Rauschende Partynacht im Gibson.
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Rauschende Partynacht im Gibson.

Nacht der Clubs

Wilde Partynacht in Frankfurt

  • Kathrin Rosendorff
    vonKathrin Rosendorff
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Die Nacht der Clubs ist aus der Frankfurter Feierszene nicht mehr wegzudenken. Auch diesmal geht es in 15 Clubs hoch her. Laut Veranstalter sind „10.000 Partypeople“ in der Nacht unterwegs.

Lektion eins des Clubabends: „Als Frau halte ich den Mund und bin froh, dass er mit mir tanzt.“ Auf der Tanzfläche des Frankfurter Latino-Musik-Clubs „Changó“ in der Münchener Straße regieren die Machos. „Aber nur da“, sagt die Tanzlehrerin. Es ist kurz nach 22 Uhr am Freitagabend. Bevor die richtig coolen Tänzer da sind, gibt es einen Salsa-Schnupperkurs für Anfänger. Das Changó ist unsere Station Nummer eins bei der diesjährigen Nacht der Clubs. Für 12 Euro bekommt man ein Bändchen und darf damit bis 4 Uhr morgens gleich in 15 Clubs der Stadt rein. Laut Veranstalter sind diesmal „10.000 Partypeople“ unterwegs.

Die Changó-Tanzlehrerin ist streng: Sie schaut auf einen der Herren und sagt in einem Fräulein-Rottenmeier-Ton: „Du stehst auf dem falschen Bein!“ Monika (41) und ihr Freund Stefan (40) finden den Kurs lustig. „Wir müssen aber noch etwas Salsa üben, bevor wir hier mithalten können. Wir gehen jetzt mal ins Final Destination. Da läuft Depeche Mode“, sagt Monika. Sie ist erst vor kurzem nach Frankfurt gezogen und nutzt die Nacht der Clubs, um das Frankfurter Nachtleben kennenzulernen.

Dabei könnte man auch im Bahnhofsviertel bleiben und in die Tabledance-Bar „Golden Gate Diamond Club“ gehen.  Da soll es laut Programmheft „kalorienarmes Eye Candy in Form von sexy Gogo-Tänzerinnen und Tänzern geben“. Es ist Mitternacht, aber nicht viel los: Ein Herr mit „Roberto Geissini“-Hemd tanzt fröhlich vor einer sich ausziehenden, tanzenden Dame.

Sonst sitzen noch im Publikum: Ein paar grölende Markus-Lanz-Typen im Anzug, asiatische Touri-Mädels, die verschüchtert händchenhaltend aufs Klo gehen und ein paar Studi-Mädels, die mit Nerd-Brille und Kostümchen nach BWL aussehen. Die „BWL-Studentin“ löst ihren strengen Zopf à la Kim Basinger und sitzt da plötzlich mit offenen Haaren, als einer der männlichen Gogo-Tänzer in US-Army-Uniform auf die Bühne schreitet. An der Stange rumturnen, kann er richtig gut. Wie auch seine Kolleginnen. Das sieht nach Hochleistungssport aus. „Ich könnte mich nicht einmal eine Sekunde halten“, sagt eine Zuschauerin.

Wie auf Klassenfahrt

Dann geht es weiter, Richtung Honsellbrücke. Wo ist denn die nächste Shuttlebus-Haltestation? Besonders gut ist sie nicht gekennzeichnet. Zehn Minuten dauert es bis zur Neuen Mainzer Landstraße. Es geht vorbei an einer Endlos-Schlange am Japantower, wo man im Club 101 im 25. Stock abfeiern kann. Dann sehen wir den Bus und rennen los. Aber der wenig freundliche Busfahrer macht uns klar, dass wir wieder raus müssen. Denn es gibt zwei Buslinien: Eine fährt in Richtung Osten, die andere in Richtung Westen. Leider steht dies an den Bussen nicht dran.

Auch ein paar andere „Partypeople“ müssen aussteigen. Ein paar Meter weiter ist die Haltestelle für die Ost-Busse. Dort warten auch David Rosato (21) und sein Kumpel. „Wir sind Frankfurter Buben und gehen zur Nacht der Clubs, um Spaß zu haben. 12 Euro ist ein guter Preis. Wir wollen in drei Clubs“, sagt David. Die erste Location „Velvet“ haben sie schnell wieder verlassen. „Die Mädels da waren so eingebildet“, sagt David. Sie wollen ins Moon 13. Da ist „Ladies Night“. 

Christina (25) und Andrea (27) fahren zum „Kunstverein Familie Montez“. Andrea sagt, dass sie ihrer italienischen Freundin, die erst seit acht Monaten hier lebt, die Clubwelt zeigen will. „Eigentlich ist bei der Nacht der Clubs das Publikum nicht so meins. Hier kommen so viele Dörfler her. Und die meisten sind superjung.“ Tatsächlich fühlt man sich in den Shuttlebussen wie auf Klassenfahrt. Gegen 2 Uhr rauchen ein paar Jungs auf der Rückbank einen Joint.

Chillen auf Stühlen

Die chilligste Location ist der Kunstverein Familie Montez, der zum ersten Mal bei „Nacht der Clubs“ dabei ist. Da covert eine Band namens „Skinny Jeans“ Songs von Jessie J bis Backstreet Boys. Die Menge ist überschaubar, es herrscht Wohnzimmeratmosphäre. Ein paar chillen auf den Sofa-Stühlen, andere bejubeln die Band. Der Sänger mit den knallroten Sneakers und der coolen Stimme geht mit dem Mikro ins Publikum und lässt es beim Refrain der Backstreet Boys: „I Want It That Way“ mitsingen.

Christina und Andrea haben Spaß, aber das reicht ihnen heute nicht.  Andrea sagt: „Wir sind Singles und auf der Suche.“ Als sie ihre Mäntel ausziehen, sieht man ihre Mini-Kleidchen. Als nach 30 Minuten kein potentieller Kandidat aufgetaucht ist, verabschieden sie sich: „Wir probieren es mal im Gibson.“ Da ist um 2.30 Uhr eine superlange Schlange. Eine Stunde Wartezeit. Den beiden sei Glück gewünscht. Also für die Männersuche. 

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