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Zukunft für Löwen und Skyliners: Baut Frankfurt die Multifunktionsarena am Stadion selbst?

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Von: Timur Tinç

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Animation einer möglichen Multifunktionsarena am Stadion von Albert Speer+Partner GmbH.
Animation einer möglichen Multifunktionsarena am Stadion von Albert Speer+Partner GmbH. © AS+P

Sportdezernent Mike Josef prüft, ob die Stadt die Multifunktionshalle am Stadion selbst bauen könnte. Profitieren würden die Frankfurter Sportteams.

Frankfurt - In der Frankfurter Stadtpolitik sind sich alle einig: Der Parkplatz P9 am Stadion wäre ideal für den Bau einer Multifunktionsarena, zumal auf dem Areal bereits Baurecht besteht. Die Römer-Koalition war bislang auf dem Standpunkt, dass ein Investor sich um den Bau einer Halle für bis zu 15.000 Zuschauer:innen kümmern und es dafür auch keine städtischen Zuschüsse geben soll.

Sportdezernent Mike Josef (SPD) hat nun die Möglichkeit ins Spiel gebracht, dass die Stadt die Halle selbst bauen könnte. „Die größte Zukunft für die Sportvereine ist, wenn die Stadt einen Fuß in der Tür hat“, sagt der Stadtrat.

Multifunktionshalle am Stadion in Frankfurt muss sich für Investoren lohnen

Aktuell laufen die Prüfungen für die unterschiedlichen Investitionsmodelle, die er in zwei bis vier Monaten der Koalition vorstellen will. Für den Sozialdemokraten kristallisiert sich dabei immer mehr heraus, dass es aufgrund der Erfahrungen in anderen Städten schwierig erscheint, einen privaten Investor zu finden, der nicht nur die Halle für 180 Millionen Euro baut, sondern auch gleich zwei Profiteams dort zu günstigen Konditionen spielen lässt. Gleichzeitig müsste er sich mit Eintracht Frankfurt, Hauptmieter des gesamten Geländes, über den Betrieb einigen.

„Im Zweifel investiert du als Stadt und kriegst das Geld wieder über einen Mietvertrag rein. Das Stadion ist das beste Beispiel, dass es sich gerechnet hat“, findet Josef. Vor allem für die Sportvereine, den Basketball-Bundesligisten Frankfurt Skyliners und Eishockey-Erstligisten Löwen Frankfurt würde das Modell die Interessen des Sports wahren. Denn für private Betreiber gehe es in erster Linie darum, Geld zu verdienen. Tickets für Konzerte und Großveranstaltungen sind deutlich lukrativer als für Sportevents.

DEL-Chef entsetzt über Bedingungen für Löwen aus Frankfurt: Halle am Stadion benötigt

Demnächst will Josef nach Stuttgart fahren, wo sich die Stadt mit 70 Prozent am Bau einer neuen Multifunktionsarena beteiligt. Die Skyliners und Löwen drängen seit Jahren auf eine neue Arena, die ihnen mehr Vermarktungs- und Einnahmemöglichkeiten bringt.

Der Chef der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) kritisierte öffentlich, dass die Stadt die Löwen, die nach zwölf Jahren wieder erstklassig spielen, „im Stich lässt.“ Die DEL habe ein Auge zudrücken müssen. Man sei entsetzt über die Bedingungen gewesen.

Auch Frankfurt Skyliners brauchen Multifunktionshalle am Stadion

Die Basketball-Bundesliga (BBL) hat sich bis zum Jahr 2032 eine neue Ligastrategie gegeben, die Erstliga-Basketball in Frankfurt unmöglich macht. Unter anderem ist eine Mindestkapazität von einem Prozent bezogen auf die jeweils nächsten 100.000 Einwohner erforderlich. Gedeckelt müsste Frankfurt auf jeden Fall 7000 Plätze vorhalten. Die Ballsporthalle fasst 5000 Zuschauer:innen.

Vor 18 Jahren als die Skyliners und die Löwen Deutscher Meister wurden, gehörten die Eissporthalle und Ballsporthalle noch zu den besseren Standorten. Mittlerweile haben etliche Städte neue, modernere Arenen gebaut und die anderen Standorte viel höhere Etats. In den vergangenen Jahren hat die Stadt alleine einen zweistelligen Millionenbetrag in die Eissporthalle investieren müssen, um sie energetisch zu sanieren, berichtet Josef.

Stadt Frankfurt investiert für EM 2024 am Stadion

Die Stadt muss im Rahmen der Fußball-Europameisterschaft 2024 ohnehin am Deutsche Bank Park Investitionen von drei bis vier Millionen Euro vornehmen. Würde die Halle gebaut werden, könnte man alle nötigen Infrastrukturmaßnahmen in Höhe von 40 bis 50 Millionen Euro gebündelt umsetzen. „Wenn das Waldparkhaus kommen würde, könnten wir auch die Isenburger Schneise aufforsten“, sagt Josef. Zudem müssen seit Jahren weitere Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden, wie bei der Ankunft von Fanbussen.

Die Frage sei auch, so Josef: Was ist die Alternative, wenn es keine Multifunktionsarena am Stadion gibt? „Dann würde in fünf oder sechs Jahren die Diskussion nach einer reinen Sporthalle aufkommen“, glaubt der Stadtrat. Und die würde nicht unter 100 Millionen Euro kosten, ohne dass die Stadt Geld zurückbekommt.

Multifunktionsarena am Stadion könnte Sportereignisse nach Frankfurt bringen

Beim Bau einer Multifunktionsarena könnte sich die Investition durch die Verpachtung amortisieren – wenn auch nicht unbedingt eins zu eins. „Es gibt einen ersten Aufschlag unserer Vorstellungen und der Rechnungen. Da sind wir nicht so weit entfernt“, sagt Josef.

Die dritte und letzte Alternative wäre, überhaupt keine moderne Arena in Frankfurt zu haben. „Dass wir neben Fußball keinen wettbewerbsfähigen Sport haben, ist etwas, was ich als Sportdezernent nicht akzeptieren kann. Das sollte auch keine Stadtregierung“, findet Josef, der auf Unterstützung vom Land hofft. Schließlich gehen alle Sport-Großereignisse außerhalb des Fußballs seit Jahrzehnten an Frankfurt und Hessen vorbei. (Timur Tinç)

*In einer vorherigen Version hieß es, dass die Stadt 40 bis 50 Millionen im Rahmen der EM für die Infrastruktur investieren muss. Diese Kosten würden erst beim Hallenbau anfallen.

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