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Möglichst viele Dächer sollen für Solaranlagen genutzt werden.

Bauen in Frankfurt

Klima-Vorbehalt gefordert

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Grüne wollen bei künftigen städtischen Bauvorhaben in Frankfurt mehr Wert auf die CO2-Bilanz legen.

Die durch die Europawahl gestärkten Grünen im Römer treiben die angestrebte Klima-Allianz mit ihren Koalitionspartnern CDU und SPD forsch voran. Dabei stellt sich die umweltpolitische Sprecherin der Fraktion, Ursula auf der Heide, durchaus weitreichende Schritte vor. Unter anderem wollen die Grünen erreichen, dass städtische Bauvorhaben in Frankfurt fortan nicht nur unter Haushalts-Vorbehalt, sondern auch unter einen Klima-Vorbehalt gestellt werden.

Kommt eine solche Regelung, müsste jedes Projekt darauf geprüft werden, ob es klimaneutral ist. Ist es das nicht, müsste der Magistrat darlegen, warum die Belastung nötig ist. Die Stadtverordneten würden dann darüber abstimmen, ob das Vorhaben umgesetzt wird, obwohl es den Klimazielen widerspricht. Das könne bei einzelnen Projekten nötig sein – etwa bei Arbeiten in der Kanalisation. Grundsätzlich aber glaubt Ursula auf der Heide: „Wir können viel klimafreundlicher arbeiten, wenn wir es wollen.“

Viel lasse sich etwa gewinnen, wenn man auf andere Baustoffe als Zement setzt. Bei dessen Herstellung werde Kohlendioxid erzeugt, so auf der Heide. Sie empfiehlt dafür eine Kombination aus Holz und Beton, wie sie etwa bei den Modulen für neue Schulen und Kindergärten zum Einsatz komme.

Kein Haus am Pfingstberg

Das Thema Klimaschutz müsse in allen Bereichen der Stadt allgegenwärtig sein, forderte auf der Heide. Bei Museumserweiterungen etwa müsse stets geprüft werden, wie das Ausstellungshaus möglichst klimaneutral arbeiten könne. Das könne etwa die Kühlung betreffen.

Vor allem aber fordern die Grünen eine andere Herangehensweise bei der Entwicklung von neuen Wohngebieten. „Zuerst muss die Infrastruktur stehen, dann können die Wohnungen gebaut werden“, so auf der Heide. So müsse unbedingt verhindert werden, dass – wie einst beim Riedberg – ein Viertel über Jahre hinweg nur schlecht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen ist. Auch aus diesem Grund – und wegen der Bedeutung von Äckern für den Klimaschutz – lehnen die Grünen die Bebauung des Pfingstbergs entschieden ab. Da die SPD die Möglichkeit eines Viertels im Norden der Stadt zumindest prüfen lassen möchte, wird das Integrierte Stadtentwicklungskonzept im Römer nicht beschlossen. Der Pfingstberg ist in dem Papier aufgeführt.

Auch private Bauherren und Eigentümer sollten mehr für den Klimaschutz tun, sagt auf der Heide. Um sie dabei zu unterstützen, müsse das städtische Energiereferat deutlich mehr Stellen bekommen.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Michael zu Löwenstein reagierte auf FR-Anfrage zurückhaltend auf den Vorstoß der Grünen. „Klimaschutz nimmt im Koalitionsvertrag schon eine wichtige Rolle ein.“ Zudem gelte seit 15 Jahren bei städtischen Bauvorhaben der Passivhaus-Standard. Ob weitergehende Schritte, wie etwa ein formeller Klima-Vorbehalt, nötig seien, müsse die CDU erst prüfen.

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