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Bembel für die Gärfreunde

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Von: Laura Henkel

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Früher gab es ein Kirchweihfest, heute wird in St. Dionysius Apfelwein verkostet.
Früher gab es ein Kirchweihfest, heute wird in St. Dionysius Apfelwein verkostet. © Rolf Oeser

Der Stadtteil wählt einen neuen Apfelweinkönig. Elf Hobbykelterer haben sich um die Auszeichnung beworben. Wer gewinnt?

Es ist eine Tradition, die seit Beginn des Jahrtausends besteht: Jedes Jahr im Herbst wählen die Sindlinger zum Kirchweihfest der katholischen Gemeinde St. Dionysius einen Apfelweinkönig. Zur Wahl treten Hobbykelterer aus dem Stadtteil an. „Wenn man mit dem Keltern anfängt, probiert man sich ein bisschen aus, aber mit der Zeit entwickelt jeder seine eigenen Vorlieben“, erzählt Hasso Hör, der seit 15 Jahren keltert und 2015 sowie 2016 zum Apfelweinkönig gekrönt wurde. Dadurch entstehen bei den verschiedenen Kelterern klare Unterschiede in Geruch, Geschmack und Farbe des Getränks.

Der Titelverteidiger möchte auch in diesem Jahr den Sieg holen. „Aber im Grunde geht es uns allen nur um den Spaß“, sagt Hör. Jeder der Kandidaten stellt für die Wahl des Königs einige Krüge seines selbst gekelterten Apfelweins zur Verfügung, der von den Festbesuchern gekostet und bewertet wird. Der Wahlsieger erhält als Gewinn einen Vier-Liter-Bembel, der zweite und dritte Platz je einen Fresskorb. Eine Besonderheit ist die Einladung zum sogenannten Majestätenempfang, den der amtierende hessische Ministerpräsident jedes Jahr für die Hoheiten des Landes ausrichtet. So lud Volker Bouffier (CDU) im Winter Hasso Hör und mehr als 100 andere Wein-, Spargel- und Erdbeerköniginnen in das Wiesbadener Schloss Biebrich, um ihnen für ihren ehrenamtlichen Einsatz und die Weiterführung von Tradition und Kultur zu danken.

Die Idee zur Wahl des Apfelweinkönigs entstand in Sindlingen erst nach dem Wegfall des traditionellen Kirchweihfestes, das früher noch mit einer Kerb gefeiert wurde. „Als Ersatz für die Kirmes haben wir zuerst einen bunten Abend ausgerichtet. Irgendwann kam aber die Idee auf, einen Wettbewerb zu veranstalten, da viele Sindlinger seit Jahren selbst keltern“, erzählt Jürgen Peters, der als Hobbykelterer selbst schon mehrfach teilgenommen hat.

Elf Weine werden bewertet

Am Wochenende sind elf Kandidaten ins Rennen um die Krone für den „Sindlinger Ebbelwoi-König 2017“ gegangen, darunter fünf Kelterer und sechs Keltergemeinschaften wie die „Bembelbude“, die „Gärfreunde“ und „die „Ebbelwörmscher“. Nach der feierlichen Eröffnung des Abends wurde ein Film gezeigt, in dem sich die Bewerber um den Titel des Apfelweinkönigs vorstellten und kreativ zum Ausdruck brachten, was ihr Hobby für sie bedeutet. Da gab es Gedichte, Lieder und sogar Rap-Einlagen zu Ehren des Lieblingsgetränks.

Bewaffnet mit Stiften und Stimmzetteln, auf denen die Geschmackseindrücke aus elf verschiedenen Bembeln mit Noten von 1 („Es goldisch’ Stöff’che fer mich schlechthin“) bis 6 („Mit dem kannste heechstens en Salat aamache“) bewertet werden sollten, kosteten die Festbesucher die Apfelweine. Nach Eingabe der letzten Stimmzettel begannen bei musikalischer Untermalung der Sindlinger „Bierlandschrummler“ die Hochrechnungen zur Wahl.

Am Ende des Abends konnten sich die Gärfreunde, bestehend aus Gernot Kölbl, Gerald Carda und Martin Bertelmann über die Krönung zu den Sindlinger Apfelweinkönigen 2017 freuen.

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