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Oskar Mahler gibt seinen Laden „Rote Treppe“ in der Kaiserpassage auf.

Bahnhofsviertel

Oskar Mahler gibt nicht auf

  • vonSabine Schramek
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Der Stadtteilbildhauer Oskar Mahler muss sein Stadtteilbüro „Rote Treppe“ mit Galerie, Kunst und Archiv in der Kaiserpassage im Bahnhofsviertel schließen. Nicht wegen Corona, sondern weil keine Kunden in den Laden kamen. Aufhören will der 68-Jährige aber noch lange nicht.

Das Bahnhofsviertel ohne Oskar Mahler (68) ist wie ein Archiv ohne Bücher. Nur noch weiße Wände und die berühmte „Rote Treppe“ sind in dem Laden von Mahler zu sehen. „Es lag nicht an Corona, dass es nicht gut lief. Corona hat aber auch nicht geholfen“, sagt er. Das Stadtteilbüro mit Archiv, Kunst und Teilen seiner Hammer-Sammlung in der Kaiserpassage steht leer.

„Die Passage hat ihre Seele verloren. Kaum jemand kommt“, sagt der Stadtteilbildhauer und zeigt auf die leeren Schaufenster nebenan. Vor dem Umbau nutzte er dort die „Rote Treppe“ als Galerieraum, danach als eine Art Stadtteilbüro für das Bahnhofsviertel. Früher war es wuselig und belebt. Mahler zuckt mit den Schultern. „Heute funktioniert hier nur noch der Supermarkt.“

Mahler kennt „sein“ Bahnhofsviertel wie seine Westentasche. Als früherer Bewohner, Künstler, ehemaliger Vorsitzender des Gewerbevereins, Begründer des Hammer-Museums, Stadtteilführer und Nachtschicht-Mitarbeiter im Nachtcafé m47 für Drogenabhängige, hat er mit der „Roten Treppe“ die Reißleine gezogen. „Der Vermieter war kulant“, sagt er erleichtert. Mangels Besuchern konnte Mahler nichts verkaufen. „Dafür war die Miete einfach zu hoch.“

Sein Archiv aus mehr als 100 Büchern, Studien und Aufsätzen über das Bahnhofsviertel sind ins „Homeoffice“ gewandert. Ebenso wie Kunstwerke und seine 1500 Hammer, die von 2005 bis 2018 im eigenen Museum in der Münchner Straße ausgestellt waren, bis es aus Statik-Gründen schließen musste.

 „Das Bahnhofsviertel ist toll“

„Alles ist gut“, sagt er und zieht lachend seinen Hut. „Ich will raus aus der Larmoyanz. Das Bahnhofsviertel ist toll.“ Er mag es, weil es „das Viertel der Minderheiten ist. Hier ist die echte Großstadt. Hier sieht man das, was woanders erst kommt. Es ist wie ein Stimmungsbarometer.“

Als Regionalrat und Ausländerbeauftragter der SPD verfolgt er die Entwicklungen im Viertel. „Vor Corona waren hier drei Mal mehr Besucher als Einwohner. Dadurch, dass sie fehlen, wird vieles sichtbar, was vorher nur als Teil des Gesamten zu sehen war. Generell war es aber 2005 hier viel Schlimmer als heute“, ist er überzeugt.

Er setzt sich nicht nur dafür ein, dass Menschen, die Hilfe brauchen, auch Hilfe bekommen. Er beobachtet auch, was andere tun. Die Marktleute, die wie Gisela Paul mit ihrem Grüne Soße Wagen seit mehr als 20 Jahren die Kaiserstraße mit frischen und bunten Lebensmitteln zu einer Einheit bilden. Konzerte und Bemalung in der Taunusstraße. Die Aktion ‚Local Heroes‘ von Stadtrat Markus Frank. „Wir sind zwar keine Parteifreunde, aber es gibt richtig gute Aktionen, die gut sind für das Image des Bahnhofsviertels“, so Mahler.

Künftig will er sich für das Projekt „Making Friends“ stark machen. Gemeinsam mit dem Breakdancer Aaron Schröder, dem Künstler Leonardo Wassermann und dem Fußballtalent Zié Moussa Ouattara hat er mit den unter 30-Jährigen zusammen ein Modelabel entwickelt und bei der virtuellen Bahnhofsviertelnacht noch in der „Roten Treppe“ vorgestellt.

„In der nächsten ‚echten‘ Bahnhofsviertelnacht wollen wir die Niddastraße zu einer Straße der Kultur für alle machen. Vom Bahnhofsviertel bis in das Gallus“, plant er. Die Vier wollen die afrikanische Community mit einbinden, die jenseits der Düsseldorfer Straße viele Lokale und Treffpunkte hat.

„Im Bahnhofsviertel ist sie zwar sichtbar, wird aber kaum kommuniziert“, so der Künstler. „Auch sie gehören zu den vielen Minderheiten im Viertel – ebenso wie die Deutschen selbst. Sie alle gehören irgendwie zusammen, auch wenn sie unterschiedlich sind.“ Ein Name für die Aktion während der Bahnhofsviertelnacht 2021 ist schon da: „Making Heimat – Making Friends“.

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