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Im Sommer sollen die ersten Häuser auf den Schwedler-Gärten fertig sein.

Ostend

Bauboom im Osten

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Kaum ein Stadtteil ändert so rasant sein Erscheinungsbild wie das Quartier rund um den Ostbahnhof. 1800 neue Wohnungen entstehen, dazu bis zu fünf Hotels.

An wenigen Orten in der Stadt gibt es einen so großen Umbruch wie im Ostend. Rund um den Ostbahnhof sind etliche Bauprojekte am Werden, in der Planung oder gerade abgeschlossen. Mehr als 1800 Eigentums- und Mietwohnungen könnten in den kommenden Jahren fertig werden. Darüber hinaus soll es bis zu fünf neue Hotels in Sichtweite der Europäischen Zentralbank geben – mit wenigstens 750 Zimmern.

Die Stadt sieht die Entwicklung im Ostend positiv, sagt der Sprecher des Planungsdezernats, Mark Gellert. Obwohl der Stadtteil zu den am dichtesten bebauten zählt, entstehe dort sehr viel neuer Wohnraum. Möglich sei das, da Flächen umgewidmet werden, „die früher gewerblich oder industriell genutzt worden sind“. Dadurch müsse kein neuer Boden versiegelt werden, „das ist ökologisch“. Erfreulich sei zudem, dass in mehreren Projekten geförderter Wohnraum geplant ist. Nach Ansicht Gellerts könne im Ostend auch nicht von Gentrifizierung die Rede sein. Schließlich werde keiner verdrängt. „Es entsteht neuer Wohnraum.“

Dass rund um den Ostbahnhof fünf neue Hotels geplant sind, begeistert die Geschäftsführerin des Hotel- und Gastronomieverbands Dehoga allerdings nicht: „Wir brauchen eigentlich keine neuen Hotels in Frankfurt“, sagt Kerstin Junghans. „Wir haben schon genug.“ Eine Aufwertung des Ostends sei zwar wichtig. Doch jede neue Übernachtungsmöglichkeit gehe zu Lasten der bestehenden Hotellerie. Vor allem Familienhotels litten darunter.

Viele der Bauvorhaben im Ostend seien vor ein paar Jahren noch gar nicht möglich gewesen, sagt Dezernatssprecher Gellert. Der technische Fortschritt ermögliche es, direkt an den Gleisen zu wohnen. Die Mainterra Immobilien Gruppe etwa baut unmittelbar am Bahndamm an der Ferdinand-Happ-Straße – und setzt Schallschutzfenster und Balkone mit einer verschiebbaren Verglasung ein, um die Bewohner vor dem Lärm der Züge zu schützen.

Dort, wo bis Ende 2016 noch große Zelte einer Dinnershow standen, graben seit kurzem Bagger. Bis frühestens Ende 2018 möchte das Frankfurter Unternehmen mit dem Projekt „Ferdinand“ 140 Wohneinheiten verwirklichen, sagt Mainterra-Geschäftsführer Jan Görtz. 40 davon sollen im Rahmen des Frankfurter Programms für familien- und seniorengerechten Mietwohnungsbau gefördert werden. Die übrigen 100 Wohnungen werden verkauft – die Vermarktung habe bereits begonnen. Mainterra plant zudem ein Hotel auf dem Areal, auf dem derzeit die Fahrzeugvermietung Buchbinder ansässig ist. Baubeginn könnte Mitte 2018 sein. Einen Bebauungsplan gibt es aber noch nicht.

Nur einen Steinwurf entfernt stehen die sogenannten Schwedler-Gärten an der Ferdinand-Happ-Straße kurz vor der Fertigstellung. Im Sommer möchte Max-Baum-Immobilien die Arbeiten an den ersten beiden Gebäude abschließen. Der dritte Bauteil, der direkt an der Ecke Launhardtstraße entsteht, kann wohl Ende des Jahres vermietet werden, sagt Projektleiter Clemens Dietrich. Dort ist eine Kindertagesstätte geplant, die vier Gruppen Platz bieten soll. Derzeit werde dafür ein Betreiber gesucht. Insgesamt soll es in dem Komplex 390 Mietwohnungen geben.

Auf der anderen Seite der Gleise am Danziger Platz, entsteht ein Hotel der Marke Hampton by Hilton. Ab Anfang 2018 soll es 182 Zimmer auf acht Stockwerken bieten. Fast ebenso viele Räume hat das Businesshotel Innside, das im vergangenen September auf dem Areal der ehemaligen Feuerwache zwischen Hanauer Landstraße und Ostbahnhofstraße eröffnet hat. Es gehört zum Wohn- und Bürokomplex The East, mit 177 Wohnungen.

Keine konkreten Pläne nennt der Hamburger Projektentwickler Evoreal, der das ehemalige Empfangsgebäude des Ostbahnhofs gekauft hat. Noch immer sei das Unternehmen „mitten in Abstimmung mit der Stadt, was den Baukörper angeht“, sagt Geschäftsführer Frank Stern. Fest stehe, dass das marode Bahnhofsgebäude und das alte Wärterhaus abgerissen werden. Im Erdgeschoss seien Einzelhandel oder Gastronomie vorgesehen, in den Obergeschossen Wohnungen. „Wie viele, ist derzeit noch offen.“ Der Zugang zum Bahnsteig werde sichergestellt. Wann mit den Arbeiten begonnen wird, konnte Stern nicht sagen.

Das Vorhaben sei „technisch sehr komplex“. So müsse das gesamte Gelände noch „bahntechnisch entwidmet werden“. Dafür seien Gespräche mit dem Eisenbahnbundesamt nötig. Auch der Abriss sei nicht einfach, da unter den Liegenschaften die U-Bahn-Station Ostbahnhof liegt. Derzeit werde ein Gutachten erstellt, dass durch den Abbruch keine Schäden an der Haltestelle entstehen, sagt Stern. Sichergestellt werden müsse auch, dass das Projekt nicht den Bau der nordmainischen S-Bahn tangiert. Für die soll 19 Meter unter dem Ostbahnhof eine Station entstehen. Dafür wird es eine große, offene Baugrube geben. Frühestens Ende 2021 startet die Bahn mit den Hauptbauarbeiten.

Bis dahin möchte die CG-Gruppe die Arbeiten am Projekt auf dem Telekom-Areal zwischen Henschel- und Ostparkstraße zum größten Teil abgeschlossen haben. Anfang des Jahres hat das Berliner Unternehmen das riesige Grundstück gekauft. Mehr als 400 Mietwohnungen können dort entstehen, vorgesehen sind auch Büros, Gewerbe und 250 Parkplätze. Noch ist der Komplex vermietet. Ab 2019 könnte mit dem Um- und Neubau begonnen werden, den die Aktiengesellschaft bis 2022 abschließen möchte.

Noch größer ist das geplante Hafenpark Quartier auf dem Honsell-Dreieck. Die Hamburger B&L Gruppe plant auf dem 2,9 Hektar großen Areal zwischen Mayfarthstraße und Hanauer Landstraße 600 Wohnungen, zwei Hotels, etwa 50 000 Quadratmeter Bürofläche sowie 2000 Quadratmeter für Einzelhandel und dazugehörige Tiefgaragen. Aktuell geht das Unternehmen davon aus, das Projekt bis 2022 fertigzustellen, sagt B&L-Sprecher Michael Epping.

Detaillierte Pläne haben die Hamburger bislang nur für den südlichen Abschnitt vorgestellt. Bis 2020 möchten sie auf dem brachliegenden Grundstück mehr als 250 Eigentumswohnungen errichten. Der Spatenstich ist für Anfang 2018 geplant, sagt Epping, sobald die Genehmigung der Stadt vorliege. Zur Eytelweinstraße an der Bahnline hin sind zwei Businesshotels mit insgesamt 400 Zimmern vorgesehen.

Bereits im April könnten die Projektentwickler die Arbeiten auf dem Areal östlich der Honsellstraße starten. Dort sind 300 Mietwohnungen, eine Kita mit Platz für 100 Kinder sowie Läden vorgesehen. Noch habe B&L laut Epping keine Baugenehmigung.

Jenseits des Areals an der Hafenmole plant die Gruppe zudem ein 18-geschossiges Boardinghouse. Wie viele Apartments dort entstehen, sei noch offen. Ein Wettbewerb soll klären, wie das Gebäude aussieht, sagt der B&L-Sprecher. Sobald das Okay der Stadt vorliege, könne dieser starten. Der Magistrat hat den geänderten Bebauungsplan für das Grundstück bereits abgenickt, sagt Dezernatssprecher Gellert. Jetzt müsse er der Stadtverordnetenversammlung noch zur Beratung vorgelegt werden.

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