Goethe-Universität

Streit über Benennung von Uni-Raum in Frankfurt

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Jahrelang wurde  um die „Adolf-Messer-Stiftungs-Lounge“ gestritten. Jetzt gibt es Ärger wegen einer Asta-Broschüre zu der Kontroverse.

Der jahrelange Streit um die Benennung eines Gemeinschaftsraums der Goethe-Universität nach dem Hofheimer Industriellen Adolf Messer zieht neue Kreise. Der Asta der Hochschule verbreitet eine selbst erstellte Broschüre zu der gesamten Auseinandersetzung nur noch in einer teilweise geschwärzten Version, weil das Präsidium der Universität befürchtet, dass sonst uniinterne Dokumente an die Öffentlichkeit gelangen könnten.

Der letztlich sogar bundesweit wahrgenommene Streit um den Raum am naturwissenschaftlichen Campus Riedberg war entbrannt, nachdem dieser 2015 in „Adolf-Messer-Stiftungs-Lounge“ umbenannt worden war. Die Universität wollte mit der Umbenennung das Engagement der Adolf-Messer-Stiftung für die Hochschule würdigen. Nach kurzer Zeit hatten Studierende und Lehrende der Goethe-Universität die Umbenennung aber scharf kritisiert, weil der Namensgeber der Stiftung, Adolf Messer, 1933 in die NSDAP eingetreten war, sein Unternehmen während der Nazi-Zeit an Rüstungsprojekten beteiligt war und Zwangsarbeiter beschäftigt hatte. Der Universität wurde vorgeworfen, nur an der Namensgebung festzuhalten, um die Stiftung nicht zu verärgern. Im Februar dieses Jahres wurde der Raum in „Common Room“ umbenannt.

Der Asta bleibt dennoch bei seiner generellen Kritik am Verhalten der Unileitung in der Kontroverse und hat eine 60-seitige Broschüre erstellt, in der unter anderem Briefwechsel und Medienberichte zu der Auseinandersetzung dokumentiert sind – und zwei Gutachten, die zum Verhalten Adolf Messers während der NS-Zeit erstellt worden waren.

Drohungen gegen den Asta

Im Mai forderte Unipräsidentin Birgitta Wolff den Asta dann mit einem Brief auf, die Broschüre nicht weiter zu verteilen, weil dort auch Dokumente des Unisenats abgedruckt sind. Diese dürften aber nur hochschulintern verbreitet werden, so Wolff. Die Präsidentin drohte in ihrem Brief damit, den Asta notfalls von den Sitzungen des Senats auszuschließen.

Der Asta hat nachgegeben: Auf seiner Homepage findet man die Broschüre nur noch in einer zensierten Version, in der die Senats-Dokumente geschwärzt sind. Die Asta-Vorsitzende Kyra Beninga sagte der Frankfurter Rundschau, man befürchte, dass Streit innerhalb der Universität künftig kaum noch öffentlich ausgetragen werden kann. „Wir fragen uns, was als nächstes kommt“, sagte Beninga. Im Streit um die „Adolf-Messer-Stiftungs-Lounge“ sei der öffentliche Druck entscheidend gewesen, um zu erreichen, dass an der Goethe-Universität kein Raum nach einem NSDAP-Mitglied benannt werden könne.

Das Unipräsidium teilte der FR auf Anfrage mit, es stehe dem Asta „selbstverständlich frei, seine Meinung in Presseverlautbarungen und Broschüren öffentlich zu machen“. Man habe allerdings schon wiederholt darauf hingewiesen, dass die Arbeit universitärer Gremien nur funktionieren könne, „wenn Sitzungsinhalte sowie die vorbereitenden Unterlagen vertraulich behandelt werden“. Diese seien auch aus Datenschutzgründen nicht für die allgemeine Öffentlichkeit bestimmt. Wenn die Vertraulichkeit nicht gesichert sei, bestehe die Gefahr, dass etwa im Senat „nicht mehr offen gearbeitet und diskutiert wird“.

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