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Acht bis zehn Arbeitsschritte sind es bis zum fertigen Produkt.

Bahnhofsviertel

Frankfurt: Keramik für Cafés - aus dem Bahnhofsviertel in die Welt

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Viola Beuscher fertigt Keramik für Cafés und Restaurants an. 14 Stunden am Tag werkelt sie in ihrem Atelier.

Im Moment verbringt Viola Beuscher den ganzen Tag in ihrem Studio, nicht selten 14 Stunden, auch am Wochenende. Auf den Regalen des kleinen Raums in einem Gemeinschaftsatelier an der Taunusstraße stehen Tassen, Vasen und Teller, in unterschiedlichen Stadien der Vollendung. Den Boden bedeckt eine Staubschicht. Ein Ofen wartet in einer Ecke auf Nachschub und ihre Töpferscheibe in der anderen darauf, neue Runden zu drehen.

Das Töpfern hat sich die 27-Jährige selbst beigebracht. „Ich habe Bücher gelesen und Videos bei Youtube angeschaut.“ Das war nicht immer einfach. „Es ging nach dem Prinzip Trial and Error.“ Nicht selten kam es vor, dass eine ganze ofenladung Getöpfertes kaputt ging. Schon bei einigen Grad Unterschied könne sehr viel schiefgehen. Trotzdem beschloss Beuscher, das Töpfern zum Beruf zu machen. Sie brach ihr Studium der Journalistik, Literatur und Politik in Wien ab.

Zum Handwerk war sie nach einem Unfall gekommen. In der Reha-Phase begann sie zu töpfern. Und hörte damit auch zu Hause nicht auf. Sie schleppte die Töpferscheibe in den vierten Stock und entwarf zunächst nur für Freunde. „Dann habe ich mich getraut den nächsten Schritt zu machen.“ Vor einem Jahr mietete sie das Studio an.

Große Aufträge von Gastronomen sichern Viola Beuscher das Überleben

Ihre Produkte sind minimalistisch, reduziert, ohne Muster, pro Stück verwendet sie meist nur eine Farbe. Gebrauchskeramik nennt Beuscher das. Sie nimmt zwar auch Einzelbestellungen an, aber es sind die großen Aufträge von Gastronomen, die ihr das Überleben sichern. Ihre Kunden sind das Café No. 48 im Nordend, das Café Tumult im Bahnhofsviertel, das schicke Restaurant Stanley Diamond oder das „Mehl, Wasser, Salz“ im MMK. Gerade arbeitet sie an einem Riesenauftrag für ein neues Hotel im Ostend.

Der gelungenen Start freut Beuscher, es sei grandios gelaufen. Sie hatte sich nicht vorgestellt, dass ihr Geschäft so groß wird. Und leben kann sie davon auch. Aber es bedeute eben viel Arbeit. „Wenn ich den Aufwand hinter dem Herstellen von Keramik erzähle, sind viele erschrocken.“ Vom ersten bis zum letzten Tag kann es bis zu 14 Tage dauern, das sind acht bis zehn Arbeitsschritte. Der Ton muss vorbereitet werden, bevor es losgeht, dann müssen die Stücke gesäubert, Stempel gesetzt, der Ofen ein– und ausgeräumt werden, zuletzt folgt das Schleifen und Glasieren. Töpfern sei auch körperlich anstrengend – für den Oberkörper und die Hände.

Das Tolle dabei sei, dass das was man reinstecke auch zurückbekomme. „Das Produkt reflektiert mich.“ Und das Formen mit den Händen.

Bislang gibt es Beuschers Produkte nur in einigen Geschäften oder auf Anfrage. Bald will sie die Stücke über einen eigenen Onlineshop verkaufen. Ihr Wissen gibt sie auch in Workshops weiter. Töpfern ist im Moment angesagt. Viele suchten darin den Ausgleich zum Alltag, wollen wieder mehr mit ihren Händen machen. Bis Juli ist sie ausgebucht.

Beuschers Keramikgibt es im Tumult Cafe, Moselstraße 4, im Laden SinnGut, Wittelsbacher Allee 119, zu kaufen. Gruppen und Einzel-Workshops lassen sich auf ihrer Website buchen. Gruppenkurse (6 Personen, zwei Termine) kosten 80 Euro. www.violabeuscherceramics.com

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