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Die Garderobendamen. Erinnern auch irgendwie an Gerd Knebel und Henni Nachtsheim. Foto: Christoph Seubert
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Die Garderobendamen. Erinnern auch irgendwie an Gerd Knebel und Henni Nachtsheim.

Interview

Radio Badesalz startet durch: „Wir haben geschrien vor Lachen“

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Henni Nachtsheim über Comedy in der Corona-Krise und das neue Badesalz-Projekt „Backstage-Safari“, das demnächst aus der Frankfuter Jahrhunderthalle zu allen Fans kommt.

Frankfurt am Main - Henni Nachtsheim, eine Hälfte des Comedy-Duos Badesalz, kann durchs Telefon sehen. Durch Festnetztelefon. Das wird dieses Interview beweisen, in dem die Gesprächspartner einander duzen, nach all den Jahren. Es wäre sonst albern.

Henni, was ging heut gut?

Ha! Das weiß ich noch gar nicht. Ich kann’s Dir übermorgen sagen.

Um die Leute mitzunehmen: „Was ging heut gut?“ ist eine Rubrik aus Eurer wöchentlichen Onlineshow „Radio Badesalz“, die es auch als Podcast gibt.

Manchmal überlegen wir es uns vorher, manchmal sitzen wir im Studio und fragen uns dort erst: Was ging heut eigentlich gut? Und dann denken wir uns irgendwas aus.

In „Radio Badesalz“ schlüpft Ihr in die Rollen von Nobbi und Ebbi, zwei eher rustikalen Typen, die durch eine Sendung führen. Das ging wohl ziemlich gut.

Wir haben vorher gesagt, wenn wir 30 000 Abonnenten für das Programm haben, ist das in der Branche schon gut. Dann waren es irgendwann 50 000, da haben wir schon alle gejubelt.

Und jetzt?

Sind wir bei 120 000. Das hat wirklich niemand erwartet, und es hört auch nicht auf. Für uns ist das in dieser Zeit genau das Richtige: dass du das Gefühl hast, du machst was, das die Leute freut, damit du den Kontakt nicht ganz verlierst – damit wir nicht einfach so verschwinden.

Hilft Euch das finanziell?

Verdienen tun wir nicht so richtig daran, wenn ich ehrlich bin, aber das rückt in den Hintergrund, weil wir so einen Spaß haben. Vorige Woche haben wir eine Uschi-und-Rosi-Folge aufgenommen…

…das sind zwei Frauen, die ständig die unglaublichsten Sachen erleben…

…da ging es diesmal darum, dass die sich ein Aquarium angeschafft haben…

…Wahnsinn!

…und dann haben wir das Ding improvisiert und haben es – ich schwör’s dir – mit zittrigen Lippen gerade noch so zu Ende gebracht, ich habe auf Stop gedrückt, und dann haben wir geschrien vor Lachen. Wenn da gerade jemand vorbeigekommen wäre, hätte er gedacht: zwei Geisteskranke. Wir haben so gelacht, uns sind die Tränen gelaufen, weil das einfach so unvorhersehbar war.

Uschi und Rosi.

Wir sind das dann auch ein bisschen. Wir tauchen in diese Figuren immer so ein.

Das Ehepaar. Aber sind das nicht...?

Wobei der Gerd – also bei „Radio Badesalz“ der Nobbi – Dir eigentlich ständig ins Wort fällt.

Wenn wir da sitzen, ich erzähl was, und er torpediert das schon nach ein paar Sekunden, dann ist das auch echt eine Konzentrationssache. Ich bin nach der Stunde jedes Mal fix und fertig. Aber was Besseres konnten wir uns gar nicht einfallen lassen für diese komische Zeit.

Und Du bist gar nicht sauer auf Gerd – also auf Nobbi –, wenn er dir wieder reinquatscht und den Witz in Grund und Boden schwätzt?

Wenn ich unbedingt einen Satz zu Ende bringen will, dann kann ich ihm das signalisieren, sieht ja keiner, und dann nimmt er sich zurück. Aber normalerweise hat er halt den Autopiloten an und redet drauflos – der denkt ja dann nicht! (lacht) Das wird einfach so rausgefeuert – und ich halte das irgendwie aus.

Ihr seid halt Profis.

Wir sind vor allem Freunde, das darf man nicht vergessen. Wir gehen ins Studio, dann gibt’s ein kurzes Mini-Ritual, und das ist alles gut, wir verstehen uns super. Und danach ist es ein bisschen wie nach einem Auftritt. Das ist auch eine Art Ersatz dafür, von einer Bühne zu kommen, ein Stück gespielt zu haben. Du bist erledigt, ziehst dich um, gehst dich frischmachen und dann zusammen eine Pizza essen. Diese Donnerstagabende sind einfach schöne Abende. Jetzt machen wir noch zwei Folgen, dann ist wieder Pause bis Juni – und dann schauen wir mal, was live so geht.

Wie ist die Perspektive für Liveauftritte?

BADESALZ

Henni Nachtsheim (64) und Gerd Knebel (Alter geheim) sind einst als Musiker auf die Welt gekommen und haben sich irgendwann zum Comedy-Duo Badesalz weiterentwickelt, das von Rhein-Main aus seit den 80er Jahren bundesweit Erfolge feiert: auf der Bühne, im Fernsehen, auf Bild- und Tonträgern.

Die Pandemie unterbrach die Tournee mit ihrem zwölften Bühnenprogramm „Kaksi Dudes“. Seither treten sie donnerstags mit ihrer Internetreihe „Radio Badesalz“ (www.badesalz.de/radio) auf, die auch als Podcast nachzuhören ist.

Neustes Projekt des Duos ist die „Backstage-Safari“, vom 17. Mai an ebenfalls online zu erleben. Da führen Nachtsheim und Knebel als schrille Typen virtuell durch die Frankfurter Jahrhunderthalle.

Karten gibt es über die Badesalz-Website (www.badesalz.de), über www.jahrhunderthalle.de oder www.badesalz-backstage-safari.de

Auch wenn es erst am 17. Mai los geht und keinerlei Gefahr besteht, dass die Online-Show ausverkauft sein könnte: Einige Hundert Fans sollen jetzt schon Tickets erworben haben, munkelt man. ill

Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir in diesem Jahr noch spielen werden. Ich sehe überhaupt nicht, wie das gehen soll mit den nur mäßig voranschreitenden Corona-Impfungen. Wir sind bereit, wenn wir dürfen, wir haben ja ein aktuelles Programm. Aber wenn wir noch nicht dürfen, werden wir verstärkt Radio machen.

Auf Eurer Internetseite steht hinter allen Auftrittsplänen die Jahreszahl 22. Wie hart ist das als Perspektive?

Wir reden viel darüber, der Gerd und ich. Wir haben ja eineinhalb Jahre an dem Programm „Kaksi Dudes“ geschrieben, das ist richtig viel Arbeit und ein Riesenaufwand. Wir konnten es wenigstens im September 2019 starten und hatten 30 Auftritte. Das tröstet uns, weil wir zumindest schon mal wissen, dass das Programm funktioniert und dass es den Leuten gefällt. Stell dir vor, wir hätten die Premiere auf den 15. März 2020 gelegt – dann hätten wir bis heute keinen einzigen Auftritt damit gehabt. Aber es ist natürlich trotzdem schade, dass es nicht weiterging.

Was sagen die Fans?

Letztens spricht mich einer in der Schlange bei der Post an und sagt: Du bist doch der Henni. Ja, sag ich. Ei, wir haben Karten für euren Auftritt in Offenbach, der ist jetzt schon zwei Mal verschoben worden – egal, wir warten auf euch. Das ist aber lieb, sag ich. Sagt er: Ihr könnt ja nix dafür.

Da hat er Recht.

Es hilft ja nix. Ich verstehe es, wenn Künstler jetzt verzweifelt sind, aber wir haben uns gesagt: Lass uns einfach Dinge tun, die mit uns zu tun haben, die die Leute unterhalten – das ist der Beitrag, den wir jetzt leisten können, wenn die Zeiten eh scheiße sind. Der Basti hat gesagt…

…Basti Red, bekannt vom Eintracht-Podcast und so weiter…

…ja, der sagt: Ihr seid diejenigen, die mich durch Corona bringen. Ist natürlich übertrieben, da kommen ja noch andere Sachen dazu, wie die Eintracht zum Beispiel, die mich teilweise durch Corona gebracht hat. Aber ich finde es natürlich schön, dass es gut ankommt, was wir im Internet machen. Deshalb machen wir da ja jetzt auch weiter mit unserem Jahrhunderthalleprojekt.

Du hast hier eine Kamera bei mir im Homeoffice installiert, ja?

Woher weißt du das?

Du hakst immer schon das nächste Thema auf meiner Fragenliste ab, bevor ich die Frage gestellt habe.

Ja klar, ich sehe hier auf einem großen Monitor Deinen Zettel, aha, jetzt hast Du Dich gerade am Kopf gekratzt, Schluck Wasser getrunken…

Die schwer bewaffnete Security. Verblüffend.

Dann machen wir es nächstens so, dass Du Dir auch die Fragen selbst stellst. Aber jetzt erst mal zur „Backstage-Safari“ – was habt ihr da vor in der Jahrhunderthalle?

Ursprünglich wollten wir Führungen machen. Immer 20er-Gruppen, die da durchlatschen, in Räume, in die sonst niemand hineindarf, dort stehen dann Monitore mit dem jeweiligen Personal, das spielen Gerd und ich. Aber das war zu vage – nachher kommt die dritte Corona-Welle, und dann ist das Ding wieder gestoppt.

Schön vorhergesehen.

Also haben wir es umgedreht: Jetzt können alle diese Führung mitmachen – von zu Hause, am PC. Wir führen durch die Halle, ohne dass die Leute körperlich dabei sein müssen, und schlüpfen in die verschiedenen Rollen.

Welche zum Beispiel?

Du wirst von zwei Security-Leuten in Empfang genommen. Dann bitten dich zwei Garderobendamen, deinen Mantel abzugeben, und lästern über deine Klamotten ab. Es gibt zwei merkwürdige Typen, die im Heizungskeller über ihre Verbundenheit zu den Heizungsrohren reden, weil sie schon ewig da unten arbeiten. Köche, die mit Riesenaufwand etwas zubereiten, was eigentlich ganz einfach ist. Zwölf Szenen. Und Jahrhunderthalle-Tierchen.

Ah, die berühmten Jahrhunderthalle-Tierchen.

Wir haben uns ausgetobt und lauter kleine Szenen gedreht. Es ist eine Mischung aus realen Bildern und Überarbeitungen von Udo Schöbel, der diesen Comic-Look hat. Das gibt es so noch nicht. Die Sicherheitsleute sind bei uns halt zwei Typen mit langen schwarzen Haaren, mit Ledermänteln, mit Waffen, (lacht) mit ganz schlechten Schnurrbärten – das ist völlig drüber im Vergleich zu der Security, die da normalerweise steht. Hat aber keinen gestört. (lacht)

(lacht)

(lacht)

Ihr seid ja bekannt für Eure realitätsnahe Darstellung.

Wir können da alles Mögliche behaupten. Aber das Schöne ist: Man lernt die Jahrhunderthalle trotzdem sehr gut kennen, weil die Räume, in die wir das Publikum führen, extrem authentisch sind. Man kann sogar in den Gästebüchern virtuell blättern, mit all den Weltstars drin.

Am Ende steht Ihr, wo Ihr hingehört: auf der großen Bühne.

Wenn der Gerd in der Jahrhunderthalle auf die Bühne geht, sagt er immer: Hier ist Jimi Hendrix aufgetreten. Ich kann das schon mitsprechen.

Interview: Thomas Stillbauer

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