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Die Stadt Frankfurt ist offenbar bereit, für die Betreuung der Drogenabhängigen im Bahnhofsviertel mehr Geld in die Hand zu nehmen.

Sozialausschuss

Drogenhilfe im Bahnhofsviertel: Majer (Grüne) erhält Unterstützung

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Im Frankfurter Bahnhofsviertel ist die Aktion Drogenhilfe im Gange. Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) erhält dafür Zustimmung von allen Parteien. 

Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) hat am Donnerstagabend für die konzertierte Aktion von Drogenhilfe und Ordnungskräften im Bahnhofsviertel viel Lob und Unterstützung von den im Römer vertretenden Fraktionen bekommen. Es gab keine einzige kritische Stimme.

Majer hatte zusammen mit der Leiterin des Drogenreferats, Regina Ernst, die Aktion noch einmal erläutert: Von einer „offensiven Sozialarbeit“ würden „Regeln“ vertreten – etwa dass das Lagern auf dem Bürgersteig und das Konsumieren von Drogen vor den Einrichtungen der Drogenhilfe nicht geduldet werde. Oder auch das Urinieren im öffentlichen Raum. Dies gelte nicht nur für Drogenabhängige, sondern auch für Banker. „Wir müssen die Menschen auf der Straße abholen“, sagte Majer.

Frankfurt Bahnhofsviertel: Drogenabhängige keine Sündenböcke

Roland Frischkorn (SPD) bestätigte den Eindruck, dass „Müll und Dreck“ zugenommen hätten. Die Drogenabhängigen dürften aber „nicht zu Sündenböcken“ gemacht werden. Frischkorn wies darauf hin, wie „die Partygesellschaft“ etwa in der Bahnhofsviertelnacht mit Müll umgegangen sei, indem sie ihn einfach auf der Straße habe liegen lassen. Er wünsche sich ein „Miteinander gegen die Vermüllung“.

Die CDU-Stadtverordnete Verena David betonte, wie wichtig es sei, darauf zu achten, „dass Regeln eingehalten werden“. Sonst seien es „die Schwächsten der Schwachen“, die leiden müssten. Auch sie plädierte für ein „Miteinander von Anwohnern, Passanten und Gewerbetreibenden“.

Birgit Ross (Grüne): Drogenabhängige im Bahnhofsviertel brauchen Ruhe

Birgit Ross von den Grünen meinte, was die Drogenabhängigen im Bahnhofsviertel von Frankfurt bräuchten, sei Ruhe. Dann seien sie für die Sozialarbeiter der Drogenhilfe auch besser ansprechbar. Der öffentliche Raum sei für alle da – auch für die Kinder, die sichere und freie Gehwege bräuchten. Ross forderte die „Partygesellschaft“ auf, nicht „die Sau rauszulassen“.

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Die verlängerten Öffnungszeiten im Nachtcafé in der Moselstraße 47 haben sich nach Angaben von Leiterin Christine Heinrichs bewährt. „Wir müssen die Klienten nicht mehr um 5.30 Uhr wecken“, sagte sie. Seit Anfang August können die Drogenabhängigen bis 11.30 Uhr bleiben. Die Klienten seien dankbar, manche würden sich wundern, dass der Tag schon so weit fortgeschritten sei. Heinrichs nannte aktuelle Zahlen: 229 würden das Nachtcafé nachts, 130 tagsüber nutzen.

Stadtrat Majer (Grüne): Die Drogenabhängigen aus der Sucht herausholen

Stadtrat Majer wies auf die „Brückenfunktion“ des Nachtcafés hin. Hier würden erste Gespräche über andere Hilfsangebote geführt, die nicht alle im Bahnhofsviertel beheimatet seien. Überhaupt sei es das Ziel, die Menschen „aus der Sucht und aus dem Bahnhofsviertel“ herauszuholen.

Die Stadt ist offenbar bereit, für die Betreuung der Drogenabhängigen mehr Geld in die Hand zu nehmen als bisher. So soll der Etat, wie Majer sagte, im Doppelhaushalt 2020/2021 um 25 Prozent auf dann zehn Millionen Euro angehoben werden.

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