „Vor Jahrzehnten hat es ein schweres Unwetter gegeben“, sagt er. „Durch die Hanglage und den Boden, der aus Tonschichten besteht, hat es Erdrutsche gegeben.“ Auf dem Gelände hinter dem Haus, wo sich der Friedhof befindet, seien viele Gräber zugeschüttet worden.

„Davon gibt es bei uns im Archiv noch Bilder.“ Die Konsolen, sagt Becker, seien angebracht worden, damit das Haus am Hang nicht wegrutscht. „Das ist eine Stütze und muss da sein.“ Zum Schutz der Fußgänger könnte man ein Schild an der Stelle aufstellen, schlägt er vor, das Autofahrer warnt und Fußgänger auffordert, auf die andere Straßenseite zu wechseln.

Auch Frank Weil (CDU) sieht keine Notwendigkeit, die Konsolen zu entfernen. Seit Jahrzehnten seien die Anbringungen dort, noch nie sei etwas passiert, noch nie habe er als „Fast-Nachbar“ eine bedenkliche Situation mitbekommen.

Da der Vorbau am Haus befestigt sei, gehöre dieser wohl zum Haus und nicht zur Straße, das mache die Angelegenheit privat, findet Wild. Da die Anbringung in den Bürgersteig hineinragt, sei es das nicht, heißt es von der WBE. Da das Haus denkmalgeschützt sei, könne die Konsole ohnehin nicht entfernt werden, ist ein weiteres Gegenargument. Für einen Fußgängerüberweg reichten an dieser Stelle die Verkehrszahlen nicht, da sind sich alle Ortsbeiräte sicher. Bei Ablehnung von FDP und BFF, wurde der Antrag dennoch verabschiedet.

„Seit 1986“, sagt Lorena Pethig vom Denkmalamt, „steht das Gebäude als Teil der Gesamtanlage unter Denkmalschutz.“ Zwar besäßen die Stützen sicherlich keinen eigenen Denkmalwert, gehörten aber mit zur Gesamtanlage. „Zum Zeitpunkt der Denkmalausweisung waren die straßenseitigen Stützen bereits vorhanden.“

„Weil an einigen Stellen die Farbe abblättert“, so die Eigentümerin, habe sie schon länger geplant diese zu erneuern. Vom Denkmalamt gibt es dafür grünes Licht. Aus denkmalpflegerischer Sicht spräche nichts gegen den Neuanstrich, solange der erforderliche Abstimmungsprozess mit der Denkmalbehörde eingehalten wird.

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