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Ball des Sports: Klettern mit Abendkleid und Smoking

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Von: Timur Tinç

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1500 Gäste sind in die Festhalle zum 52. Ball des Sports gekommen. People Picture/Willi Schneider
1500 Gäste sind in die Festhalle zum 52. Ball des Sports gekommen. People Picture/Willi Schneider © People Picture/Willi Schneider

Der Ball des Sports feiert eine gelungene Rückkehr nach Frankfurt. Die Stiftung Sporthilfe sammelt rund 750 000 Euro für Athletinnen und Athleten.

Bei der alljährlichen Oscarverleihung wird im Boulevard und in Hollywood darüber diskutiert, welche Schauspielerin das tollste Kleid trägt. Da der Ball des Sports so etwas wie die „Oscars des Sports sind, darf man schon mal glotzen“, findet Kristina Vogel. Die zweimalige Bahnrad-Olympiasiegerin hat sich am Samstagabend in ein besonders glänzendes silbernes Abendkleid geworfen und rollte in ihrem Rollstuhl über den roten Teppich des 52. Balls des Sports der Sporthilfe in der Frankfurter Festhalle. Vogel war schon zu ihrer aktiven Zeit ein Vorbild in ihrer Sportart. Der Umgang mit ihrer Querschnittslähmung hat sie zu einem Vorbild für alle Athletinnen und Athleten, ob mit oder ohne Einschränkung, gemacht.

Genau deshalb ist Vogel eine von 1500 Gästen, die am Samstag nach Frankfurt eingeladen worden sind, um den Sport zu feiern. 91 Medaillengewinner:innen bei Olympischen Winterspielen, Welt- oder Europameisterschaften standen bei der Feier im Mittelpunkt. Politische Botschaften blieben diesmal aus. Nur Christian Seifert, Aufsichtsratsvorsitzender der Sporthilfe, sprach von „abhanden gekommen gemeinsamen Werten in der Gesellschaft“. Dafür sei der Sport „der Kitt der Gesellschaft“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Sporthilfe, Thomas Berlemann. Der Ball stand ganz im Zeichen der Rückkehr nach Frankfurt, wo er zuletzt 2006 stattgefunden hatte, ehe er für 16 Jahre nach Wiesbaden ging. Bis mindestens 2027 wird die Stadt Frankfurt den Ball austragen und wie Lotto Hessen jährlich je 400 000 beisteuern.

Mit solchen Events will die Stadt etwas vom Glanz der Sportwelt abbekommen, um sich den Namen Sportstadt zu verdienen. Neben vielen ehemaligen Sportstars wie Diskus-Olympiasieger Lars Riedel, Turn-Olympiasieger Fabian Hambüchen, Eiskunstlauflegende Marika Kilius oder Schwimm-Olympiasiegerin Franziska van Almsick waren auch fast alle aktiven Athletinnen und Athleten der Einladung gefolgt.

Das Fehlen der Leichtathletiktopstars Gina Lückenkemper und Malaika Mihambo fiel dabei gar nicht so ins Gewicht. Formel-1-Pilot Mick Schumacher ersetzte die schwangere Tennisspielerin Angelique Kerber, die kurzfristig abgesagt hatte. Dafür waren Turn-Europameisterin Elisabeth Seitz, Rodel-Olympiasieger Felix Loch, Ruder-Europameister Oliver Zeidler oder Zehnkampf-Europameister Niklas Kaul vor Ort.

„Es ist toll, so eine Veranstaltung zu haben, wo man sich zwanglos mit anderen Sportlern, gerade auch aus früheren Tagen, unterhalten kann. Das macht diesen Abend für mich so besonders“, sagte Kaul. Der 24-Jährige wird schon seit seiner Zeit als Jugendlicher von der Sporthilfe gefördert, als noch nicht ganz klar war, wohin die Karriere geht. Neben der finanziellen Sicherheit stünde die Sporthilfe auch mit Rat und Tat bei der dualen Karriere zur Seite.

Seit 1967 unterstützt die Sporthilfe Athletinnen und Athleten. Mittlerweile sind es rund 4000, die insgesamt rund 23 Millionen Euro im Jahr bekommen. Seit 1970 wird der Ball des Sports organisiert, um Sport, Wirtschaft und Politik zusammenzubringen. Unter anderem war Mercedes-CEO Ola Källenius genauso wie der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank Christian Sewing sowie Fraport-Chef Stefan Schulte vor Ort. Sewing und Källenius betonten, dass die Sportlerinnen und Sportler Tugenden wie Fleiß und Disziplin vorlebten, die auch in der Wirtschaft wichtig seien. Am Samstag wurden rund 750 000 Euro eingesammelt.

Der hessische Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) sprach von einer „weisen Entscheidung“, den Ball des Sports nach Frankfurt zu bringen und in Hessen zu behalten. „Wenn man die Möglichkeit hat, Europas größte Benefizveranstaltung zu holen, dann machst du das“, sagte Frankfurts Sportdezernent Mike Josef. Wie schon im Sommer in Wiesbaden durfte er mit Kristina Vogel am Eröffnungstanz teilnehmen. „Sie hatte mir da schon gesagt: Nehmen Sie einfach meine Hände und vertrauen Sie mir.“ Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) tanzte mit Christian Seifert, der Frankfurter Tiktok-Star Younes Zarou mit Ruder-Olympiasiegerin Ricarda Funk.

Für die sportlichen Highlights sorgte zuvor eine Sportakrobatikgruppe mit Mitgliedern von Eintracht Frankfurt und die Kletterinnen und Kletterer des Deutschen Alpenvereins Sektion Frankfurt. „Ich freue mich echt, dass wir auf roten Teppich laufen und das Klettern in all seinen Formen zeigen können“, sagte Parakletterer Tim Schaffrinna. Etwas enttäuscht war er, dass am Freitag nur zehn Leute das Angebot im Kletterzentrum wahrnehmen wollten, mal mit Profis zu üben. Ein Teil des Bürgerangebots. Dafür kamen immerhin 3000 Besucherinnen und Besucher über den Tag verteilt in die Titus-Therme am Samstag und abends viele zur Club Night mit Feuershow.

Für die Show beim Ball des Sports sorgte ab 0.30 Uhr Tim Bendzko. Die Gäste verteilten sich über den ganzen Saal und probierten auch die Sportstände aus. Besonders beliebt war eine kleinere Kletterwand, die auch in Abendkleid und Smoking emporgestiegen wurde. Natürlich durfte auch nicht der Europapokal der Eintracht fehlen, mit dem sich viele ablichten ließen. „Der Fußball alleine ist nicht der Sport“, sagte Vorstandssprecher Axel Hellmann, einer von vielen Eintracht-Verantwortlichen vor Ort. Die Eintracht habe 52 Sportarten und es sei wichtig, dass es diese Vielfalt gebe. Am Samstag wurden sie zelebriert.

Die Kletterinnen und Kletterer vom Deutschen Alpenverein Sektion Frankfurt machen vor wie es geht. People Picture/Willi Schneider
Die Kletterinnen und Kletterer vom Deutschen Alpenverein Sektion Frankfurt machen vor wie es geht. People Picture/Willi Schneider © People Picture/Willi Schneider
Bundesinnenministerin Nancy Faeser tanzt mit Christian Seifert, Vorsitzender des Aufsichtsrats Stiftung Deutsche Sporthilfe.
Bundesinnenministerin Nancy Faeser tanzt mit Christian Seifert, Vorsitzender des Aufsichtsrats Stiftung Deutsche Sporthilfe. © dpa
Zehnkampf-Europameister Niklas Kaul mit seiner Freundin Mareike Rösing , die ebenfalls Mehrkämpferin ist.
Zehnkampf-Europameister Niklas Kaul mit seiner Freundin Mareike Rösing , die ebenfalls Mehrkämpferin ist. © dpa
Eiskunftslauflegende Marika Kilius.
Eiskunftslauflegende Marika Kilius. © Raphael_Stötzel
Kristina Vogel mit Frankfurts Sportdezernent Mike Josef beim Eröffnungstanz.
Kristina Vogel mit Frankfurts Sportdezernent Mike Josef beim Eröffnungstanz. © dpa
Sportakrobatik-Vorstellung im Festsaal. Api
Sportakrobatik-Vorstellung im Festsaal. Api © ERIC TRAN-QUANG
Tim Bendzko singt für die Gäste.
Tim Bendzko singt für die Gäste. © dpa

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