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Baum stürzt neben Kindern um

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Von: Thomas Stillbauer

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Aufräumarbeit: Der umgestürzte Baum im Günthersburgpark wird entsorgt.
Aufräumarbeit: Der umgestürzte Baum im Günthersburgpark wird entsorgt. © Alex Kraus

Ein Baum schlägt im Frankfurter Günthersburgpark unmittelbar neben Schülern um. Ein Pilz hat ihm seine Standfestigkeit genommen. Die Kinder werden nicht verletzt. Der Wasserspielplatz bleibt vorerst gesperrt.

Der Augenblick, als der Baum fiel – für die Kinder aus der Integrierten Gesamtschule (IGS) Nordend war es ein Schreck. Aber vor allem war es ein Glück, dass der alte Spitzahorn am Dienstag niemanden verletzte. Ein Pilz war die Ursache, wie die Fachleute inzwischen ermittelten.

Dienstagmittag im Günthersburgpark: Wie üblich verbringen viele IGS-Schüler ihre Pause im Grünen, als es plötzlich knackt und knallt. „Als hätte jemand ein Feuerwerk gezündet“, erinnert sich die elfjährige Lola Roth. Und während die Kinder noch überlegen, was das gewesen sein könnte, knallte es erneut – „aber viel lauter“, sagt Lola, „und dann kam der ganze Baum runter“. Sie selbst habe etwa sechs Meter entfernt gesessen, sagt die Schülerin. Angst? „Nicht direkt, aber wir sind total erschrocken.“ Die Jungen aus der Klasse hätten Fußball gespielt – einer von ihnen habe nur einen Meter entfernt gestanden, als die Baumspitze Richtung Wasserspielplatz fiel. „Es war schon ein komisches Gefühl“, fasst Lola zusammen.

Ursache: Brandkrustenpilz

Das war es auch für Stephan Heldmann, den Leiter des Grünflächenamts, als er davon hörte. „Wir haben ja die Verkehrssicherungspflicht“, sagt er, also den Auftrag, dafür zu sorgen, dass nirgends ein Gehölz umkippt, wo Menschen gehen oder stehen. „So etwas erschreckt dann natürlich, wenn ein Baum bei Windstille fällt. Das ist ja ein Kaventsmann.“ Ein kranker Kaventsmann, wie die Untersuchung des Grünflächenamts in Kooperation mit einem externen Baumgutachter am Mittwoch ergab. Der Baum litt unter dem Brandkrustenpilz, einem Parasiten, „der die Bäume von innen heraus in den Wurzeln und im Stamm befällt und von außen in der Regel nicht oder nur sehr schwer zu erkennen ist“, teilte die Stadt mit.

Der Pilz verursache eine Kernfäule, die den Baum aushöhlt. Im Günthersburgpark sei der Pilzfruchtkörper von einer Rindenwucherung verdeckt und somit „nur schwer erkennbar“ gewesen. Bei der letzten turnusmäßigen Überprüfung Anfang März erkannten die Baumkontrolleure des Grünflächenamts offenbar nichts.

Weil sich der Pilz auf andere Bäume übertragen könne, werden ab sofort alle Bäume in der Umgebung gründlich untersucht: mit Hubsteiger und modernem Gerät. Sollten weitere Bäume instabil sein, werden sie gefällt. Bis das alles geklärt ist, bleibt der Wasserspielplatz vorsorglich gesperrt, auch wenn es heiß wird.

Heldmanns Behörde registriert im Zuge der Klimaveränderungen mehr Baumstürze als früher. Die häufigere Trockenheit entziehe den Stämmen Spannkraft. Etwa 20 Mal pro Jahr heiße es nach der Kontrolle inzwischen: „Achtung, sofort fällen!“ Im Wald, an unzugänglichen Stellen, könne es durchaus vorkommen, dass ein Stamm kollabiere. Aber ein solch spektakulärer Fall mitten in der Stadt sei extrem selten. Das bisher letzte Mal, dass das geschah, war 2012 im Holzhausenpark. Da fiel eine riesige Buche um. Grund damals: ebenfalls ein Pilz.

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