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Fernbus statt Zug – für viele Reisende eine Alternative.
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Fernbus statt Zug – für viele Reisende eine Alternative.

Hauptbahnhof

Bahnstreik: Gestrandet am Frankfurter Hauptbahnhof

Viele der Fahrgäste, die wegen des Bahnstreiks in Frankfurt stranden, steigen auf Busse um. Die Nachfrage bei Taxis bleibt mau.

Um 8 Uhr morgens läuft eine junge Frau am Busbahnhof immer wieder zwischen den einzelnen Haltestellen hin und her. Sie wirkt gestresst, so wie ihr Blick immer wieder die Aufschriften auf den einfahrenden Bussen scannt, bis einer dabei ist, auf dem ihr Reiseziel steht. Herlyn, die wie alle anderen Befragten nur ihren Vornamen preisgeben will, ist seit 23 Uhr unterwegs. „Ich hatte eigentlich ein Supersparpreis-Ticket von Ulm nach Münster gebucht, das kann ich ja jetzt nicht mehr stornieren.“ Als sie von dem bundesweiten Streik erfuhr, kümmerte sie sich aber direkt um eine alternative Verbindung mit Flixbus. Insgesamt ist sie damit allerdings zwölf Stunden unterwegs. „Meine Bekannten und ich sind schon sehr genervt. Es gibt ja auch Leute, die wichtige Termine haben“, sagt sie der Frankfurter Rundschau.

Aylin und Vildan geht es ähnlich. Die beiden haben seit Wochen einen Trip von Gießen nach Bonn geplant und dafür einen Flixbus von Frankfurt aus gebucht. Weil sie erst gestern Abend von dem Streik erfuhren, hatten sie nicht mehr viel Zeit, sich um Alternativen zu kümmern. „Wir standen deshalb schon um 5 Uhr am Bahnhof und haben einfach gehofft, dass noch etwas fährt“, sagt Aylin. Die zwei hatten Glück, und mit etwa einer Stunde Verspätung konnte doch noch ein Lokführer gefunden werden. „Das alles zehrt sehr an den Nerven“, findet Vildan. „Und wir fragen uns auch, ob es denn am Ende überhaupt zu etwas führt.“

Die Wartezeiten bei den S-Bahnen waren äußerst hoch.

Mehr Verständnis für die Forderungen hat Keno, der von Paris nach Mannheim möchte. Er wollte eigentlich auch mit dem Zug fahren. Stattdessen steht er jetzt am Busbahnhof in Frankfurt und hilft einer Mutter mit zwei Kindern, die kein Deutsch und nur gebrochenes Englisch spricht, dabei, die richtige Haltestelle zu finden. Obwohl er von den Ausfällen betroffen ist, bleibt er relativ gelassen. „Sonst machen sie ihre Arbeit hier in Deutschland eigentlich immer gut, deshalb sollten sie auch angemessen bezahlt werden“, meint er.

Hotlines und Infos

Auch am Donnerstag kommt es zu zahlreichen Ausfällen auf den Linien S1, S2, S3, S4, S5, S6, S7, S8, S9, RE2, RE4, RE5, RE14, RE20, RB22, RB23, RE25, RE30, RB34, RB40, RB41, RB48 (von/nach Frankfurt), RB49, RE50, RB51, RE60, RB61, RB67, RB68 sowie RE70.

Der Ersatzfahrplan für den Fern- und Regionalverkehr ist in der Fahrplanauskunft auf bahn.de und in der App DB Navigator abrufbar. Alternativ gibt es auch Infos auf rmv.de im Internet.

Informationen dazu gibt es auch bei der kostenlosen Streikhotline unter Telefon 08000 / 996 633.

Alle gebuchten Fahrkarten des Fernverkehrs für Strecken, die vom 11. bis einschließlich 13. August vom GDL-Streik betroffen sind, behalten ihre Gültigkeit und können bis einschließlich 20. August flexibel genutzt werden. Die Zugbindung bei Sparpreisen und Super-Sparpreisen ist aufgehoben. Zudem können Fahrkarten kostenfrei erstattet werden. Weitere Informationen dazu unter bahn.de/sonderkulanz im Internet. Zudem gelten die allgemeinen Fahrgastrechte bei Verspätung oder Zugausfall. mic

Lieber S-Bahn als Taxi

Gleich um die Ecke an der Südseite des Hauptbahnhofs parkt eine Reihe von Taxis. Die Fahrer und Fahrerinnen sitzen gelangweilt hinter dem Steuer oder stehen Zigarette rauchend neben der Fahrertür. „Innerhalb einer Stunde ist gerade mal ein Gast bei mir eingestiegen“, berichtet Taxifahrer Max. „Das Geschäft läuft genauso schlecht wie sonst auch.“ Eigentlich hatte er darauf gehofft, dass durch den Streik die Nachfrage nach Taxis höher als sonst sein würde, doch die Realität sieht anders aus. Dafür beobachte er aber mehr Fahrrad- und Autoverkehr in der Stadt, wie er sagt.

Sein Kollege Beyene steht zwar etwas weiter vorn in der Taxischlange und hat deshalb gerade bessere Aussichten auf Kundschaft, aber auch er bekommt kaum etwas von dem Bahnstreik mit. „Man merkt, die Fahrgäste haben sich vorbereitet. Viele fahren dann als Gruppe. Das macht für mich aber kostentechnisch keinen Unterschied.“

Bei früheren Streiks habe man durchaus eine erhöhte Nachfrage verzeichnet, sagt Sven Adler vom Vorstand der Frankfurter Taxi-Vereinigung. Aktuell stehe dem allerdings die Corona-Pandemie im Weg. Taxis seien vor allem bei Geschäftsreisenden beliebt. Diese arbeiteten aber zurzeit immer noch zu großen Teilen von zu Hause aus. „Die S-Bahn bietet ja objektiv betrachtet eine kostengünstigere Fahrgelegenheit. Da ist das Taxi für viele eher das letzte Mittel“, meint Adler. Er vermutet, dass die S-Bahn, die stündlich zum Flughafen fährt, den aktuellen Reiseandrang auffängt.

(Von Friederike Bruder)

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