1. Startseite
  2. Frankfurt

Befragungen für Zensus 2022 in Frankfurt haben begonnen

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Ein Teil der Bevölkerung muss in einem persönlichen Interview Auskunft geben.
Ein Teil der Bevölkerung muss in einem persönlichen Interview Auskunft geben. © Daniel Karmann/dpa

Die Volkszählung soll umweltbewusster gestaltet werden. Das Anfangsdatum wurde wegen der Corona-Pandemie um ein Jahr verschoben. Von Paula Tauber.

Über 75 000 Frankfurter:innen haben in den vergangenen Tagen Post erhalten. Sie gehören zur ersten Welle der Befragten für den diesjährigen Zensus. Das ist eine statistische Erhebung, die herausfinden soll, wie viele Menschen in Deutschland leben; wo sie wohnen und arbeiten. Die Volkszählung findet alle zehn Jahre statt und wurde pandemiebedingt von 2021 auf 2022 verlegt.

Nicht alle in Deutschland lebenden Personen werden für den Zensus 2022 befragt. Es handelt sich um einen sogenannten registergestützten Zensus. Das bedeutet, dass nicht nur die Antworten der Befragten in das Ergebnis einfließen, sondern auch Daten, die sich bereits in den Registern der Verwaltung befinden. Bundesweit müssen etwas mehr als zehn Millionen Menschen an der persönlichen Befragung teilnehmen. Außerdem findet eine Gebäude- und Wohnungszählung statt, an der 20,3 Millionen Eigentümer:innen und Verwalter:innen teilnehmen. In Wohnheimen und Gemeinschaftsunterkünften werden alle Bewohner:innen befragt. Weil die Belegung der Unterkünfte oft wechselt, gibt es hier überdurchschnittlich viele Fehler in den Registern.

Notwendig ist der Zensus, weil politische Entscheidungen auf allen Ebenen mit den Ergebnissen der Volkszählung arbeiten. Zeigt sich in einer Gemeinde zum Beispiel ein hoher Bevölkerungswachstum der Drei- bis Sechsjährigen, können Kommunen dies zum Anlass nehmen, neue Kindertagesstätten zu bauen.

Die Befragten der Gebäude-und Wohnungszählung können sich entscheiden, ob sie den Fragebogen lieber online oder auf Papier ausfüllen. Thomas Gößl, Präsident des Bayrischen Landesamtes für Statistik, erklärte hierzu bei einer Pressekonferenz am Montag: „Online ist unser Angebot und auch unsere Empfehlung. Aber jeder, der das nicht kann oder nicht will, kann auch per Papierfragebogen antworten.“

Das Ziel: Der Zensus 2022 soll ressourcenschonender und kontaktlos gestaltet werden. Allein das Papier für die Wohnungs- und Gebäudezählung 2011 hätte übereinandergestapelt die Spitze des Mount Everests übertroffen.

Für die persönlichen Interviews hat die Stadt Frankfurt ungefähr 500 ehrenamtliche Erhebungsbeauftragte eingestellt. Diese hatten im April an einer Schulung teilgenommen. Von Mai bis August werden nun unter strengen Hygienevorgaben Befragungen durchgeführt. Die Interviewer:innen erhalten dafür eine Aufwandsentschädigung von 1300 Euro und müssen jeweils 150 Interviews durchführen.

Laut Zensusgesetz 2022 sind alle Menschen, die zu der Volkszählung eingeladen werden, verpflichtet, daran teilzunehmen. Wer der Aufforderung auch nach wiederholter Erinnerung nicht nachkommt, muss mit einem Bußgeld rechnen.

Die Themen der Befragung sind zu 90 Prozent durch die Europäische Union vorgegeben. Das ermöglicht es, die Ergebnisse der Mitgliedsländer europaweit zu vergleichen. Die Berechtigung, Fragen zu stellen und ihr Inhalt müssen außerdem gesetzlich verankert sein. Georg Thiel, Präsident des statistischen Bundesamtes, erklärte in einer Pressekonferenz: „Die Statistik darf immer nur Fragen stellen, wenn es ein Gesetz gibt.“

Wie immer beim Zensus gibt es auch 2022 heiße Diskussionen um den Datenschutz. Bei einem solchen Mammutprojekt kommen in der Bevölkerung schnell Fragen auf, wie sicher ihre Daten verwaltet werden. Auch der Hessische Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit Alexander Roßnagel erklärt: „Im Rahmen einer derartigen Großzählung kann nie ganz ausgeschlossen werden, dass es in Einzelfällen zu Verstößen gegen gesetzliche Vorgaben kommt. In der Regel liegen dem menschliche Unzulänglichkeiten zugrunde.“

Trotzdem wird mit allen Mitteln daran gearbeitet, möglichen Sicherheitslücken vorzubeugen. In Frankfurt ist das Zensus-Team bereits Anfang Februar in eine Außenstelle gezogen. Mit insgesamt 36 Mitarbeitenden stellen sie von dort aus die Qualität der Erhebung und den Datenschutz sicher. Auch Roßnagel zeigt sich optimistisch: „Der Hessische Datenschutzbeauftragte wird den Zensus 2022 in Hessen eng begleiten und durch Kontrollen mit dazu beitragen, dass die Sicherheit der Datenverarbeitung jederzeit gewährleistet ist.“

Trotzdem machen den statistischen Ämtern dieses Jahr Fake News zur Datenerhebung besonders zu schaffen. Vor allem die Verbreitung von Falschinformationen über Social-Media und in Chatgruppen nimmt eine immer größere Rolle ein. Oft werde behauptet, dass der Impfstatus, Kontoinformationen oder Sozialversicherungsnummern von den Interviewer:innen abgefragt werden. Das sei jedoch nicht der Fall, so Georg Thiel. „Wichtig ist uns: Es gibt keine Fragen zum Einkommen, keine Fragen zur Religionszugehörigkeit und selbstverständlich auch keine Fragen zum Impfstatus“, betont er. Beim Zensus 2011 sah das teilweise anders aus. Hier wurde zum Beispiel noch nach der Religionszugehörigkeit gefragt. Andererseits gibt es in diesem Jahr einige Themenergänzungen. Auf Anfrage erklärt die Pressestelle des Statistischen Bundesamtes: „Bei der Gebäude- und Wohnungszählung werden die zusätzlichen Merkmale Energieträger der Heizung, Nettokaltmiete sowie Dauer und Gründe eines Leerstands erfragt.“ Außerdem finden dieses Mal auch Befragungen in Gemeinden mit weniger als 10 000 Einwohner:innen statt.

Im November 2023 sollen die Ergebnisse der Befragung bundesweit veröffentlicht werden. Anders als beim Zensus 2011 veröffentlichen dieses Mal alle Länder ihre Ergebnisse gleichzeitig. Sie werden für alle Interessierten öffentlich zugänglich sein.

Der Zensus 2022 in Frankfurt soll die genaue Einwohnerzahl der Stadt bestimmen und die Melderegister auf den neuesten Stand bringen. Rolf Oeser
Der Zensus 2022 in Frankfurt soll die genaue Einwohnerzahl der Stadt bestimmen und die Melderegister auf den neuesten Stand bringen. Rolf Oeser © ROLF OESER

Auch interessant

Kommentare