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Ebbi und Nobbi bei der Arbeit: Henni Nachtsheim (links) und Gerd Knebel.

Porträt

Radio Badesalz im Internet: Ein Fall für Nobbi und Ebbi - live und als Podcast

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Am Donnerstag gehen Gerd Knebel und Henni Nachtsheim mit „Radio Badesalz“ auf Sendung. Das neue Format wird live und als Podcast zu hören sein.

  • Nobbi und Ebbi sind bereits seit 40 Jahren als Comedy-Duo unterwegs.
  • Die beiden nutzen die Corona-bedingte Bühnenpause und starten eine eigene Audio-Show.
  • Das neue Format „Radio Badesalz“ ist donnerstags live und vier Tage später als Podcast zu hören.

Frankfurt – Nobbi und Ebbi haben sich was ausgedacht. Das können sie der Welt natürlich nicht auf herkömmliche Weise mitteilen. Eher so, wie zwei völlig scheppe Typen es hinausposaunen würden. Und das sind sie ja schließlich auch. „Mir habbe en neue Job!“, plappern sie im Trailer durcheinander. „Als Radio-Moderatorn! Mir wern Radiogeschichte schreibe.“

„Radio Badesalz“ im heimischen Wohnzimmer: Live-Auftritte fallen wegen Corona zunächst aus

Davon ist fest auszugehen, vor allem, weil hinter Nobbi und Ebbi, bekannt aus „Aso-TV“ auf Youtube, zwei ganz reale hessische Weltstars stecken: Gerd Knebel und Henni Nachtsheim – kurz: Badesalz. Seit bald 40 Jahren sind die beiden auf Tonträgern, Bühnen und im Fernsehen unterwegs. Jetzt, die momentane Lage macht’s nötig, kommen sie durch den Äther zu ihren Fans nach Hause.

Wie fühlt es sich gerade an? „Live ist es hart zurzeit“, sagt Henni Nachtsheim. Die Auftritte vor vielen Leuten sind vorerst vorbei, die ganze Atmosphäre ist geprägt von Corona. „Ich habe das Gefühl, um mich herum werden Leute krank“, nicht konkret durch das Virus, eher im übertragenen Sinne, sie erkranken an der herrschenden Situation, „und ich kann nix machen“. Das Gefühl ist natürlich nicht von Dauer, nicht bei Badesalz. Aktiv werden heißt die Devise. „Für Oktober haben wir mal unsere ganze Crew zum Essen eingeladen, damit wir die wenigstens mal wieder sehen“, erzählen sie. Henni trat mit einem Soloprogramm vor kleinem Publikum auf und schrieb eine Serie für den Rundfunk: „Käthe und Konrad in Quarantäne“. Und jetzt kommt also „Radio Badesalz“.

40 Jahre „Badesalz“: Gerd Knebel und Henni Nachtsheim überzeugen mit Sound und Witz

Aber – haben wir uns eigentlich alle miteinander verlesen? Gerd und Henni – bald 40 Jahre? Nee, wirklich. Anfang der 80er war es, als ein gewisses Badesalz-Theater seine ersten Auftritte im Hessischen Fernsehen hatte. ’83 kam dann schon das erste Bühnenprogramm, „Das Super Dong-Dong“.

Damals sangen und saxofonierten Knebel und Nachtsheim noch bei ihren Bands Flatsch und Rodgau Monotones – bis heute legendäre Ikonen der Musikszene aus Frankfurt und Umgebung, sowohl was den Sound betraf als auch in Sachen Witz. „Was mer hat, des hat mer“, sangen die Menschen landauf, landab mit, wenn Flatsch auf der Bühne stand, „hat mer’s net, dann fehlt’s aam.“ Noch heute tut Augen-, Ohren- und Bauchmuskelzeugen die Körpermitte weh vor Lachen über das Spektakel, das Gerd Knebel dabei etwa auf der Bühne des Grüneburgparks bei „Lieder im Park“ abzog. Ebenso reisten Rockfreunde den Monotones hinterher, nicht nur, um sich von ihrem süchtig machenden Druck vor der Bühne die Haare föhnen zu lassen, auch, um zum zwanzigsten Mal die Landeshymne „Erbarme – zu spät – die Hesse komme“ mitzubrüllen: „Was hat’n da de Babba da? Der hat e Flasch Grappa da, de Babba.“

Hessisches Duo wird zum Publikumsliebling: Fans laden „Badesalz“ zu sich nach Hause ein

In jener Zeit begann also das Gemeinschaftsprojekt Badesalz. Aus der anfänglichen Spaßveranstaltung der beiden Frontmänner wurde bald eine ebenso beliebte Unterhaltungsdroge, wie es ihre Bands bereits waren. Über die Jahre erreichten nicht nur die Bühnenshows mit dem traditionellen Premierenort Bürgerhaus Sprendlingen Kultstatus. Auch das „große“ Fernsehen meldete sich und holte das Duo für eigene Comedyserien vor die Kamera, 1990 im Ersten, 1999 in Sat.1.

Irgendwann liebten die Fans ihr Badesalz so sehr, dass sie Knebel und Nachtsheim sogar zu sich nach Hause einluden. Mit den tollsten Versprechungen. „Und dann kommt tatsächlich ein Typ mit seinem Sohn, beide aus dem Odenwald“, erzählte Nachtsheim der FR im Interview, „und sagt, er wollte uns einladen, er hätte den Partykeller renoviert, und dann sagt er: Mir ham da was ganz Feines – mir ham jetzt nämlich LED-Lampen!“. Wer kann dazu schon Nein sagen? „Das war für ihn der Punkt, an dem ich spätestens sagen muss: Ach so, ja, dann kommen wir!“ Die Geschichte fand später Platz auf der CD „Mailbox-Terror“ – aus einem naheliegenden Grund, wie Knebel erklärte: „Weil wir es lieben, wenn jemand nix zu bieten hat, aber daraus ein Riesending macht.“

Eine Stunde albern unterhalten: „Radio Badesalz" macht Corona nicht zum Thema

Die CD mit den LED-Lampen im Partykeller und der Mailbox kam 2018 heraus, Comeback nach 14 Jahren Tonträgerpause – und jetzt ist Corona. Auch Thema im neuen Badesalz-Format? „Wir haben das ausgeklammert“, sagt Henni Nachtsheim. „Die Leute wollen nicht immer nur Corona, Corona, Corona hören. Wir wollen sie lieber jeweils eine Stunde albern unterhalten.“

Und zwar immer donnerstags um 19 Uhr im Internet. „Es soll ein bisschen wie eine Badesalz-CD sein.“ Allerdings sehr stark improvisiert, mit neuen Inhalten, moderiert von den beiden „Aso-TV“-Typen Nobbi und Ebbi. „Wir mögen die beiden ja“, sagt Henni, „sie sind auch gar nicht ordinär oder so – deshalb haben wir ihnen jetzt ihre eigene Sendung gegeben.“ Wiederkehrendes Element soll beispielsweise eine gewisse „Äpplerstraße“ sein, in der sich vieles um die „Familie Bembel“ dreht. Ähnlichkeiten mit einer kürzlich beendeten Sonntagvorabendserie im Ersten sind natürlich Zufall. Es wird absurde Filmtipps geben und manch anderes, was so im Radio vorkommt. Und vier Tage später dann alles als Podcast.

Was sagen Nobbi und Ebbi dazu? „Des werd e Brett – isch kann’s gar nemmer abwadde!“ (Von Thomas Stillbauer)

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