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Unrat und Sperrmüll werden im Auftrag des Ordnungsamtes beseitigt.

Ordnungsamt greift durch

Baracken-Slum im Gutleutviertel wird geräumt

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Ein Baracken-Lager, das rumänischen Wanderarbeitern bisher als Unterkunft diente, wird geräumt. Das Ordnungsamt hat etwa 30 Menschen umquartiert und die zusammengezimmerten Behausungen abgerissen.

Die Barackensiedlung an der Gutleutstraße ist Geschichte. Am Dienstagmorgen hat das Frankfurter Ordnungsamt das Elendsquartier auf einem ehemaligen Industriegelände, das vorwiegend von aus Rumänien stammenden Roma bewohnt wurde, geräumt. Die selbstgezimmerten Hütten und Verschläge, in denen im Sommer vorigen Jahres bis zu 70 Menschen gelebt hatten, wurden abgerissen. Bei der Räumung wurden noch 30 Bewohner angetroffen, die vorübergehend im nahegelegenen Henriette-Fürth-Haus der Arbeiterwohlfahrt untergebracht worden sind.

45 Stadtpolizisten waren gegen 7 Uhr mit Umzugskartons und schwerem Gerät angerückt, um das Camp aufzulösen. Die Behörde begründete die Räumung mit Gefahr im Verzug. Vor anderthalb Wochen war auf dem Gelände ein größerer Brand ausgebrochen, der auf mehrere Hütten übergriffen hatte. „Wir haben in fast jeder Hütte einen Gaskocher gefunden“, erklärte Michael Jenisch, Pressesprecher des Ordnungsamtes. „Wir wollten nicht, dass da irgendwann  jemand tot in der Bude liegt.“ Zudem seien die hygienischen Zustände in der Barackensiedlung, in der es kein fließend Wasser gab, unhaltbar gewesen.

Das Areal im Gutleutviertel wird seit mehr als drei Jahren von obdachlosen Zuwanderern vor allem aus Rumänien genutzt – geduldet vom Eigentümer, der derzeit in Italien im Gefängnis sitzt. Zunächst hatte sich eine Gruppe von 19 Männern in Verschlägen unter den Überresten einer Laderampe eingerichtet. Im März 2014 wurde diese Rampe samt der darin eingerichteten Verschläge abgerissen. Die Bewohner waren seinerzeit für zwei Wochen von der Stadt untergebracht worden, landeten danach aber erneut auf der Straße. Anfang 2016 entstand auf der Brache das nun geräumte neue Camp aus selbst gezimmerten Hütten.

Die Räumung verlief nach Auskunft des Ordnungsamtes ohne Zwischenfälle. Die Bewohner hätten sich sehr kooperativ verhalten. Ihnen sei Zeit gegeben worden, ihre persönliche Habe einzupacken, betonte Michael Jenisch. Beim Förderverein Sinti und Roma hingegen lagen am Nachmittag bereits erste Beschwerden von ehemaligen Bewohnern über das Vorgehen der Stadtpolizei vor. Unter anderem soll einem Mann verweigert worden sein, Medikamente aus seiner Hütte zu holen.

Im Henriette-Fürth-Haus, einer Notunterkunft für Flüchtlinge, die sich rund 300 Meter vom einstigen Camp entfernt befindet, stehen den einstweilen untergebrachten Personen nach Auskunft des Sozialdezernats Zimmer mit vier bis sechs Betten zur Verfügung. Die FR konnte sich am Dienstag kein eigenes Bild von der Unterbringung machen – der Sicherheitsdienst verweigerte der Presse den Zutritt zum Gebäude.

Die Zusage für die Unterbringung in der Notunterkunft gilt nach Angaben von Manuela Skotnik, Sprecherin des Sozialdezernats, zunächst für sieben Tage. Von Mittwoch an werde für jeden einzelnen Bewohner geprüft, ob dieser Anspruch auf Sozialleistungen habe – was dann der Fall wäre, wenn jemand fünf Jahre ununterbrochen in Deutschland gelebt oder bereits in die Sozialkassen einbezahlt hätte. Beides dürfte auf die wenigsten der Bewohner zutreffen, die sich größtenteils durch den Verkauf von Altmetall, Flohmarktware und teilweise das Sammeln von Pfandflaschen über Wasser hielten. Wer keinen rechtlichen Anspruch auf Sozialleistungen hat, habe danach nur noch vier Wochen Anspruch auf Nothilfe – und ein Darlehen für die Rückreisekosten ins Heimatland.

Scharfe Kritik am Vorgehen der Stadt übte der Geschäftsführer des Fördervereins Sinti und Roma: „Es ist unverantwortlich, zu räumen, wenn es keine Alternative für die Menschen gibt.“ Das Vorgehen der Behörden zeuge von Ignoranz und Einfallslosigkeit.

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