Corona-Virus

Begleitung mit Postkarten und Puzzles

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Der Ambulanter Kinder- und Jugendhospizdienst kann seine begleiteten Familien nicht mehr besuchen. Kreativität ist gefragt, um trotzdem in Kontakt zu bleiben.

Die Kontaktsperre während der Corona-Krise erschwert auch die Arbeit vieler Institutionen, die auf die Hilfe von Ehrenamtlichen angewiesen sind. Beim ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst Frankfurt und Rhein-Main liegt die Arbeit mit den Familien fast komplett auf Eis.

„Für die Familien ist diese Zeit eine große Herausforderung“, sagt Koordinationsfachkraft Larissa Engelhardt, eine von drei Hauptamtlichen. Normalerweise gingen die ehrenamtlichen Helfer alle paar Wochen für ein paar Stunden in die rund 40 begleiteten Familien, um vor allem die Eltern zu entlasten, indem sie Zeit mit den Kindern oder Jugendlichen verbringen, die unter einer lebensverkürzenden Erkrankung leiden. Oder sie kümmern sich um die Geschwisterkinder, die manchmal zu kurz kommen.

„Aber aktuell gehen die Ehrenamtlichen nicht zu den Familien“, sagt Engelhardt. Die Begleitung pausiert, unter anderem, weil die erkrankten Kinder zur Risikogruppe zählen und sich leicht anstecken könnten. Die Familien seien nun teilweise komplett auf sich alleine gestellt. „Unsere Ehrenamtlichen sind aber kreativ geworden“, erzählt die 29-Jährige. So verschicken sie regelmäßig Postkarten oder selbst gebastelte Puzzles, andere haben auf Videotelefonate umgestellt und an Ostern überreichten sie – mit ausreichendem Abstand – auch das eine oder andere süße Geschenk. Ein vollwertiger Ersatz für die gewohnte Begleitung ist dies alles aber nicht. „Es ist eben etwas anderes, sich zu begegnen. Das persönliche Gespräch fehlt den Familien, die Unterstützung brauchen.“ Die Koordinatorin ist froh, dass sich zumindest kein Kind in einer Krise befindet, das würde die Situation der betroffenen Familie zusätzlich erschweren.

Auch die zahlreichen Familienveranstaltungen, die üblicherweise organisiert werden, sind gestrichen. Die Hilfe-zur-Selbsthilfe-Gruppen, der Familienbrunch, die Treffen, die Ausflüge. „Im Mai wäre das Väter-Geschwister-Wochenende gewesen, aber das fällt nun leider aus.“

Dass die Krise sich auch finanziell auf den Hospizdienst auswirken wird, ist nicht unwahrscheinlich. Die Frankfurter Institution hat beispielsweise durch Dienstfahrzeuge und ein eigenes Büro, das momentan nicht genutzt wird, laufende Kosten. Zudem sind bereits Benefizveranstaltungen zugunsten des Dienstes abgesagt worden.

Auch der Ausbildungskurs für 15 neue Ehrenamtliche kann nicht planmäßig gehalten werden. Dadurch werde sich der Zeitpunkt nach hinten verschieben, an dem die Neuen die Familien unterstützen können. „Dabei suchen wir händeringend Ehrenamtliche“, sagt Engelhardt. Aktuell habe man mehr Familienanfragen als Ehrenamtliche. Um einen reibungslosen Ablauf zu garantieren, soll es nach Möglichkeit pro Familie immer zwei Helfer geben, deren Altersspektrum von Anfang 20 bis Mitte 70 reicht.

Die Arbeit der Ehrenamtlichen endet nicht mit dem Tod des erkrankten Kindes; die Begleitung der Familien gehe darüber hinaus. „Das ist für viele Familien schön“, sagt Engelhardt. Sie hätten dann in der Zeit der Trauer eine Person, der sie vertrauen. Der Unterschied zur Hospizarbeit mit Erwachsenen liege vor allem in der Dauer der Begleitung. Bei Kindern und Jugendlichen sei man oft über viele Jahre unterstützend dabei. „Eine unserer Familien begleiten wir zum Beispiel seit 13 Jahren.“

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