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Die Sperrung des Mainkais für den Autoverkehr ist weiter umstritten.

„Sachsenhausen wehrt sich“

Belastung in Sachsenhausen: Mainkai-Sperrung soll rückgängig gemacht werden

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Herbert Schmoll von „Sachsenhausen wehrt sich“ bemängelt die Zunahme von Autoverkehr durch die Mainkai-Sperrung.

Herr Schmoll, aus welchen Gründen haben Sie die Bürgerinitiative „Sachsenhausen wehrt sich“ gegründet?
Eine Bekannte hat mich schon vor der Mainkai-Sperrung darauf aufmerksam gemacht, der Verkehrsdezernent wolle den Verkehr von der nördlichen Mainuferstraße auf die südliche Seite verschieben. Als der Mainkai dann gesperrt war, hatte ich einen Termin in einem Hotel nahe der Konstablerwache. Normalerweise brauche ich zehn Minuten dorthin. Nun waren es 40, ich bin eine halbe Stunde zu spät gekommen. Da wurde mir klar: Da sind Dilettanten am Werk, die nicht davor zurückschrecken, die Stadt lahmzulegen.

Wo beobachten Sie mehr Verkehr in Sachsenhausen seit der Sperrung?
Im Wesentlichen am Schaumainkai, in der Schweizer und in der Gartenstraße. Von der Sperrung sind rund 20 000 Autos betroffen. Man kann damit rechnen, dass mindestens die Hälfte nun durch Sachsenhausen fährt. Wenn dann auch noch der Schaumainkai wegen des Flohmarkts etc. gesperrt ist, drängen sich 10 000 bis 15 000 Fahrzeuge zusätzlich durch die Schweizer und durch die Gartenstraße. Das kann nicht funktionieren. Und selbst wenn, die Belastung für die Anwohner wäre unerträglich.

„Freie Fahrt“ ist ein relativer Begriff

Wollen Sie die Sperrung des Mainkais wieder rückgängig machen?
Das ist unser erstes Ziel. Wenn das nicht passiert, rufen wir die Sachsenhäuser Bürger dazu auf, die Politiker nicht mehr zu wählen, die für die Sperrung verantwortlich sind.

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Die Bürgerinitiative wurde vor wenigen Tagen gegründet, nun hat sie schon mehr als 500 Mitglieder.
Ja, am Anfang hatte ich rund 80 Anmeldungen am Tag, nun sind es täglich rund 50. Das Interesse ist immer noch enorm.

Herbert Schmoll hat die Bürgerinitiative „Sachsenhausen wehrt sich“ ins Leben gerufen. Er ist 68 Jahre alt, Personalberater und lebt in Sachsenhausen. Internet: initiative-verkehrs-chaos.de

Aber wenn man morgens im Internet auf der Website mainziel.de den Verkehr in Echtzeit beobachtet, sieht man am Schaumainkai, auf der Untermainbrücke, der Gartenstraße, auf der Berliner Straße in der Regel „grün“, also freie Fahrt. Wie kommen Sie zu der Beobachtung, der Verkehr habe drastisch zugenommen.
„Freie Fahrt“ ist ein relativer Begriff. Ich kann Ihnen gerne Bilder von Betroffenen zur Verfügung stellen, die zeigen, wie diese „freie Fahrt“ aussieht. Es kann nicht ohne Konsequenzen bleiben, wenn 10 000 bis 20 000 zusätzliche Autos an einem Tag durch einige wenige Straße fahren. Alle, die in den betroffenen Straßen wohnen, beklagen sich massiv über die Zunahme des Verkehrs.

Wie stellen Sie sich die Mobilität der Zukunft denn vor?
Bevor man eine Sperrung wie am Mainkai umsetzt, muss man zunächst dafür sorgen, dass weniger Autos in die Stadt reinkommen. Park-and-Ride-Parkplätze könnten dabei helfen, zum Beispiel an der Sachsenhäuser Warte oder an der Kennedyallee. Erst wenn weniger Autos in der Stadt sind, kann man darüber nachdenken, die eine oder andere Straße zu sperren. Die Verkehrsbelastung in voller Höhe zu belassen und von einem Stadtteil einfach in einen anderen zu verlagern, geht nicht. Das ist keine Strategie.

Was halten Sie von dem Radentscheid-Kompromiss, den die Stadtverordneten beschlossen haben, und der unter anderem vorsieht, Fahrspuren an Hauptstraßen wie der Schweizer Straße oder der Friedberger Landstraße zugunsten des Radverkehrs wegzunehmen?
Ich finde es in Ordnung, wenn man dieses Ziel verfolgt. Ich fahre selbst gerne Rad und es ist auch in meinem Interesse, dass Radfahrer in der Stadt vorankommen. Aber man kann nicht alles dichtmachen und damit Stau verursachen. Zuerst muss man dafür sorgen, dass weniger Autos in der Stadt sind. Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) geht davon aus, dass sich der Autoverkehr infolge der Sperrung verringern und besser verteilen wird. Das brauche aber nicht wenige Wochen, sondern mehrere Monate. Der Verkehrsdezernent meint, dass sich alles von selbst regelt, und die Autos sich ihren Weg suchen werden. Es scheint ihm egal zu sein, dass Autos sich den Weg durch bisher ruhige Seitenstraßen suchen, wenn die Hauptstraßen gestaut sind. Ich finde das dilettantisch.

Interview: Florian Leclerc

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