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Blumen stecken am Unglücksort an einem Bahnübergang im Stadtteil Nied.

Bahnunglück

Bahnbetrieb in Frankfurt-Nied startet unter Vorbehalt

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Der Bahnverkehr soll ab Dienstag wieder über die Oeserstraße rollen, doch die Ermittlungen laufen noch.

Knapp drei Wochen nach dem tödlichen Unfall am Bahnübergang in Nied will die Deutsche Bahn den Betrieb wieder aufnehmen. Geplant sei eine „schrittweise Rückkehr“ zum Normalbetrieb, sagte ein Sprecher der Bahn am Freitag auf FR-Anfrage. So werde der Bahnverkehr zunächst nur im Berufsverkehr zwischen 6 bis 9 und 15 bis 20 Uhr über die Strecke an der Oeserstraße geleitet. In den weniger stark frequentierten Zeiten werde der Verkehr weiterhin über Griesheim umgeleitet.

Die Untersuchungen zur Unglücksursache sind indes noch nicht abgeschlossen. Ein Anwohner aus der Oeserstraße hatte sich daher an die FR gewandt und besorgt gefragt, ob die Untersuchungen nicht erst vollständig abgeschlossen sein müssten, bevor der Betrieb wieder laufen könne. Dass die Bahn den Betrieb auf dem fraglichen Streckenabschnitt nun in einer „Vorerstmaßnahme“ zunächst nur zeitweise wieder aufnimmt, dürfte die Unsicherheit der Anwohner nicht schmälern.

Die Untersuchung zur Ursache des Unglücks, bei dem am 7. Mai eine 16-Jährige starb und zwei Verkehrsteilnehmer schwer verletzt wurden, wird an verschiedenen Stellen geführt. Die straf- und zivilrechtlichen Belange untersucht die Bundespolizei. Dort hieß es am Freitag, die Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen. Einen Widerspruch dazu, dass der Verkehr trotzdem schon wieder rollen soll, obwohl auch technische Probleme als Unglücksursache infrage kamen, sieht die Bundespolizei nicht. „Wir überprüfen, was an dem Abend passiert ist, das hat mit dem generellen Betrieb nichts zu tun“, so ein Sprecher. Techniker der Bahn hätten den Übergang komplett funktionsüberprüft und nichts beanstandet. Bei der Deutschen Bahn heißt es hingegen, Inspektion und Abnahme des Übergangs stünden noch aus. Das Unternehmen ermittelt auch selbst, was ursächlich für den Unfall war. Ob das Untersuchungsergebnis Änderungen im Betriebsablauf am Bahnübergang Oeserstraße mit sich bringt, wollte der Bahnsprecher nicht verraten: „Damit würde ich Untersuchungsergebnissen vorgreifen.“

Neben der Bundespolizei und der Bahn selbst hat auch die Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung (BEU) in Bonn Ermittlungen aufgenommen. Ein BEU-Sprecher betont auf Anfrage, die Untersuchung seiner Behörde laufe unabhängig und auf verschiedenen Ebenen. Die Deutsche Bahn sei verpflichtet, ihren Betrieb sicher zu führen, aber keinesfalls verpflichtet, der BEU Änderungen in ihrem Betriebsablauf mitzuteilen. Die BEU steige in die Materie richtig tief ein, allerdings nicht, um Haftung oder Strafmaß zu ermitteln, sondern wie die Eisenbahnsicherheit verbessert werden könne. Mögliche Erkenntnisse würden dann als Empfehlung an das Eisenbahn-Bundesamt übermittelt. Diese Untersuchungen seien aber noch nicht abgeschlossen.

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