Gericht

Es begann auf dem Frankfurter Weihnachtsmarkt: Gefährliche Liebschaften im Jägermeistermilieu

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Das Amtsgericht verhandelt einen bizarren Fall von heiß servierter Rache.

Die dramatis personae dieser Geschichte rekrutieren sich aus der Schaustellergehilfenszene. Die Beteiligten haben sich sämtlich auf dem gestern mal wieder eröffneten Frankfurter Weihnachtsmarkt kennengelernt. Eine Adventsgeschichte ist das trotzdem nicht.

Der 36 Jahre alte Bastian R. steht wegen Brandstiftung vor dem Amtsgericht. Am 26. August 2017 entzündete er zur Feier des Vilbeler Marktes Grillanzünder auf den Reifen von Jan P.s Passat. Ein weiteres Motiv war die zuvor von P. via Messenger an R.s Gattin Angina versandte Nachricht, er gedenke, die beiden beim Jugendamt anzuschwärzen, weil sie sich tagaus, tagein der Sauferei hingäben, statt sich um ihre frischgeborene Tochter zu kümmern. Der Passat brannte komplett ab, ein daneben stehender Kleinbus wurde angebraten, der Feuerwehreinsatz kostete knapp 11 000 Euro.

Bastian R. ist geständig und macht eine „gewisse alkoholische Enthemmung“ mitverantwortlich. Sein vier Tage zuvor gefeierter Geburtstag habe noch ein wenig nachgedieselt. Außerdem sitze er nur hier, weil Nadine L., die beste Freundin seiner Frau, ihn verraten habe, weil L. nämlich am Vortag des Tattages ihre Liebschaft mit Jan P. beendet und am Nachtag wiederaufgenommen – und ihn verpetzt habe.

Und das sei mutig gewesen, sagt Jan P., der nach eigenen Angaben bis heute eine „On/Off-Beziehung“ mit Nadine L. pflegt, im Zeugenstand. Denn Bastian R. und Nadine L.s Gatte Helmut hätten der armen Frau gedroht, „dass sie eine auf’s Maul kriegt, wenn sie was sagt“. Und mit R. sei nicht zu spaßen. Vor wenigen Wochen erst seien „drei Männer bei mir im Hof gewesen, die wollten mir auf die Fresse hauen, einer davon war R.“, aber er habe so getan, als sei er nicht da. Er habe sich am Tattag über die Eheleute R. geärgert, weil die am frühen Morgen „schon wieder am Saufen waren, obwohl daheim ein Säugling liegt“. Derzeit sei seine Beziehung mit Nadine L. übrigens wieder on.

Sie sei komplett off, widerspricht Nadine L. Und weder Bastian R. noch ihr Ehemann Helmut hätten sie je bedroht. Im Gegensatz zu Jan P., der ihnen schon dreimal das Jugendamt auf den Hals gehetzt habe, weil sie angeblich nicht nur Hartz IV, sondern auch das Kindergeld versaufen würden. Was so nicht ganz stimme.

Walter L. kann sich im Zeugenstand trotz großer Anstrengungen nicht mehr daran erinnern, wie alt er ist. An der Sauferei liege das nicht, sagt er, vielmehr daran, „dass ich ziemlich sehr stark kiffe. Ich weiß nicht mal mehr, wann meine Mutter gestorben ist.“ Auch an den Tattag fehle ihm jede Erinnerung, er wisse nur noch, dass er „Pfandflaschen zurückgebracht“ habe. Dunkel erinnert er sich an Jan P. Der spanne ihm immer wieder die Frau aus und habe sie außerdem nicht nur beim Jugend-, sondern auch beim Veterinäramt verunglimpft: „Wir haben einen Schäferhund, altdeutsch, in Schwarz“, erinnert er sich vage, dem sie angeblich das Futter wegsaufen würden, was aber so nicht ganz stimme. Soweit er sich erinnere, sei seine Frau derzeit bei ihm, „und darüber bin ich froh, weil ich heirate ja nicht umsonst“.

Das Amtsgericht verurteilt Bastian R. schließlich zu einer Bewährungsstrafe von 16 Monaten und der Zahlung von 2100 Euro an Jan P.

In das Urteil fließt noch eine sechsmonatige Bewährungsstrafe wegen Körperverletzung ein, zu der das Amtsgericht R. im Juli dieses Jahres verurteilt hatte. R. und ein Kumpel hatten sich unter Vorspiegelung friedlicher Absichten Zutritt zu der Wohnung eines Freundes verschafft, der sich vergebens auf dem Abort verschanzte.

Die beiden Wüteriche traten die Tür ein, stürmten das stille Örtchen und verpassten dem Insassen ein zünftiges Veilchen. Laut Urteil handelten beide unter „erheblichem Alkoholeinfluss“. Laut R. handelten beide, weil der Kloflüchtling zuvor „meiner Frau sein Genital geschickt hatte“, und so etwas gehöre sich nicht.

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