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Intendant Daniel Nicolai und Stage-Managerin Johanna Heanley.

English Theatre Frankfurt

English Theatre in Frankfurt bereitet sich auf Brexit vor

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Das English Theatre Frankfurt bereitet sich auf den Brexit vor.

Die Katze ist schon in Sicherheit: Greg Castiglioni, der im grade zu Ende gegangenen Musical Cabaret im English Theatre Frankfurt vier Monate lang die Hauptrolle des Emcee spielte, hatte sein geliebtes Haustier eigens von London mit nach Frankfurt gebracht und hätte die Katze auch gerne noch auf die Tour-Verlängerung mit nach München genommen – doch kurz vor dem Brexit war ihm die Lage zu heikel. Keiner weiß schließlich, ob bei einem chaotischen Austritt Großbritanniens Hund und Katz künftig in monatelange Quarantäne gesperrt werden müssen, bevor sie auf die Insel reisen können.

Wie wird sich Großbritannien aus der Europäischen Union verabschieden, und welche Konsequenzen wird das haben? Obwohl der Austrittstermin immer näher rückt – am 29. März soll es soweit sein, aber wer weiß das heute schon –, sind die meisten Fragen noch völlig offen. Castiglioni wird an diesem Tag in München auf der Bühne stehen. Viele seiner Cabaret-Kollegen seien sehr nervös, berichtet er.

Und auch im English Theatre in Frankfurt schauen sie mit einem flauen Gefühl nach London, obgleich das Theater vielleicht sogar profitieren würde. Schließlich planen viele Unternehmen einen Umzug nach Frankfurt, und die englischsprachige Gemeinschaft in der Stadt – und damit das potenzielle Publikum – dürfte in den kommenden Jahren eher noch wachsen, vermutet Intendant Daniel Nicolai.

Doch im Moment überwiegen die Sorgen: Viel zu eng sind die Verbindungen in den vergangenen Jahren geknüpft worden, als dass sich das so einfach lösen ließen. Bestes Beispiel ist die deutsche Stage Managerin des Theaters, Johanna Heanley, die seit Jahren in London lebt und mit einem Briten verheiratet ist – kennengelernt hatte sie den Schauspieler Rob Heanley übrigens bei einer Produktion in Frankfurt. „Selbst in unserer Familie haben Leute für den Brexit gestimmt“, berichtet sie. „Das sorgt immer noch für Diskussionen. Keiner gibt zu, einen Fehler gemacht zu haben.“

Bei den Proben war es, so sagt sie, das ganz große Thema. „Ständig entschuldigen sich Engländer bei einem wegen des Brexits!“ Selbst für sie als Ehefrau eines britischen Staatsbürgers sei auch kurz vor dem angepeilten Termin immer noch nicht klar, ob sie nach einem Ausscheiden Großbritanniens auch weiterhin in London arbeiten dürfte. „Wir wissen es immer noch nicht“, sagt sie frustriert.

„Ich habe immer noch die Hoffnung, dass es nicht so hart wird wie befürchtet“, sagt Intendant Nicolai, der erhebliche Mehrkosten für das English Theatre erwartet. „Allerdings hatten wir auch immer gehofft, dass es noch eine Lösung geben würde. Der Kulturbereich hatte immer einen kleinen Bonus. Aber jetzt rufen wir mal die Ausländerbehörde an. Bei einem harten Brexit wäre es eine Ordnungswidrigkeit, jemanden ohne Arbeitserlaubnis hier spielen zu lassen. Unsere Verträge laufen zwar unabhängig vom Brexit, sie werden aber ungültig, wenn derjenige kein Aufenthaltsrecht hier hat. Ich muss sagen, wir sind hier alle extrem nervös.“

Und nicht zuletzt mahlen die Mühlen in Großbritannien sehr langsam, wie Nicolai weiß. Die britische Steuerbehörde beispielsweise habe 19 Wochen zur Bearbeitung eines Antrags gebraucht. „Wie es das Klischee so will, sind die deutschen Behörden besser organisiert“, sagt er und lacht.

Greg Castiglioni wird auch im Sommer wieder in Deutschland arbeiten, egal, welche Folgen der Brexit für britische Schauspieler auf dem Kontinent hat - er ist Halbitaliener und hat zum Glück auch noch einen italienischen Pass.

Ganz so einfach ist es aber trotzdem nicht. „Bisher gibt es eine europäische Gesundheitskarte. Das hat immer sehr gut funktioniert“, sagt der Musical-Darsteller, der seit mehr als 20 Jahren auch in Deutschland auf der Bühne steht. Anfangs musste er sich da noch selbst privat versichern. Er erwarte künftig „den doppelten Papierkram“ in Italien, wenn das denn überhaupt eine Alternative wäre.

„Als Italiener, der in Großbritannien lebt, habe ich keinen Anspruch auf Krankenversorgung in Italien.“ Die Gesundheitskarte sei eine europäische Errungenschaft gewesen – eine von vielen, die dem Brexit zum Opfer fallen dürften.

Das Stück „Apologia“

Das neue Stück „Apologia“ des griechisch-britischen Autors Alexi Kaye Campbell feiert an diesem Freitag, 22. März, in der Regie von Audrey Sheffield seine Premiere im English Theatre Frankfurt, Gallusanlage 7. Die Vorstellungen sind in englischer Sprache.

Die Handlung: Kristin Miller, bekannte Wissenschaftlerin und Alt-68erin, hat ihr Leben stets selbst bestimmt, hat bei den Studentenunruhen gekämpft und Karriere gemacht. Nun hat sie ihre Autobiografie geschrieben – und ihre beiden Söhne mit keinem Wort erwähnt. Das sind keine guten Voraussetzungen für das Familienfest in ihrem Landhaus...

Gespielt wird das scharfsinnige, hochgelobte satirische Drama bis zum 5. Mai dienstags bis samstags jeweils um 19.30 Uhr, sonntags um 18 Uhr. Eintrittskarten gibt es im Theater selbst unter Tel. 069 / 24 23 16 20, per E-Mail box-office@english-theatre.de oder www.english-theatre.de. (aph)

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