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Mit Schlägern hauen statt eines Handschlags. Geht doch!

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Ballwechsel auf Abstand in Frankfurt

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Kontaktloser Sport ist wieder möglich, und schon zieht es die Menschen in Frankfurt nach draußen - da stört auch kaum das bisschen Regen.

Nieselregen am Samstagmittag im Frankfurter Westen: Während bei Alemannia Nied kein Mensch auf dem Kunstrasenplatz des Fußballvereins zu sehen ist, lässt sich der jüngste Nachwuchs bei der DJK Schwarz-Weiß Griesheim vom mittelmäßigen Wetter nicht abhalten und wartet schon ungeduldig auf die ersten Schläge. Bei der Tennisabteilung am Rande des Rebstockparks ziehen die Großen aber zunächst einmal mit einem Schleppnetz die roten Sandplätze für ein reibungsloses Spielvergnügen ab.

Auch beim Höchster Tennis- und Hockeyclub (HTHC) wird nach den kurzfristigen Corona-Lockerungen für Sportvereine durch die hessische Landesregierung erstmals seit rund zwei Monaten wieder trainiert. Bei dem Verein, der vor einiger Zeit begonnen hat, seine Sportanlage grundlegend zu erneuern, haben die Mitglieder Antonia Egner und Patrick Blewitt an diesem Vormittag eines von zwei neuen Sandplatz-Feldern gar mit einigen Ballwechseln eröffnet.

Wolfgang Hofmann (re.), Präsident des Höchster Tennis- und Hockeyclubs, begrüßt Stadtrat Markus Frank auf der neuen Sportanlage.

Über die Spielfeldumzäunung hinweg ist der 18-jährigen Antonia die Freude anzusehen, wieder auf dem Platz stehen zu dürfen. „Wir haben sehr lange drauf gewartet“, sagt sie und zieht das „sehr“ in die Länge. „Der Sport hat mir als Ausgleich sehr gefehlt.“ „Aller Anfang ist immer wieder schwer“, sagt ihr Tennispartner. „Dreifach so schwer“, als vor den Corona-Einschränkungen seien Ball und Schläger heute gewesen. „Es ist etwas deprimierend, wie schlecht man geworden ist“, sagt der 21-jährige Patrick.

Trotzdem hätten beide heute nicht motiviert werden müssen, die Ersten auf der Anlage zu sein. Den Platz haben sie online im neuen Buchungssystem des Klubs reserviert. Dafür hängt seit kurzem auch ein Flachbildschirm an der neuen Vierfeld-Tennishalle, die im letzten Herbst eröffnet worden ist. Zwar darf sie ebenfalls wieder genutzt werden. Doch alle knapp zwei Dutzend anwesenden Mitglieder sind bei einer Begehung mit Sportdezernent Markus Frank (CDU) draußen aktiv. Dabei müssen Regeln eingehalten werden. Genauso wie bei Schwarz-Weiß Griesheim hängen beim HTHC am Zaun neben dem Eingang Hygiene-Hinweise. Umziehen und Duschen müssen sich die Sportler zu Hause. „Feucht-räume sind sehr kritisch“, sagt Doris Renck, Pressesprecherin des Vereins im Hinblick auf Ansteckungsrisiken mit Corona. „Unsere Sportler sind hochgradig verantwortungsbewusst“, sagt Sportdezernent Frank. Zwar müsse man „das Virus ernst nehmen“. Gleichzeitig sei „Sport wichtig für die Gesundheitsprävention“.

Auf Einnahmen angewiesen

Für den Vorsitzenden des HTHC, Wolfgang Hofmann, der seine Mundschutzmaske wie ein Einstecktuch in der Brusttasche seines Sakkos trägt, bedeuten die Pandemie-Einschränkungen auch finanzielle Einbußen. Aufgrund der umfangreichen Erweiterungen des Vereinsgeländes mit neuem Hockeyfeld, Tennishalle und Sandplätzen sei der HTHC auf Einnahmen durch neue Mitglieder angewiesen. Und die habe man insbesondere beim ausgefallenen Tag der offenen Tür Ende April werben wollen. Mehr als 600 Mitglieder hat der Verein aktuell. Rund 1000 seien nötig, um die Ausgaben für die Umbauten zu decken. „Wir sind nicht in Existenznot, aber Einnahmen und Ausgaben sind zuletzt völlig auf den Kopf gestellt worden“, sagt Hofmann.

Ein Mitglied, das schon mehrere Jahre im Verein seinen Kasten sauber hält, ist der 14-jährige Philipp. Zum Gespräch mit dem Rundschau-Reporter muss er erstmal seine Gesichtsmaske abziehen. Darunter kommt ein verschwitzter Kopf zum Vorschein. Von seinem Teamkollegen Justus hat sich der Torwart erstmals nach langer Pause einschießen lassen. „Es war ein gutes Gefühl, als ich den ersten Ball mit der Schlägerspitze aus der Torecke gefischt habe“, sagt Philipp. Auch der 13-jährige Justus fand es „cool“, auf das tief blau gefärbte Hockeyfeld zurückzukehren. Sein Vater und Trainer Jens Schön hat mit den Vereinsverantwortlichen für die kommenden Wochen ein Trainingskonzept ohne Zweikämpfe und engen Körperkontakt entwickelt, um Abstandsregeln einzuhalten. Beim Torwarttraining sei Abstand kein Thema, berichtet Schön mit einem Schmunzeln. Weil die Schlussleute unter ihrer dicken Polsterung „stark schwitzen und stinken“ würden, trauten sich die übrigen Spieler ohnehin nicht freiwillig nah an ihre Mitspieler heran.

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