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Hiltraud Krüger ist eine der Grünen Damen im Krankenhaus Sachsenhausen, die den Patienten als Gesprächspartner zur Verfügung stehen.

EKH

Grüne Damen und Herren betreuen ehrenamtlich Patienten in Frankfurt

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Grüne Damen und Herren sind  im Krankenhaus Sachsenhausen aktiv. Dabei müssen sie oft auch erfinderisch werden.

Sich als Patient in einem Krankenhaus wiederzufinden, ist für die meisten Menschen ein einschneidendes Erlebnis. Neben der Sorge um die eigene Gesundheit belastet sie die fremde Umgebung und die fehlende Nähe zu Angehörigen. Doch den Pflegekräften fehlt die Zeit, sich außer um die medizinische und pflegerische Versorgung der Patienten auch um deren persönliche Bedürfnisse zu kümmern. Das tun die Grünen Damen und Herren, die Kranken in Hospitälern ihre Zeit schenken. Eine der bundesweit rund 11 000 ehrenamtlich arbeitenden Kräfte der Evangelischen Kranken- und Altenhilfe (EKH) ist Hiltraud Krüger. Sie ist Grüne Dame im Frankfurter Krankenhaus Sachsenhausen.

„Es fühlt sich gut an, wenn man nach seinem Dienst mit dem Gefühl nach Hause geht, einem anderen Menschen wenigstens ein bisschen geholfen zu haben“, sagt die 67-jährige Frankfurterin, die vor ihrem Ruhestand Bibliothekarin an der Frankfurter Universitätsbibliothek war. Sie steht im grünen Kittel, der sie als Grüne Dame ausweist, auf der Station C2, einer der beiden Stationen für Innere Medizin im Krankenhaus Sachsenhausen, vor einer Zimmertür. „Jetzt klopfe ich an und schau mal, was passiert“, sagt Krüger mit einem Augenzwinkern und stellt sich nach ihrem Eintreten den zwei Patientinnen, die in ihren Betten liegen, vor.

Die ältere der beiden Frauen freut sich über ein Gespräch. Am Wochenende ist die Aschaffenburgerin ins Krankenhaus in der Schulstraße gebracht worden, die Angehörigen sind fern. Die Grüne Dame setzt sich auf einen Stuhl neben dem Bett und nimmt sich Zeit für sie.

Insgesamt sechs Grüne Damen und zwei Grüne Herren sind derzeit an dem Krankenhaus des Deutschen Gemeinschafts-Diakonieverbandes tätig. Die meisten sind im Ruhestand. „Wir haben aber auch zwei, die berufstätig sind“, sagt Krankenhausseelsorger Andreas Konrad, der die Grünen Damen und Herren im Haus betreut. Menschen, die sich für diese ehrenamtliche Arbeit interessieren, lädt er zu einem Gespräch ein; danach können sie, sofern sie sich für die Tätigkeit eignen, auf den Stationen hospitieren. Eine Ausbildung gibt es nicht. Die EKH als Dachverband bietet einen Basisgrundkurs an, und auch das Krankenhaus Sachsenhausen selbst lädt zu Fortbildungen ein, doch bindend ist die Teilnahme nicht. „Es ist ein bisschen ‚learning by doing‘“, sagt Konrad über den Einstieg.

Voraussetzung für die Arbeit als Grüne Dame oder Grüner Herr: Mindestalter 18 Jahre, wöchentliche Verfügbarkeit drei bis vier Stunden, Einfühlungsvermögen, Lebenserfahrung, Verschwiegenheit, psychische und physische Belastbarkeit, Teamfähigkeit.

Kontakt: Wer im Krankenhaus Sachsenhausen, Schulstraße 31, als Grüne Dame oder Grüner Herr arbeiten möchte, kann sich an den Krankenhausseelsorger Andreas Konrad, 069/6605-1400, oder die Diakonisse Sabine Buck, 069/6605-1407, wenden. E-Mail: info@khs-ffm.de.

Die Grünen Damen und Herren übernehmen das, was die Pflegekräfte aufgrund ihrer hohen Arbeitsbelastung nicht leisten können: Neben Gesprächen mit Patienten begleiten sie diese auf Wunsch zu Untersuchungen, sie besorgen ihnen Bücher und Zeitungen oder auch Körperpflegemittel aus dem Lädchen im Krankenhauscafé. Sie vermitteln Kontakte zu hauptamtlichen Mitarbeitern und auch schon mal zu Familienangehörigen.

„Eine Patientin, die keinen Kontakt mehr zu ihren Eltern hatte, bat mich, deren Adresse herauszufinden“, erinnert sich Hiltraud Krüger. Sie fand sie, aber ob die Frau danach tatsächlich ihre Mutter oder ihren Vater angerufen hat, weiß sie nicht. Die Grünen Damen und Herren, die wöchentlich zwischen drei und sechs Stunden im Krankenhaus verbringen, sehen die Patienten in der Regel nur einmal, die wenigsten Kranken bleiben zwei oder gar drei Wochen da.

Taktgefühl sei bei der Betreuung der Patienten gefragt, sagt Krüger. Nicht jeder wünsche den Kontakt zu den ehrenamtlichen Helfern. „Manche drehen sich weg, wenn man den Raum betritt“, sagt sie. Einzelne befürchteten Missionierungsversuche, sagt Pfarrer Konrad. Das sei aber völlig grundlos. Grüne Damen und Herren müssten im Krankenhaus Sachsenhausen keine Christen sein, sie müssten nur die christliche Ausrichtung des Hauses akzeptieren. „Eine unserer Grünen Damen war eine Muslima. Leider steht sie uns erst einmal nicht mehr zur Verfügung. Sie hat ein Kind bekommen“, sagt Konrad.

Die Sprache sei bei der Betreuung der Patienten manchmal ein Hindernis, erzählt Hiltraud Krüger aus ihrem Alltag als Grüne Dame. Einige Patienten sprächen weder Deutsch noch Englisch. Dann versuche sie, mittels Zeichensprache oder Mimik zu kommunizieren, etwa indem sie mit fragendem Gesichtsausdruck auf eine Wasserkaraffe deute. Und manchmal seien auch die fremdsprachigen Patienten erfinderisch, sagt sie und berichtet von einem türkischen Patienten, der seinen Enkel anrief, damit der übers Handy dolmetschen konnte. „Wir hatten alle drei wegen des Hin und Her viel Spaß“, sagt sie. Und am Ende wusste sie: Der Mann wünschte sich einfach eine Tasse Kaffee.

Konrad hat auch einen Wunsch, nämlich dass sich mehr Menschen für die ehrenamtliche Arbeit als Grüne Dame oder Grüner Herr interessieren. Sie entlasteten mit ihrem Einsatz die Pflegekräfte und stünden Menschen bei, die sich in einer Ausnahmesituation befinden, sagt der Seelsorger. „Schön wäre es, wenn wir einen Lotsendienst aufbauen könnten, der neue Patienten oder ihre Angehörigen, die oft sehr aufgeregt sind, zu den Stationen bringen.“

Weitere Infoszum Krankenhaus Sachsenhausen online auf der Seite www.khs-ffm.de

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