+
Bitte nur hier: Das Urinal in der Moselstraße soll gegen den Gestank im Viertel helfen.

Wildes Pinkeln

Kampf gegen Wildpinkler in Frankfurt

  • schließen

Ein Pissoir soll im Bahnhofsviertel für mehr Sauberkeit sorgen.

Manch einer läuft nur mit zugehaltener Nase durch einige Straßen des Bahnhofsviertels. Schon lange ärgern sich Anwohner und Geschäftstreibende nicht nur über Dreck und Müll, sondern auch über die Wildpinkler. Dem zuständigen Ortsbeirat 1 stinkt es ebenfalls nicht erst seit gestern. Wiederholt hatte das Gremium öffentliche Toiletten gefordert, doch die Stadt habe nicht reagiert, sagt Katharina Schreiner (FDP) auf der Sitzung am Dienstag. „Es muss gehandelt werden“, und zwar vor der Sommersaison, Ende des Jahres sei zu spät. Darum haben die Liberalen einen neuen Antrag gestellt, der auch bei den anderen Stadtteilpolitikern auf breite Zustimmung trifft, nicht ohne vorher munter diskutiert zu werden.

Sogenannte Uritrottoirs sollen im Bahnhofsviertel und am Hauptbahnhof testweise als Pilotprojekt aufgestellt werden. In Paris stehen sie bereits, einer am Seine-Ufer sorgte allerdings durch seine exponierte Lage für viel Spott. Als Standorte schlägt der Ortsbeirat die Elbe-, Niddastraße, den Bahnhofsvorplatz und den Wiesenhüttenplatz vor.

Die zweistöckigen Container sehen auf den ersten Blick aus wie Beton-Blumenkästen. Im unteren Teil saugen Holzspäne oder Sägemehl den Urin auf und reduzieren den Geruch, wie bei einem Katzenklo. Obendrüber, zwischen den Blumen, befindet sich eine pissoirähnliche Öffnung mit einem Ablauf in die Späne. Die Container können geleert und der Inhalt kompostiert werden. Ein Sensor schickt außerdem ein Signal, wenn der Kompost gewechselt werden muss. Bis zu 240 Liter, also 600 Toilettengänge, passen in die Blumen-Pipi-Box.

Michael Weber (CDU) findet den Vorschlag der FDP zwar lustig, aber wenig praktikabel. „An der Seine funktioniert das vielleicht, nicht aber im Bahnhofsviertel.“ Er plädiert für ein ordentliches Pissoir wie in der Elbestraße und keine Zwischenlösung. Weber fragt sich außerdem, wer die Box leeren soll und ob die Kosten nicht viel zu hoch seien. Die FDP rechnet mit 3000 Euro pro Uritrottoir. Anbieter beziffern die Kosten auf 4000 bis 7000 Euro. Weber befürchtet zudem, dass die Blumenkübel nicht lange überleben und einen guten Platz böten, um Drogen zu verstecken. Dem widerspricht Andreas Laeuen (Grüne): Im Klo werde wohl niemand Drogen deponieren und nirgendwo sonst in der Stadt gebe es eine so hohe Polizeidichte.

Immer mehr Wildpinkler in Frankfurt

Claudia Gabriel, Leiterin der Stabstelle Sauberes Frankfurt, hat aber ebenfalls Sorge, dass die Blumen-Boxen Vandalisten zum Opfer fallen. Sie will die Idee nicht pauschal verwerfen, „man muss nur genau schauen, wo sie aufgestellt werden“. Gerade im Bahnhofsviertel hält sie es für schwierig.

Ortsvorsteher Oliver Strank (SPD) stimmt dem Antrag zu: „Wir dürfen den Magistrat nicht aus der Verantwortung entlassen.“ Der Ortsbeirat habe rund 15 verschiedene Anträge für Toiletten gestellt, nicht nur im Bahnhofsviertel, etwa auch für das nördliche Mainufer. Die letzte Idee des Ortsbeirats war eine zurückpinkelnde Wand, Speziallack an Häuserwänden, Treppenaufgängen und am Hauptbahnhof.

Das Wildpinkelproblem im Bahnhofsviertel kennt auch Günter Murr vom Amt für Immobilien (ABI). Doch bevor nicht das Toilettenkonzept für Frankfurt fertig sei, könne er auch keine Zusage für ein Uritrottoir geben. Im Laufe des Jahres soll bekannt gegeben werden, wie der Ausbau der öffentlichen Toiletten aussehen wird. Bei einer Online-Umfrage konnten Bürger ihre Wünsche und Anregungen angeben. Da sei auch das Bahnhofsviertel mit dabei. Hierbei gehe es aber um fest installierte Toiletten. Bei mobilen Toiletten müssen man darauf achten, dass sie nicht im Weg stünden und keine Belästigungen von ihnen ausgingen.

„Wildpinkeln hat im gesamten Stadtgebiet zugenommen“, sagt Gabriel. Bereits in der Neuen Altstadt sei es ein Problem. Manchmal fehlten ihr die Worte bei diesem Sittenverfall. Ob es in Frankfurt zu wenig öffentliche Toiletten gebe, könne sie nicht einfach mit ja beantworten. Wahrscheinlich gebe es nie genug, ähnlich wie bei Mülleimern. Die Frage sei auch, wie man den öffentlichen Raum wertschätze. Zudem sei dies ein überwiegend männliches Problem. Frauen schafften es ja auch, sich zu disziplinieren.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare