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Interesse am Rotlicht: Stadtführung entlang der Laufhäuser im Frankfurter Bahnhofsviertel.

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Bahnhofsviertel: Teuer wohnen in Rotlichtnähe

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Das Bahnhofsviertel ändert sich rasant. Immer mehr möblierte Apartments und Eigentumswohnungen entstehen, günstige Kneipen verschwinden.

Frankfurt – Das Bahnhofsviertel verwandelt sich mehr und mehr in einen Stadtteil, in dem nur noch Menschen mit viel Geld eine neue Wohnung finden. In dem früher von Leerstand geprägten Areal wird derzeit sehr viel gebaut. Investoren wandeln etwa an der Gutleutstraße und der Wilhelm-Leuschner-Straße, ganz im Süden des Viertels, Gewerbeflächen in Wohnraum um oder reißen sie ab, um sie durch Neubauten zu ersetzen. Zum allergrößten Teil entstehen möblierte Apartments und Eigentumswohnungen. Und die werden zu sehr hohen Preisen angeboten.

Teure Wohnungen entstehen

Selbst im immer noch von Laufhäusern und Drogenabhängigen geprägten nördlichen Bahnhofsviertel entstehen seit einigen Jahren teure Wohnungen. Derzeit wird etwa die frühere ABG-Zentrale an der Elbestraße so umgewandelt, dass 80 Wohnungen mit ein bis drei Zimmern Platz finden. „Urban Central“ heißt das Projekt, das als „attraktives Investment“ beworben wird. Die Preise für die 38 bis 109 Quadratmeter großen Einheiten sollen bei 383 000 Euro bis 861 000 Euro liegen. Nicht günstig werden dürften auch zum Beispiel die rund 130 „Premium-Eigentumswohnungen“, die die Frankfurter German Estate Group von Anfang kommenden Jahres an per Umbau des Union-Investment-Bürohauses an der Wiesenhüttenstraße in einen Wohnturm schaffen will. 30 geförderte Wohnungen sollen in einem angrenzenden Gebäude unterkommen.

Eyup Yilmaz, planungspolitischer Sprecher der Linken im Römer, nennt die Entwicklung im Bahnhofsviertel dramatisch. Eine bezahlbare Wohnung im Stadtteil zu finden, sei jetzt schon praktisch nicht mehr möglich. Dass selbst in den früheren ABG-Gebäuden an Elbe- und Gutleutstraße teure Wohnungen entstünden, hält er für einen Skandal. Auch sonst sieht Yilmaz eine starke Verdrängung. Günstige Kneipen und kleine Läden hätten zugemacht, weil sie sich die Mieten nicht mehr leisten könnten. Obdachlose und Drogenabhängige würden in andere Bereiche der Stadt verdrängt. Yilmaz fordert, auch das Bahnhofsviertel unter Milieuschutz zu stellen.

Bisher kein Milieuschutz

Im Planungsdezernat sieht man die Entwicklung etwas weniger negativ. Mit Unterstützung der Stadt habe sich in den vergangenen Jahren viel getan. In Häusern, die sonst verfallen wären, seien mehr als 300 Wohnungen entstanden. Das Viertel sei so wieder mehr zu einem Wohnquartier geworden, sagt Mark Gellert, Sprecher von Planungsdezernent Mike Josef (SPD). Auch dieser beobachtet jedoch zunehmend eine negative Aufwertung, die zu Verdrängung führe. Als Beispiel nennt er den zunehmenden Bau möblierter Wohnungen. Das Dezernat prüfe, restriktiver mit diesen umzugehen. Auch für das Bahnhofsviertel werde man zudem neu untersuchen, ob eine Milieuschutzsatzung möglich wäre. Ein erster Versuch, eine solche für das Viertel zu installieren, war gescheitert. Gutachter wollten kein verdrängbares Milieu erkennen.

Von Christoph Manus

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