Kriminalität

Zum Bankraub nach Frankfurt

  • Stefan Behr
    vonStefan Behr
    schließen

Vier Berliner schlagen auf der Flucht eine Schneise der Verwüstung durchsBahnhofsviertel

Es war ein Bankraub, der die ganze Stadt in Aufregung versetzte. Seit Freitag müssen sich vier Männer im Alter von 27 bis 35 Jahren wegen dieses Bankraubs vor dem Landgericht verantworten – und einer von ihnen wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr.

Das geständige Quartett ging am Anfang des Coups noch relativ subtil zu Werke. Am 2. August 2019 betraten die Männer paarweise und kurz hintereinander die Filiale der Sparkasse in der Düsseldorfer Straße, begaben sich unbemerkt ins Kellergeschoss und setzten die Mechanismen außer Kraft, die eigentlich den unbefugten Eintritt in einen Raum mit Schließfächern verhindern sollten, indem sie ein Kabel durchtrennten. Dort machten sie sich an 18 Schließfächern zu schaffen, einige demolierten sie, aus anderen nahmen sie Münzen, Schmuck und Dokumente mit.

Als dann doch Alarm ausgelöst wurde, wurde es chaotisch. Auf der Flucht mit ihrem schwarzen BMW mit gefälschten Kennzeichen rasten die vier durch unter Missachtung sämtlicher Verkehrsregeln durch das Bahnhofsviertel, verletzten mindestens drei Menschen, die in Krankenhäuser gebracht wurden, fuhren vier Autos zu Schrott und richteten einen Schaden von etwa 50 000 Euro an, bevor die Polizei sie vor dem Hauptbahnhof mit Schüssen in die Reifen stoppten konnte.

Drei versuchten vergebens, zu Fuß zu flüchten, der vierte wurde kurz darauf in Berlin, der Heimatstadt des Quartetts, festgenommen. Der überwiegende Teil der Beute wurde sichergestellt. Während des Polizeieinsatzes wurde unter anderem der Zugverkehr am Hauptbahnhof kurzzeitig eingestellt. Wegen der Herkunft der Räuber – drei sind nach eigenen Angaben „nach islamischem Recht verheiratet“, der vierte ist nach islamischem Recht ledig – war spekuliert worden, ob es sich um einen Fall von Clankriminalität handeln könnte. Das ist mittlerweile unwahrscheinlich, auch die dilettantische Ausführung der Tat spricht dagegen. Vor Gericht präsentieren sich die vier auch nicht als ausgebuffte Schwerverbrecher, sondern eher als tollpatschige, nicht gänzlich unsympathische Unglücksvögel. Chorknaben sind es freilich nicht: Zwei sind wegen Gewaltdelikten vorbestraft, einer war nach eigenen Angaben früher Berater seines Bruders, eines Bundesligafußballers.

Der Coup, sagen die Angeklagten, sei nicht von langer Hand vorbereitet gewesen. Sie hätten sich erst am Abend zuvor dazu entschlossen und seien gen Frankfurt gefahren, wo einer der vier Wochen zuvor die Sparkassenfiliale entdeckt hatte und auf dumme Gedanken gekommen war. Dem Amokfahrer sei sein Verhalten, so sagt er, heute ebenso peinlich wie unverständlich. Er sei wohl nicht ganz bei Sinnen gewesen, weil er zu dieser Zeit versucht hatte, mit Subutex gegen seine Kokainsucht anzukämpfen. Er habe bloß mitgemacht, weil die drei anderen ihm versichert hätten, es handele sich um einen einfachen Einbruchsdiebstahl mit geringem Risiko.

Während der Flucht hätten sie auf ihn eingebrüllt, er solle sofort stehen bleiben und den Wahnsinn unterlassen, aber er sei aus Angst völlig von Sinnen gewesen und einfach weitergerast. Die Schüsse der Polizei, die die Flucht beendeten, kommentiert er mit dem wohl schönsten Satz des ersten Verhandlungstags: „Das wäre nicht nötig gewesen – das hat die Flucht dramatisiert.“

Der Prozess wird fortgesetzt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare