Das Alte Rathaus an der Marktstraße in Bergen ist seit Jahren eingerüstet.

Bergen-Enkheim

Altes Rathaus in Bergen-Enkheim nicht vor 2022 fertig

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Seit Anfang 2000 ist das Alte Rathaus an der Marktstraße geschlossen. Das mehr als 500 Jahre alte Gebäude verfällt. 

Es habe etliche Wendungen gegeben, alles werde wesentlich umfangreicher, sagt Gabriele Schuster vom Kulturamt. Gemeint ist die Sanierung des Alten Rathauses in der Marktstraße von Bergen-Enkheim. Das Wahrzeichen des Stadtteils ist seit Anfang 2000 wegen Einsturzgefahr geschlossen. Am Dienstagabend waren Vertreter der Stadt zu Gast im Ortsbeirat, um über den aktuellen Stand der Arbeiten zu berichten.

Sanierungsbeginn soll im September 2020 erfolgen. Bis dahin muss die Zustimmung von Revisionsamt, Magistrat und Stadtverordnete erfolgt sein, erläuterte Christine Hammel, die beim Amt für Bau und Immobilien auf Denkmäler spezialisiert ist und das Rathausprojekt 2009 übernommen hat. Das Revisionsamt, so Hammel, habe das zuletzt eingereichte Konzept im Frühjahr abgelehnt. „Seither wurden Änderungen vorgenommen, deshalb dürfte die zweite Prüfung erfolgreich sein und schneller gehen.“ Auch für den Magistrat käme die Sanierung nicht plötzlich. „Wir mussten ja immer wieder Gelder nachziehen, die er genehmigt hat. Der Magistrat weiß, was auf ihn zukommt.“

Die finale Ausschreibung, so der Plan, folgt im März. September 2022 soll dann fast alles beim Alten sein. Das Alte Rathaus, auch sein Innenraum, soll kaum verändert werden. Ein Bürgermeister-Zimmer im Obergeschoss wird entfernt. „Es ist vor 80 bis 100 Jahren eingebaut worden. Dort wollen wir die historische Diele wieder freilegen.“ Hinzu kommt eine Zentralheizung statt Elektroöfen; dezente, gläserne Brandschutzwände nahe des Treppenhauses sowie Vorfenster im Erdgeschoss als Schall- und Wärmeschutz. Für Veranstaltungen soll es eine Küchenzeile und barrierefreie Toilette im Erdgeschoss geben. Auch das derzeit ausquartierte Heimatmuseum soll dort wieder seinen Platz finden.

„Eine sehr spannende Nuss, die es zu knacken gilt“ sei die Organisation der Baustelle angesichts des geringen Platzes. Denkbar sei, die Marktstraße einzuhausen, wie es in der Töngesgasse gemacht worden sei, und den Parkplatz beim ehemaligen Schlecker anzumieten. Es könnte aber auch sein, dass das bestehende Gerüst sich nicht für die Bauarbeiten eignet, zurückgebaut und ersetzt werden müsse.

„Uns drängt es selbst, das Rathaus wieder stabil zu machen“, versicherte Hammel. Denn der Zustand des mehr als 500 Jahre alten Gebäudes, das als Rathaus, Versammlungsort, Polizeirevier und zuletzt als Sitz des Heimatmuseums diente, verschlechtere sich stetig. „Der Tiefpunkt war 2014“, sagte sie. „Da war das ganze Planungsteam bestehend aus Vertretern von Ämtern und Architekten sehr frustriert.“ Vorangegangen waren gründliche Fenster- und Fassadenanalysen, bauhistorische Untersuchungen, Schadstoff-, Schädlings- und Schutzmittelanalysen. Es wurden denkmalrechtliche Baugenehmigungen eingeholt, Kostenplanungen eingereicht – und immer wieder Absagen für die Sanierung erteilt, weil das Geld fehlte.

Weitere von außen nicht sichtbare, gravierende Schäden in Fachwerk und Dachbalken kamen zutage. „Fassade und Dach sind am schwersten betroffen, viele Balken sind verformt“, erläuterte Hammel. Als der Glockenturm 1704 aufgesetzt wurde, sei wenig Rücksicht darauf genommen worden, ob das Gebäude ihn überhaupt tragen könne. Weil man keine Notlösungen, sondern eine komplette Instandsetzung anstrebte, wählten die Projektbeteiligten einen neuen Finanzierungsweg mit Ausschreibung, ähnlich einem Neubau. Wie hoch die Kosten der Sanierung letztendlich sein werden, konnte niemand am Dienstag sagen.

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