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Bauen in Frankfurt: Ein Holzhybrid in der Betonwüste

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Von: Christoph Manus

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Holzelemente prägen die Büroetagen im Holz-Hybrid-Gebäude Timber Pioneer in Frankfurt.
Holzelemente prägen die Büroetagen im Holz-Hybrid-Gebäude Timber Pioneer in Frankfurt. © Monika Müller

Im Frankfurter Europaviertel entsteht das erste Bürogebäudes in der Stadt, das zu einem großen Teil aus Holz besteht. Der Rohbau hat dank modularer Bauweise nur 15 Wochen gedauert.

Eigentlich sollte auf dem Grundstück neben dem neuen „FAZ“-Hochhaus im Frankfurter Europaviertel ein Hotel entstehen. Ein 350-Zimmer-Haus der Kette Leonardo. Auf solche Vorhaben war der Wiener Projektentwickler UBM damals spezialisiert.

Doch dann kam Corona. „Wir haben die fix und fertige Baugenehmigung in die Tonne gekloppt“, sagt Vorstandschef Thomas Winkler. Dann hat das Unternehmen komplett umgeplant – und erstmals ein Bürohochhaus in Holz-Hybrid-Bauweise errichtet, das erste dieser Art in Frankfurt. Nun gibt Winkler bereits das Ziel aus: „Wir wollen der größte Holzdeveloper in Europa werden.“

Rohbau des Holz-Hybrid-Gebäudes Timber Pioneer in Frankfurt hat nur 15 Wochen gedauert

Gut neun Monate nach Erteilung der neuen Baugenehmigung ist am Mittwoch bereits Richtfest für das achtgeschossige u-förmige Gebäude gefeiert worden, das der Projektentwickler als „Timber Pioneer“ vermarktet. Der Rohbau hat gerade einmal 15 Wochen gedauert. Diese, wie Winkler es nennt, „affenartige Geschwindigkeit“ hat mit der modularen Bauweise zu tun. Alle Elemente, ob aus Beton oder Holz, sind vorgefertigt. Die Holzbauteile etwa werden von einem Unternehmen in Oberösterreich produziert und dann auf der Baustelle im mittleren Teil der Europa-Allee nur noch mit einem Steck- und Schraubsystem montiert.

Riesige Balken durchziehen die sieben jeweils 2000 Quadratmeter großen künftigen Büroetagen, die Mitte kommenden Jahres bezogen werden könnten. Die gesamte Tragstruktur besteht, wie Projektleiter Sahir Yakoub bei einem Rundgang durch den Rohbau erläutert, aus Fichtenholz. Das sei FSC-zertifiziert und stamme aus Deutschland, Österreich und Tschechien.

Bauprojekt in Frankfurt: Büroetagen entstehen auf kohlendioxidneutrale Weise

Mit Holz zu bauen, sei nachhaltiger, betonen Winkler und Yakoub. Zumindest die sieben Bürogeschosse entstünden kohlendioxidneutral. Sie loben zudem die fast „archaische Atmosphäre“, die das Holz den Räumen verleihe und dessen positive Auswirkungen auf die Raumluft.

Der Gebäudekomplex

Das Holz-Hybrid-Bürohaus Timber Pioneer bildet mit einem 60 Meter hohen Turm einen l-förmigen Gebäudekomplex an der Europa-Allee.

Das Hochhaus ist so gut wie fertig. Die „FAZ“ will es im Dezember beziehen. Das zweite Gebäude soll im ersten Halbjahr 2023 fertig werden.

Der Wiener Projektentwickler UBM Development, der bei dem Vorhaben mit Paulus Immobilien kooperiert, nennt eine Investitionssumme von 160 bis 200 Millionen Euro für das Gesamtprojekt. Den Turm hat bereits Hanse Merkur gekauft. cm

Dass in der Betonwüste des Europaviertels, das noch kurz vor der endgültigen Fertigstellung anonym und leblos wirkt, etwas Besonderes entsteht, sieht man dem vom Berliner Büro Eike Becker Architekten entworfenen Gebäude nicht unbedingt sofort an. Die Fassade und das Erdgeschoss, in das ein Supermarkt einziehen soll, enthalten keine Holzelemente. Das sei nicht anders möglich gewesen, heißt es. In Frankfurt sei es nicht erlaubt, brennbare Materialien für die Fassade von Hochhäusern zu verwenden, sagt Projektleiter Yakoub. Holz dürfe nicht nass werden, fügt Winkler an. Deshalb sei es als Fassadenelement nur bedingt geeignet. Auch der Gebäudekern, also etwa Treppenhaus und Aufzugsschächte, die Tiefgeschosse und das Erdgeschoss sind aus Beton.

Planungsdezernent Josef sieht Beitrag für eine nachhaltige Stadt

Beheizt wird das Gebäude mit Fernwärme. Die Dachterrasse und der Hof sollen intensiv begrünt werden. Gern hätte UBM auch auf Photovoltaik gesetzt. Doch das habe die Stadt für dieses Projekt nicht zugelassen.

Der Frankfurter Planungsdezernent Mike Josef (SPD) nannte das Projekt einen Baustein, um Frankfurt zu einer nachhaltigen Großstadt zu entwickeln. Nachhaltigkeit im Bau sei angesichts des dynamischen Baugeschehens von großer Bedeutung.

So soll es einmal im Holz-Hybrid-Gebäude Timber Pioneer im Frankfurter Europaviertel aussehen.
So soll es einmal im Holz-Hybrid-Gebäude Timber Pioneer im Frankfurter Europaviertel aussehen. © Bloomimages

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