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Tierschützer bei der Aktion.

Tierschutz

Auf Taubenfang im Bahnhofsviertel

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Tierschützer machen mit einer Aktion auf das Schicksal der Vögel aufmerksam. Das Stadttaubenprojekt kämpft für mehr Taubenhäuser.

Donnerstag auf der Kaiserstraße: Taubenfänger sind unterwegs. Weil sie Tauben mögen. Mit Keschern ziehen sie los, auch in die Münchener, Weser-, Mosel-, Niddastraße. „In die Hinterhöfe gucken!“, schwört Gudrun Stürmer die acht Helfer ein. Eines stellt die Chefin des Frankfurter Stadttaubenprojekts gleich klar: „Das ist eine reine Tierschutzaktion. Sie wird nicht zur Verringerung des Bestands führen.“

Astrid Wallace und Oliver Tunnat übernehmen die Kaiserstraße. Da hat allerdings jemand eine Riesenportion Vogelfutter auf die Straße geschüttet. Das bedeutet: „Die haben sich den Magen vollgeschlagen und sind erst mal auf ihren Ruheplätzen“, sagt Tunnat. Folglich lässt sich kaum ein Vogel locken und einfangen. Andererseits: Es geht ja darum, kranke und verletzte Tiere zu finden und auf den Gnadenhof des Vereins nach Oberrad zu bringen. Wenn sie fit sind und keine Hilfe brauchen – umso besser. Die Fänger schauen wie befohlen in die Einfahrten und auch unter die Imbisswagen des Wochenmarkts. Nichts zu holen.

Wozu das Ganze? Wir versuchen, zu informieren“, sagt Gudrun Stürmer. „Tauben sind keine apokalyptischen Reiter, sondern Tiere, die einen Stoffwechsel haben wie wir.“ Wenn man sie sich selbst und den Essensresten der Stadt überlasst, vermehren sie sich, werden krank, gehen den Leuten auf die Nerven. 

Nur wenn man ihnen genug Taubenhäuser baut und ihre Eier gegen Gipsattrappen tauscht, bleibt ihre Zahl gering: Das ist die Botschaft, den das Stadttaubenprojekt seit mehr als 20 Jahren verbreitet. Genug Taubenhäuser, sagt Gudrun Stürmer, gebe es in der Stadt bei weitem nicht. Dabei hat sie prominente Unterstützer, etwa den Künstler Oskar Mahler und den Waldbesitzer Christian Freiherr von Bethmann. Sie machen sich für Taubenhäuser stark.

Das Fangen läuft zäh. In der B-Ebene des Hauptbahnhofs will keine in den Kescher – und dann warnt sie oben vor den Schließfächern auch noch eine Durchsage: „Achtung, organisierte Banden sind unterwegs.“ So kann das ja nichts werden. Gelächter.

Die anderen Teams sind erfolgreicher, insgesamt fahren 22 Tauben mit nach Oberrad. Abends kehrt Stürmer noch mal zurück: In einem Hinterhof der Münchener Straße ist eine Hausruine mit Brettern vernagelt, in der Tauben wohnten. Nicht, dass da welche eingeschlossen sind.

Eine Erkenntnis des Tages: Die Leute, die sich für die Aktion interessieren und nachfragen, sind die türkischen Gemüsehändler im Viertel. Und Sexarbeiterinnen helfen, indem sie auf verletzte Tiere aufmerksam machen.

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