Thomas Berberich (l.) und Daniel Weber messen mit dem Arborcheck, wie fit dieser Baum ist. Wer mag, kann selbst messen.
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Thomas Berberich (l.) und Daniel Weber messen mit dem Arborcheck, wie fit dieser Baum ist. Wer mag, kann selbst messen.

Baumgesundheit

Wie es den Bäumen in Frankfurt wirklich geht

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Stresstest fürs Grün: Forscher suchen Interessierte zur Teilnahme.

Es wird licht im Grüneburgpark und im Frankfurter Süden: Wieder sieht sich das Grünflächenamt gezwungen, sterbende Bäume zu fällen, damit sie niemanden gefährden. Betroffen sind viele Arten bis hin zum 26 Meter hohen Bergahorn im Park und einer Stieleiche mit 101 Zentimetern Stammdurchmesser an der Louisa. Für die meisten dieser Bäume soll es bald Nachpflanzungen geben, doch jeder einzelne ist ein schwerer Verlust angesichts der Klimakrise.

Um früher zu erkennen, wie es einem Baum geht und was ihm fehlt, haben Forscher ein Gerät entwickelt: Arborcheck, deutsch etwa: Baumtest. Er funktioniert verblüffend einfach. Gerade führen es Thomas Berberich und Daniel Weber im Garten des Senckenberg-Biodiversitäts- und Klimaforschungszentrums (Bik-F) vor. Berberich, Leiter des molekularbiologischen Laborzentrums am Bik-F, befestigt zehn Clips an Blättern eines Ahorns. Sie sorgen dafür, dass eine Zeitlang kein Licht auf die jeweilige Stelle fällt. Weber, mit dem Unternehmen Phytoprove für den Vertrieb des Arborcheck-Geräts in Deutschland verantwortlich, misst dann mit einem Sensor die Chlorophyll-Fluoreszenz der per Clip abgedunkelten Stelle. Oder wie wir es unseren Kindern erklären würden: Er misst, wie gut das Blatt in der Lage ist, das Licht auszunutzen. Denn von dieser Fähigkeit lebt eine Pflanze. Mit einem zweiten Gerät prüft er schließlich noch den Chlorophyllgehalt.

Riesige Datenbank

„Wir wollen möglichst früh eine Diagnose haben: „Welchen Bäumen geht’s schlecht?“, erklärt Berberich, „und warum geht’s ihnen schlecht?“ Dazu übertragen die Forscher ihre Messdaten in einen Tabletcomputer und vergleichen die Werte mit jenen aus mehr als 400 000 internationalen Einzelmessungen. „Da stecken sieben Jahre Datenbankarbeit drin“, sagt Weber.

Und wie geht es unserem Vorführahorn im Garten? Die schnelle Auswertung zeigt: Seine Vitalität ist im mittleren Bereich, gestresst ist er nicht sonderlich. Das regnerische Wetter lässt den Trockenstress der Bäume aktuell gering ausfallen; Problem sind die Langzeitbelastungen.

Seit 30 Jahren erforscht er nun schon, wie es ums Grün steht, sagt Berberich, doch die seit etwa zehn Jahren existierende neue Messtechnik bringt die Forschung jetzt entscheidend voran. Jetzt ließen sich mit den Geräten etwa Faktoren wie Pilz-, Schädlingsbefall oder die Unterversorgung der Wurzeln aufschlüsseln. Oft gebe es frappierende Unterschiede zwischen dem äußerlichen Sattgrün eines Baums und seinen gemessenen Vitalwerten. Die Uni Göttingen, sagt Weber, habe erschreckende Fakten über Bäume erfahren, die ihre Studierenden seit Jahrzehnten begutachtet hätten.

Bewerben und mitmessen

Mit im Projekt sind Umweltdezernat, Umwelt- und Grünflächenamt. Letzteres vertraut der Sichtprüfung seiner Baumkontrolleure, sei aber an den Forschungsergebnissen sehr interessiert, sagt Heinz-Peter Westphal, Abteilungsleiter Grünflächenmanagement: „Wenn sich die Technik als hilfreich erweist, könnten wir unsere Kontrolleure damit ausstatten.“ 3500 Euro kostet ein Set. Problem: Der Arborcheck muss direkt auf Blätter oder Nadeln gehalten werden und viele Bäume haben das Grün erst in großer Höhe. Die Entwickler arbeiten an Möglichkeiten, auch aus einiger Entfernung zu messen, etwa per Drohne.

Weil es sich um ein Bürgerinnen- und Bürgerbeteiligungsprojekt handelt, können Interessierte Geräte leihen und selbst an einem von zehn ausgewählten Standorten in der Stadt die Baumgesundheit messen. Sie sollten aber bereit sein, am Ball zu bleiben und etwa alle zwei Wochen neue Daten mit den Geräten einzuholen. Informationen und das Anmeldeformular gibt es online unter mainstadtbaum.de.

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