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Die Halteplätze bieten heute eine bessere Übersicht.

Flixbusse

Frankfurt: Flixbus-Fernbahnhof immer noch Provisorium

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Der Bahnhof für Fernbusse ist ein Provisorium. Viele Reisende vermissen noch Toiletten, Wartehäuschen, Anzeigetafeln und eine bessere Kommunikation.

Nervös tippelt Tanja Kaiser auf einer Stelle hin und her. Die 17-Jährige steht am Samstagvormittag mit ihrem Freund Bajo Amin samt Rollkoffern vor dem Bussteig fünf des Frankfurter Fernbusbahnhofs. Aus Kassel ist das Paar per Bahn angekommen und reist erstmals per Fernbus weiter. Den eigentlich gebuchten Anschluss nach Rotterdam haben sie wegen ihres verspäteten Zuges verpasst. Der nächste Bus hat ebenfalls Verspätung und die Abiturientin müsste dringend zur Toilette. In einem Hotel nebenan habe sie schon gefragt. „Das hätte einen Euro gekostet, ich hatte aber kein Geld einstecken“, sagt Kaiser. Sie hoffe nun, „dass der Bus eine Toilette hat“. Ihr Freund hat derweil telefonisch die Fahrt umgebucht. „Das ging problemlos“, sagt Amin. Der 18-Jährige schaut immer wieder auf sein Mobiltelefon, um zu kontrollieren, wo sich der Bus aktuell befindet. Die Karte zeigt einen Punkt bei Weiterstadt auf der A5.

Flixbus - Betreiber des Busbahnhofes

Im April ist der Fernbusbahnhof nach vierjähriger Planungs- und Bauzeit erstmals übergangsweise eröffnet worden. Bis heute gibt es noch keine Toiletten für die Passagiere. Laut Angaben der Deutschen Presseagentur hofft der Grundstückseigentümer, das Unternehmen CA Immo, auf das Frühjahr des kommenden Jahres. Dann soll ein dauerhafter Betreiber gefunden sein und das Provisorium fertiggestellt werden. Der derzeitige Betreiber, das Unternehmen Flixbus, würde den Busbahnhof nach dpa-Informationen gerne dauerhaft weiter bewirtschaften.

Neben Bussen in die Niederlande und Frankreich fahren um die Mittagszeit gleich mehrere auf den Balkan bis Bosnien-Herzegowina. Hunderte Linien passieren täglich die Station an der Südseite des Hauptbahnhofs. Es ist ein Kommen und Gehen. Viele verreisen über den Jahreswechsel. Die am Samstag befragten Fahrgäste, die die Halte-Problematik für Fernbusse schon vor Fertigstellung der neuen Station kannten, zeigen sich froh darüber, dass es mittlerweile eine geordnetere An- und Abreise gibt. 14 Parkbuchten, die die Busse durch eine Schranke anfahren sind mit Nummern gekennzeichnet.

Frankfurt - Flixbus-Fernbahnhof nicht angemessen

Reisende wünschen sich etwas komfortablere und beheizte Wartehäuschen.

„Es ist etwas besser und angenehmer als vorher“, sagt Dorina Shahu, die mit ihrem Mann und der Tochter auf einer überdachten Sitzbank wartet. Die Familie möchte nach Düsseldorf zu Verwandten. „Zumindest müssen wir nicht auf der Straße warten wie früher“, sagt die 30-jährige Ginnheimerin. Das sei besonders mit Kindern gefährlich gewesen. Damals war ein Parkplatz, dort, wo jetzt ein mehrstöckiges Parkhaus steht und die Fernbusse hielten am Randstein, wo Autos und Straßenbahnen vorbeifuhren. Ihr Mann Eduard findet, dass es zu wenige Sitzgelegenheiten und Überdachungen gebe. Neben den vier gläsernen Unterständen mit Bänken können sich Passagiere nur unter dem Vordach des Inter City-Hotels unterstellen. Die vorhandenen Bänke seien zu hart, findet Shahu. „Eine Großstadt wie Frankfurt sollte einen moderneren Busbahnhof haben“, sagt der 36-Jährige.

Vielen fehlt besonders bei den knackig-kalten Temperaturen an diesem Tag ein beheizter Aufenthaltsraum. Die Frankfurter Studenten Bela Bannoehr und Philipp Lustig wollen Silvester bei Freunden in Amsterdam verbringen. Bannoehr fröstelt unter seiner offenen Lederjacke. Einen warmen Warteraum würde auch er sich wünschen. Sein Kumpel hebt hervor, dass es vor ein paar Jahren noch „relativ chaotisch“ zugegangen sei und die Busse „kreuz und quer“ geparkt hätten. „Am Anfang gab es gar nichts, das ist jetzt schon eine positive Steigerung“, sagt der 21-Jährige.

Informations-Schalter von Flixbus - lange Warteschlangen

Anne Schwarz und Falk Klemm, die sich zufällig beim Warten kennengelernt haben, erklären gerade einem Mitreisenden auf Französisch, wo ihr Bus nach Paris ankommen soll. Auf ihren Online-Tickets sei ein Bussteig „C“ vermerkt, den es gar nicht gebe. Beide wohnen in Frankreich und mussten auf den Bus umsteigen, weil ihre Zugfahrkarten aufgrund des Streiks im Nachbarland annulliert worden seien. „Man will nicht zu viel verlangen“, sagt die 52-Jährige, „aber ein Aufenthaltsraum und Toiletten wären nicht schlecht“. Beide hätten gerne eine bessere Auskunft und Kommunikation. Klemm würde sich vor allem „eine Anzeigetafel mit zentralen Informationen“ wünschen, so der 46-Jährige.

Vor einem Informations-Schalter von Flixbus, an dem sich eine stete Warteschlange gebildet hat, hängt ein Flachbildschirm, dessen Bildfläche allerdings schwarz ist. „Defekt“, sagt ein Mitarbeiter, der mit einer handvoll in knallgrün gekleideten Beschäftigten vor dem Schalter Auskünfte gibt. Grundsätzlich sollten auf der Anzeige Abfahrten aller Busunternehmen zu sehen sein, sagt er.

Nachdem der Bus mit dem gelben, niederländischen Kennzeichen in den Bussteig eingebogen ist, müssen sich Tanja Kaiser und Bajo Amin erst einmal in eine Schlange einreihen, um ihr Gepäck verstauen zu lassen. Dann verschwinden sie in dem Doppelstöcker. Bleibt zu hoffen, dass sie eine funktionstüchtige Toilette im Innern vorgefunden haben.

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