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Marktfrau Gisela Paul an ihrem Stand. 

Bahnhofsviertel

Bahnhofsviertel: Markt an der Kaiserstraße und seine Königin mit scharfer Zunge

Der Markt an der Kaiserstraße wird 20. Marktfrau Gisela Paul ist mit ihrem Grie-Soß-Mobil von Anfang an dabei.

Drei riesige Töpfe stehen auf den Herdplatten. Die Kartoffeln darin stapeln sich bis über den Deckelrand: 36 Kilogramm. Noch im Kühlschrank steht eimerweise Grüne Soße. Es ist ja erst kurz nach elf an diesem Donnerstag. „In Anbetracht der Feierlichkeiten“, hätten sie heute mal ein bisschen mehr gekocht, berichtet Tina Bergmann, die in dem schwarzen Imbisswagen steht, der auf der Kaiserstraße parkt.

Nicht nur, dass der Kaisermarkt 20-jähriges Bestehen feiert, die Eintracht spielt am Abend außerdem im Europacup und die Chefin des „Grie-Soß-Mobils“ wird auch noch als „Marktkönigin“ gekürt. Gisela Paul, ein, wenn nicht das bekannteste Gesicht des Wochenmarktes, hat das Treiben am Kaisersack vor zwei Jahrzehnten mit ins Leben gerufen. Und sie hat viel zu tun an diesem Tag. Die Kollegen vom HR-Fernsehen sind schon da und filmen. Ständig kommen Leute vorbei, die Paul ansprechen. „Moije, mein Schatz“, sagt ein Mann. Die 71-Jährige komplimentiert den vermeintlichen Charmeur gekonnt weiter zum Kaffee trinken.

„Ach Gott, des geht bis heut‘ Abend so“, sagt die Eschersheimerin und seufzt. Ein paar Momente bleiben für ein ernsthaftes Gespräch. „Der Markt hat sich fantastisch entwickelt“, sagt Paul. „Nach drei Monaten hat er sich zu einer Granate gemacht“. So lange hätte ihnen die Stadt damals Probezeit gegeben. Mit 34 Ständen hätten sie dienstags am Kaisersack angefangen, „Arsch an Arsch am Sack“, wie Paul gewohnt unverblümt sagt. Heute sind es etwas weniger, je nach Wetter und Jahreszeit bis zu 26 Stände. Vom Fischhändler gegenüber, Käse- und Wurstverkäufern, Obst- und Gemüsehändlern und dem Weinstand werden Bewohner des Viertels, Besucher, Arbeiter und Angestellte in der Mittagspause versorgt.

Der Markt in der mittleren Kaiserstraße kam 2005 dazu, wie Paul berichtet. Weil um die Ecke Bauarbeiten stattfanden, musste er umziehen. „Die WM hat die Türen aufgestoßen“, sagt Paul. Zur Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland im Folgejahr sei so viel Betrieb gewesen, dass gefordert wurde, den Standort an einem zweiten Termin beizubehalten und so kam es.

Problematisch findet Paul die zunehmende Zahl von Bettlern. Bergmann spricht von „Bettel-Mafiosis“. Ihre Chefin sagt: „Wir hätten keine Kunden“, wenn sie nicht hart durchgreifen würden. „Mach dich vom Acker, hier wird net gebettelt“, würde sie dann schonmal rufen, so Paul.

Ulrich Mattner, Vorsitzender des örtlichen Gewerbevereins, der Paul zur Marktkönigin gemacht hat, sagt zur Begründung: „Sie ist quasi die Seele und das Aushängeschild des Bahnhofsviertels“. Sie könne sich durchsetzen und „findet einen guten und energischen Ton“. Auch die „Rotlicht-Leute“ hätten Respekt vor ihr. Der Markt habe „unheimlich viel Leben ins Viertel gebracht“. Etwas schwieriger sei es für die Marktbeschicker geworden, nachdem der Tegut-Supermarkt eröffnet habe, der lange geöffnet sei. Paul wird das weniger betreffen. Noch etwa drei Jahre will sie den Markt mit prägen und dann an ihre Nachfolgerin Tina Bergmann übergeben.

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