„Zustände haben sich verschimmert“: Ulrich Mattner tritt als Chef des Gewerbevereins Bahnhofsviertel zurück.  
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„Zustände haben sich verschimmert“: Ulrich Mattner tritt als Chef des Gewerbevereins Bahnhofsviertel zurück.

Bahnhofsviertel

Bahnhofsviertel: „Zustand hat sich verschlimmert“

Ulrich Mattner tritt als Vorsitzender des Gewerbevereins zurück. Dies nimmt er zum Anlass, um die Drogenpolitik der Stadt anzuprangern.

Vor knapp dreieinhalb Jahren ist Ulrich Mattner als Vorsitzender des Gewerbevereins Bahnhofsviertel angetreten, „um den Drogenkranken im Viertel zu helfen“. Jetzt gibt er den Posten ab, ohne sein Ziel erreicht zu haben. Als letzte Amtshandlung hat er zu einer Pressekonferenz geladen, auf der er wieder einmal mit der Drogenpolitik der Stadt abrechnet.

Der Wirtschaftsjournalist übt seit Jahren Kritik an den Zuständen im Bahnhofsviertel. Politiker redeten die Situation schön, statt Klartext zu sprechen, findet er. Zweiteres übernimmt er deshalb gerne mal selbst. Um seine Hauptthese – in den vergangenen Jahren habe sich im Viertel nichts zum Positiven verändert – zu untermauern, hat er einige Mitstreiter mitgebracht: Ferdinand, Besitzer des Latin Palace Chango, und Richard, Bordellbesitzer. Letzterer hat auch gleich noch seinen Nachbarn Wolfgang im Schlepptau, dem ein Gebäude in der Taunusstraße gehört. Einig sind sich die vier Männer darin, dass es „in den vergangenen Jahren schlimmer geworden ist“. Und auch darin, dass die Polizei nicht viel ausrichten könne.

Seit Ende 2017 gibt es eine Regionale Einsatz- und Ermittlungseinheit (REE), die für das Bahnhofsviertel zuständig ist und vor allem gegen Drogenhändler vorgeht. Im August vorigen Jahres lief eine konzertierte Aktion von Gesundheitsamt, Polizei, Ordnungsamt, der „Stabsstelle Sauberes Frankfurt“ und den Drogeneinrichtungen im Bahnhofsviertel zur Befriedung der Drogenszene an.

Polizei ist unterbesetzt

Von der erhöhten Polizeipräsenz merkten die vier Männer nichts, sagen sie. „Man weiß genau, wann Razzien vorgenommen werden“, sagt Ferdinand. Und wenn man die Polizei rufe, dauere es so lange, bis eine Streife vor Ort sei, dass sich die Szenerie längst aufgelöst habe. „Die Polizei macht einen guten Job, aber sie ist einfach unterbesetzt“, resümiert Mattner.

Den Frankfurter Weg erklärt er für gescheitert. Wie es richtig geht, könne sich Frankfurt am Beispiel der Stadt Zürich abschauen. Dort sei die einst größte Drogenszene Europas verschwunden, weil erhebliche Mittel in die Entkriminalisierung der Drogenkranken investiert wurden. Eben diese Entkriminalisierung wünscht sich Mattner auch für das Frankfurter Bahnhofsviertel. Drogenkranke sollten in seinen Augen in erster Linie als Patienten wahrgenommen werden. In Zürich habe man darüber hinaus Wohnungen für obdachlose Drogenkranke zur Verfügung gestellt, das Dealen in Druckräumen erlaubt, mehr Therapieplätze geschaffen und eine kontrollierte Abgabe von Heroin, auch in Tablettenform, eingeführt.

Mattner ist sich sicher, dass viele Gewerbetreibende im Frankfurter Bahnhofsviertel die hiesigen Zustände anprangerten, dies aber nicht öffentlich tun, um sich nicht selbst zu schaden. Eine wirkliche Veränderung hält er nur dann für möglich, „wenn Druck aus dem Bahnhofsviertel selbst kommt“.

Den Vorsitz des Gewerbevereins gibt Mattner übrigens aus zeitlichen Gründen ab. Und „weil ein Diplomat und kein Journalist an der Spitze eines solchen Vereins stehen sollte“. Seine Nachfolge tritt Nazim Alemdar an, Betreiber des Kultkiosks Yok Yok.

Gewerbetreibende und Gastronomen beklagen eine zunehmende Aggressivität im Bahnhofsviertel am Hauptbahnhof Frankfurt und sehen die öffentliche Sicherheit in Gefahr.

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