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Prozess am Landgericht wegen Beilattacke am Roßmarkt

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Von: Stefan Behr

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Landgericht Frankfurt/Main
Landgericht und Amtsgericht in Frankfurt. © Fredrik von Erichsen/dpa/Archivbild

Am Landgericht Frankfurt hat der Prozess gegen einen 50-Jährigen begonnen, der seine Ehefrau erst gestalkt und dann angegriffen hat.

Frankfurt – Für die Staatsanwaltschaft ist es zweifacher versuchter Mord und gefährliche Körperverletzung: Am 20. Januar dieses Jahres lauert Minh P. seiner Ehefrau vor deren Arbeitsplatz, einem Nagelstudio am Roßmarkt in Frankfurt, auf. Er ist ziemlich sauer: Seine Frau, mit der er seit April 2020 verheiratet ist, hat ihn nicht nur verlassen, sondern auch noch wegen Vergewaltigung angezeigt. Das verlangt in P.s Welt Vergeltung, und zwar jenseits der üblichen Prügel.

P. ist bestens präpariert. In der Innenseite seiner Jacke hat er mit Klebeband zwei Beile und drei Messer befestigt, er observiert den Arbeitsplatz vom frühen Morgen an in einem Mietwagen. Die Scheiben hat er verdunkelt, er verlässt das Auto auch nicht und erleichtert sich in mitgeführte leere Flaschen. Zum einen, damit ihn seine Ehefrau, die er seit Wochen stalkt, nicht sieht, zum anderen wegen der Verkehrspolizei, die immer mal wieder bei dem falsch parkenden Auto vorbeischaut.

Beilattacke am Roßmarkt in Frankfurt: Angst vor stalkenden und gewalttätigen Mann

Als die 35-Jährige am frühen Abend ihren Arbeitsplatz verlässt, tut sie das wie immer in Begleitung eines Kollegen – aus Angst vor ihrem stalkenden und gewalttätigen Mann. Der vermutet wie üblich andere Gründe, steigt aus seinem Autoversteck und stürmt mit erhobener Axt auf die Frau zu, die sich in letzter Sekunde in ein Restaurant retten kann. Während die Frau und Restaurantangestellte die Tür von innen blockieren, drischt P. mit dem Beil gegen die Glastür, die aber standhält. Der Kollege der Frau blockiert die Tür von außen und wird von P. an der Hand verletzt. Erst einem Überfallkommando der Polizei gelingt es, dem Rasenden Einhalt zu gebieten. Seitdem sitzt er in U-Haft.

Für Minh P. ist es maximal Falschparken. In einer Rede, die mit zunehmender Dauer die Frage aufwirft, ob P. noch ganz licht im Gemüt ist, stellt er seine Sicht der Dinge dar. Schuld sei alleine seine Frau, die er vor der Heirat auch gar nicht gekannt habe. Seine erste Ehe hatte im Desaster und in einer fünfjährigen Freiheitsstrafe wegen Vergewaltigung geendet. Am ersten Verhandlungstag vor dem Landgericht am Freitag (18. November) wird nicht ganz klar, ob P. seine damalige Frau oder eine seiner außerehelichen Freundinnen vergewaltigt hatte.

Das Landgericht Frankfurt erhält zusätzliche Strafkammern: Von der großen Personaloffensive in der hessischen Justiz soll nicht zuletzt Frankfurt profitieren. Höhere Einstiegsgehälter für Richterinnen und Richter, Aushilfen für den Protokolldienst.

Beilattacke am Roßmarkt in Frankfurt: Wollte nur „erschrecken“

Diesmal will er es besser machen, aber schon beim ersten Treffen nennt die neue Frau ihn „alt“, obwohl er bloß 15 Jahre älter ist. Trotz sofortiger Entschuldigung findet er das „respektlos“. Und es wird noch schlimmer: Als er ein paar Tage später nach Hause kommt, ist seine Frau nicht da, aber die Herdplatte noch an. Er tobt, sie gelobt Besserung, aber wenige Tage später ist die Frau wieder nicht da, aber in der Küche brennt Licht und das Fenster ist auf. Danach läuft ihm seine Frau immer wieder ungebeten in die gestreckte Faust, ein Phänomen, das er schon bei seiner ersten Frau beobachtet habe. Und dann verlässt sie ihn auch noch.

Er habe sie weder töten noch verletzen, sondern nur „erschrecken“ wollen, sagt P. Messer und Beile habe er nur als eine Art Türstopper mitgenommen, um zu verhindern, dass sich seine Frau durch Flucht einem vernünftigen Gespräch entziehe.

Zudem habe er sie ja gewarnt: Falls er sie je mit einem anderen Mann sehe, dann setze es was, und zwar für beide. Nichts gegen Seitensprünge, „ich bin selbst immer wieder fremdgegangen“, aber man dürfe sich dabei nicht erwischen lassen, das sei „eine Frage des Respekts“ gegenüber dem betrogenen Partner. Er habe nur ein Versprechen eingelöst. „Für mich macht es einen Mann aus, dass er auch tut, was er sagt.“ Und wenn es der größte Schwachsinn ist. Der Prozess wird fortgesetzt. (Stefan Behr)

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