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Banken in Frankfurt: Die Angst vor dem nächsten Knall

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Von: Christoph Manus

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Die Filiale der Frankfurter Sparkasse im Stadtteil Praunheim wurde bei der Sprengung von Geldautomaten so stark beschädigt, dass sie nicht wieder öffnet.
Die Filiale der Frankfurter Sparkasse im Stadtteil Praunheim wurde bei der Sprengung von Geldautomaten so stark beschädigt, dass sie nicht wieder öffnet. Renate Hoyer © Renate Hoyer

Die Sprengung von Geldautomaten stellt Banken und Sparkassen in Frankfurt und Region vor riesige Probleme. Denn die Banden richten immer höheren Schaden an

Es ist 4.30 Uhr, als ein lauter dumpfer Knall die Menschen im Ortskern des Frankfurter Stadtteils Praunheim aus dem Schlaf reißt. Zwei Maskierte sind an diesem Novembermorgen in den Vorraum der Sparkassenfiliale in Alt-Praunheim eingebrochen und haben zwei Geldautomaten in die Luft gejagt. Die gesamte Glasfront der Filiale wird zerstört, Türen und Fenster werden aus der Verankerung gerissen.

Der Schaden erweist sich als so groß, dass die Frankfurter Sparkasse gut einen Monat später entscheidet, die Filiale in Praunheim nicht wieder zu eröffnen. Sie stand zwar ohnehin auf der Liste der Zweigstellen, die das Institut aus Kostengründen schließen will. Zumindest bis 2024 hätte sie aber noch geöffnet gehabt. Doch nun monatelang die Räume wieder herzurichten und dafür „richtig viel Geld in die Hand zu nehmen“, lohne sich nicht mehr, sagt ein Sparkassen-Sprecher auf Anfrage der Frankfurter Rundschau.

Banken und Sparkassen in Frankfurt und Region versuchen es, den Banden möglichst schwer zu machen

Seit Jahren investieren die Sparkassen und Banken auch in Frankfurt und Region immer mehr Geld in die Sicherheit ihrer Filialen und SB-Stellen, wollen es den Banden, die sich auf das Sprengen von Geldautomaten spezialisiert haben, zumindest so schwer wie möglich machen. Erst jüngst erklärte die Deutsche Kreditwirtschaft bei einem von Innenministerin Nancy Faeser (SPD) einberufenen Runden Tisch mit Sicherheitsbehörden und der Versicherungswirtschaft die Bereitschaft, die Präventionsvorkehrungen noch zu erhöhen. Die Banken und Sparkassen nennen etwa die Schließung von Selbstbedienungsfoyers zwischen 23 und 6 Uhr, die verstärkte Videoüberwachung von Bankfilialen sowie den Einsatz von Einbruchmeldetechnik und Nebelsystemen und die Anwendung von Einfärbe- oder Klebesystemen an Banknoten als Instrumente.

Die Kreditinstitute wollen aber auch den Bargeldhöchstbestand in den Automaten reduzieren und noch genauer zu prüfen, welche Standorte für Geldautomaten infrage kommen. Dabei unterstützt sie in Hessen das Landeskriminalamt. Banken haben diesem dazu Daten zu etwa 2200 Geldautomaten an mehr als 1300 Standorten geliefert. Vor kurzem war laut LKA etwa die Hälfte „risikoanalysiert“.

Wie genau die Banken und Sparkassen vorgehen, wollen sie aus Sicherheitsgründen nicht verraten

Das Landeskriminalamt lässt durchblicken, dass die Kreditinstitute die Prävention gegen die Sprengungen unterschiedlich ernst nehmen. Es werde auf politischer Ebene diskutiert, inwiefern eine gesetzliche Änderung nötig sei, „um Kreditinstitute, die jetzt nicht anfangen zu handeln, zu entsprechenden Schutzmaßnahmen zu verpflichten“, berichtet es.

Wie genau die Banken und Sparkassen jeweils vorgehen, um Sprengungen zu erschweren und Banden abzuschrecken, wollen die Institute in der Regel aus Sicherheitsgründen nicht kommunizieren. Auch auf FR-Anfrage teilen etwa Deutsche Bank, Commerzbank und Frankfurter Sparkasse lediglich mit, dass sie die SB-Bereiche ihrer Filialen nachts schließen. Die Frankfurter Volksbank will sich nicht einmal zur Frage äußern, ob sie die gemeinsam mit der Taunussparkasse betriebenen Finanzpunkte weiterhin rund um die Uhr überwachen lässt. Denn die Angst vor dem nächsten Knall bleibt sehr groß.

Die Banden, die es auf Geldautomaten abgesehen haben, richten immer höheren Schaden an

In Hessen ist die Zahl der Geldautomatensprengungen im Jahr 2022 gegen den Bundestrend gesunken. Doch die Schadensumme steigt und steigt. Das hat offenbar mit einem immer rabiateren Vorgehen der Banden zu tun. „Die Anschläge bewirken eine erhebliche Zerstörung“, berichtet ein Sprecher der Frankfurter Volksbank, die bereits mehrfach Opfer von solchen Sprengungen wurde, auf Anfrage. „Auch umliegende Wohnungen halten die Täter von diesem brutalen Vorgehen nicht ab.“ Die Schäden seien so groß, dass die Wiederherstellung der Räume und die Wiederbeschaffung der Technik zum Teil mehrere Monate dauere.

Auch der Deutschen Kreditwirtschaft macht insbesondere der zunehmende Einsatz von Festsprengstoff große Sorgen. „Die rücksichtslosen Täter nehmen mit ihren brachialen Angriffen inzwischen billigend in Kauf, dass sie auch Leib und Leben von unbeteiligten Menschen gefährden“, warnte der Zusammenschluss der kreditwirtschaftlichen Spitzenverbände in Deutschland beim Runden Tisch in November.

Die Zahl der Geldautomaten sinkt seit Jahren - Kreditwirtschaft nennt mehrere Gründe

Nötig sei es nun, alles daranzusetzen, „Deutschland als Zielort für die überwiegend aus den Niederlanden einreisenden Tätergruppierungen so unattraktiv wie möglich zu gestalten“, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung. Die anhaltenden Sprengungen machen den Betrieb von Geldautomaten für die Banken und Sparkassen nicht unbedingt attraktiver.

Dass die Zahl der bundesweit aufgestellten Automaten in den vergangenen zehn Jahren um gut 3000 auf nun 55.000 gesunken ist, erklärt die Deutsche Kreditwirtschaft allerdings in erster Linie mit veränderten Bezahlgewohnheiten. Laut Bundesbank würden derzeit etwa 58 Prozent der Einkäufe und Dienstleistungen bar bezahlt, vor fünf Jahren lag der Prozentsatz noch bei 74 Prozent. Umgekehrt zahlten immer mehr Menschen mit Girocard. Auch bei der Frankfurter Sparkasse nennt man vorwiegend betriebswirtschaftliche Gründe für den Abbau von Geldautomaten. An manchen Standorten sei die Frequenz so gering, dass sich der Betrieb nicht lohne, teilt ein Sprecher mit.

In Einzelfällen könne es auch aus Sicherheitsgründen nötig sein, Standorte von Geldautomaten zu schließen oder Automaten an einen weniger gefährdeten Ort zu versetzen, heißt es bei der Deutschen Kreditwirtschaft. Das sei etwa der Fall, wo es ein besonders hohes Gefährdungspotenzial für Unbeteiligte gebe.

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