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Druckraum soll Junkies von der Straße holen
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Frankfurt: Nur ein Teil der Junkies nimmt das Angebot der Drogenhilfe-Einrichtungen an und kommt zum Konsum in die Druckräume.

Probleme In Frankfurt

Frankfurt: Zugezogene beklagen Situation im Bahnhofsviertel - „Das sind Kranke“

  • Boris Schlepper
    VonBoris Schlepper
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Im Ortsbeirat beschweren sich neue Nachbar:innen über Dreck und offenen Drogenkonsum im Frankfurter Bahnhofsviertel. Sie wollen mehr Polizeipräsenz.

Frankfurt – Die Debatte um das Frankfurter Bahnhofsviertel ist erneut entbrannt. Bürger:innen, die neu ins Quartier gezogen sind, klagten am Dienstag (01.06.2021) in der Sitzung des Ortsbeirats 1, wie dreckig es dort sei. Sie forderten, dass etwas gegen die Drogenabhängigen unternommen wird. Mehrere Stadtteilpolitiker kritisierten, die Zugezogenen wollten die Rauschgiftsüchtigen verdrängen.

Bahnhofsviertel in Frankfurt: Druckräume werden nicht genug genutzt

Seit 13 Jahren kenne und liebe sie das Viertel, sagte eine Frau, die wie die anderen Bewohner:innen anonym bleiben will. „Doch so schlimm war es nie.“ Am helllichten Tag würden offen Drogen konsumiert, was sie mit Fotos und Videos belegte. Immer wieder gebe es Schlägereien, alles sei verdreckt, überall lägen Spritzen. Besonders störend sei, dass viele die Straßen als Klo nutzen. Im September hätte sie ihre Eigentumswohnung in der Elbestraße beziehen können, sei aber in Bad Homburg geblieben. „Im Bahnhofsviertel will ich mein Kind nicht großziehen.“

In das Quartier werde bereits viel investiert, erkannten die Bewohner:innen an. Doch bringe es nichts. Druckräume würden nicht genutzt. Die Stadt reinige die Straßen mehrfach, doch kurze Zeit später sehe es aus wie vorher. Die Kritiker:innen forderten mehr Polizeikontrollen, und den Menschen auf der Straße müsse ein Raum geboten werden, in dem sie sich waschen könnten, sagte ein Bewohner.

Frankfurt: Die Abhängigen brauchen Hilfe

Die Abhängigen bräuchten Hilfe. Gleichzeitig forderte er „keine Toleranz für öffentlichen Konsum“. Derzeit werde den Abhängigen zu viel Raum überlassen. Man müsse sie „mehr in die Enge treiben“. Viele seien „wie Zombies“ unterwegs.

„Das sind Kranke, keine Zombies“, korrigierte Björn Driebold, Schutzmann vor Ort. Sie hätten dasselbe Recht wie alle, die Straße zu nutzen. Zwar seien der Konsum von Drogen und das Lagern auf der Straße eine Ordnungswidrigkeit. Doch sei es eine Frage der Verhältnismäßigkeit, ob die Polizei dagegen vorgehe. Durch die Pandemie habe sich die Situation im Bahnhofsviertel verschlechtert, sagte Driebold, „es fehlt die soziale Kontrolle“. Er bot den Bewohnern an, gemeinsam nach einer Lösung zu suchen. Bislang fehle in Frankfurt „der große Wurf“.

Frankfurt: Im Bahnhofsviertel fehlt es an genug öffentlichen Toiletten

Lösungen hatten auch die Stadtteilpolitiker nicht. Sie sprachen sich, einem CDU-Antrag folgend, dafür aus, eine Litfaßsäule in der Elbestraße zu entfernen, die als Urinal missbraucht werde. Wichtiger sei es, öffentliche Toiletten zu schaffen, sagte Stephan Korte (FDP). Sinnvoll sei intensive Polizeipräsenz. Dem widersprach Monika Christann (Linke). „Wir können nicht Menschen wegsperren, weil sie arm und krank sind.“ Für mehr Streetworker, Drogenbeauftragte und Räume für Abhängige sprach sich Hanna Große Vorholt (Ökolinx) aus.

Wer sich für das Bahnhofsviertel entscheide, aber keinen Dreck auf der Straße wolle, müsse sich selbst hinterfragen, sagte Maximilian Klöckner („Die Partei“). Die Bewohner:innen versuchten, die Menschen, die sie störten, unsichtbar zu machen. Dem widersprachen die Kritisierten. Für die Probleme im Bahnhofsviertel gebe es bereits viele Ansätze, sagte Ortsvorsteher Michael Weber (CDU). Doch diese reichten nicht aus, das Quartier bleibe „eine Baustelle“. Wichtig sei es, aktiv zu bleiben, auch wenn es nur kleine Stellschrauben seien, an denen gedreht werde. Die stellvertretende Ortsvorsteherin Petra Thomsen (Grüne) verwies darauf, dass es schwierig sei, etwas im Viertel zu bewegen, da fünf Dezernate zuständig seien. Im Koalitionsentwurf der neuen Stadtregierung sei aber eine ganze Menge geplant.

Das bestätigt Kirsten Gerstner, Sprecherin von Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne), auf Anfrage. Auch jetzt unternehme die Stadt schon viel. So seien in den letzten Monaten niedrigschwellige Hilfsangebote ausgebaut und zusätzliche medizinische Versorgung geschaffen worden. Das Nachtcafé und die Konsumräume etwa hätten länger geöffnet. Wegen Corona befinde sich das Viertel in einer Art Ausnahmezustand. Menschen, die herzögen, müsse aber klar sein, „worauf sie sich einlassen“. (Boris Schlepper)

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