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Babylotsin Dorothea Hoffmann (r.) zeigt eine Mutter welche Anlaufstellen es im jeweiligen Stadtteil für junge Familien gibt. Foto: Stadt Frankfurt
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Babylotsin Dorothea Hoffmann (r.) zeigt eine Mutter welche Anlaufstellen es im jeweiligen Stadtteil für junge Familien gibt.

Familien mit Kind

Babylotsin in Frankfurt: „Viele Eltern sind auf der Strecke geblieben“

  • Steven Micksch
    VonSteven Micksch
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Die Leiterin der Frankfurter Babylotsinnen sieht die Situation vieler Familien mit Neugeborenen weiter kritisch. Die Eltern bräuchten nun schnell Hilfe.

Die Geburt eines Kindes ist eine Herausforderung für viele Familien, und auch die Zeit danach bringt viele Veränderungen mit sich. Gerade in Pandemiezeiten ergeben sich in der Zeit rund um die Geburt häufig noch mehr Fragen. In vielen Krankenhäusern der Region stehen den Müttern und Vätern deshalb Babylotsinnen zur Seite. Durch die Corona-Pandemie war deren Arbeit noch intensiver. „Wir waren fast immer vor Ort“, berichtet Nicola Küpelikilinç, Leiterin des Bereichs Babylotsinnen beim Kinderschutzbund Frankfurt.

Der Bedarf nach Informationen sei bei den Eltern enorm groß gewesen. „Viele hatten Riesenangst“, sagt die Leiterin. Ist eine Entbindung in der Pandemie gefährlicher? Darf der Partner mit? Was passiert, wenn das Kind zu früh kommt? All diese Fragen tauchten regelmäßig auf, und die zehn Frankfurter Babylotsinnen (alles Frauen) hatten Antworten darauf. „Viele Eltern haben gesagt: ,Gott sei dank, dass es noch eine Person gibt, die für uns ansprechbar ist‘.“

Doch die Arbeit der Frauen war in den zurückliegenden Monaten auch schwierig. Zum einen gab es im Babylotsinnen-Team anfangs auch Ängste angesichts der täglichen Arbeit im Krankenhaus. Zum anderen erschwert beispielsweise die Maske den alltäglichen Umgang mit den Eltern. „Die Mimik ist sehr wichtig“, sagt Küpelikilinç. Bei Eltern die nicht gut Deutsch sprechen, ist der Mund-Nasen-Schutz auch keine Hilfe.

Hilfe für Eltern

Die Frankfurter Babylotsinnen sind in allen sieben Kliniken der Geburtshilfe in der Stadt vertreten. Hinzu kommt auch das Krankenhaus Bad Soden.

Kontaktadressen gibt es unter babylotse-frankfurt.de im Internet.

Das Projekt wird von der Stadt und von mehreren Stiftungen finanziert. Der Kinderschutzbund Frankfurt organisiert die Initiative. mic

Trotz aller eigenen Sorgen sehen die Babylotsinnen die Schwierigkeiten der Eltern als viel gravierender an. So durften etwa manche Väter oder auch Omas anfangs nicht aus dem Ausland einreisen, aber auch innerhalb Deutschlands konnten manche Bezugspersonen wegen der Beschränkungen nicht kommen. Andere hatten Angst, ältere Menschen anzustecken, und verzichteten deswegen auf Kontakt. „Die familiären Netzwerke haben in der Pandemie nicht so funktioniert wie sonst.“

Auch das Knüpfen neuer Kontakte, gerade für Eltern ohne Familien in der Region, fiel weg. Keine Freundschaften aus Geburtsvorbereitungs- oder Rückbildungskursen: „Viele waren richtiggehend isoliert“, beklagt die Projektleiterin. Das führe jetzt zu einem Rückstau, zu Eltern, die seit einem halben Jahr oder länger keine Netzwerke haben. „Diese Eltern müssen wir jetzt noch mal abholen“, beschreibt Küpelikilinç die kommenden Herausforderungen. Denn trotz sinkender Inzidenzzahlen und der Lockerungen sei die Situation in vielen Familien nicht besser. „Die Ressourcen sind einfach aufgebraucht.“ Nicht nur die finanziellen, die sich aus Kurzarbeit oder nicht verlängerten befristeten Verträgen ergeben hätten, sondern auch die körperlichen. Die Belastung für die Familien sei riesig gewesen. „Viele Eltern sind auf der Strecke geblieben“, sagt Küpelikilinç.

Da sei es gut, dass jetzt wieder die Anlaufstellen in den Stadtteilen geöffnet haben, an die die Babylotsinnen vermitteln. Dort bekomme man Hilfe bei allen Fragen und könne bei Eltern-Kind-Angeboten auch Kontakte knüpfen. „Der Kontakt zu Gleichaltrigen ist auch für die Kinder wichtig.“ Dort müsse jetzt ebenfalls viel nachgeholt werden.

Wenn es etwas Positives durch die Pandemie gab, dann sei es das noch besser gewordene Verhältnis zwischen den Babylotsinnen und den Geburtshilfen in den Krankenhäusern. Die Zusammenarbeit habe sehr gut geklappt. Eine weitere Errungenschaft ist, dass man die besseren digitalen Kontaktmöglichkeiten nach der Geburt als Ergänzung beibehalten wird. Denn nicht jede Familie, die in Frankfurt ihr Kind bekommt, wohnt auch hier. Da ist der Kontakt per Mail oder Telefon einfacher als der persönliche in der Beratungsstelle.

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