Institut für Sozialforschung

Axel Honneth geht in den Ruhestand

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Wechsel an der Spitze einer Frankfurter Institution: Axel Honneth geht - Ferdinand Sutterlüty soll das Institut kommissarisch führen.

Das international renommierte Institut für Sozialforschung in Frankfurt steht vor einem einschneidenden Wechsel. Der langjährige Direktor Axel Honneth geht zum Jahresende in den Ruhestand. Dem 69-Jährigen folgt für eine Übergangszeit Ferdinand Sutterlüty (56) kommissarisch an die Spitze des Institutes. Der Österreicher bewirbt sich aber nicht für die ordentliche Nachfolge, das dafür notwendige Berufungsverfahren der Goethe-Universität ist noch im Gange.

Honneth, der zu den wichtigsten Philosophen der Gegenwart zählt, hatte das Institut seit 2002 geführt. Der Sozialphilosoph wird am Freitag von seinen Kolleginnen und Kollegen bei einem Empfang im Institut verabschiedet. Am Samstag lädt dann das Institut zu einem ganztägigen Kongress ins Schauspiel Frankfurt ein. Das Thema heißt „Paradoxien der Gegenwart“.

In insgesamt 16 Vorträgen wollen Honneth und namhafte andere Rednerinnen und Redner die These beleuchten, „dass die Verwirklichung normativer Prinzipien in der sozialen Wirklichkeit häufig zu Effekten führt, die den ursprünglichen Absichten widersprechen“.

Konkret heißt das, dass eigentlich gesellschaftlich fortschrittliche Prozesse wie die rechtliche Gleichstellung oder die Demokratisierung am Ende in kritikwürdige Verhältnisse münden können – etwa durch eine wachsende soziale Kontrolle. In den Augen der Wissenschaftler eine „normative Paradoxie“.

Der Sozialphilosoph Honneth war 1992 mit dem Buch „Kampf um Anerkennung“ international bekannt geworden. Der Wissenschaftler interpretierte die Auseinandersetzung sozialer Gruppen untereinander als Wettstreit um Anerkennung. Schon damals kam Honneth zu dem Ergebnis, dass unterdrückte Gruppen aufbegehren, weil sie sich gedemütigt fühlen. Eine Analyse, die sich heute zum Teil im grassierenden Rechtspopulismus bestätigt findet.

In seinem jüngsten Buch „Anerkennung. Eine europäische Ideengeschichte“ hat Honneth untersucht, wie in der Philosophiegeschichte von Ländern wie Frankreich, England oder Deutschland mit dem Begriff Anerkennung umgegangen wurde.

Honneths kommissarischer Nachfolger Ferdinand Sutterlüty setzt sich als Soziologe vor allem mit Gewalt und Kriminalität auseinander. 2002 veröffentlichte er im Frankfurter Campus-Verlag die Untersuchung „Gewaltkarrieren“, in denen er sich mit „Jugendlichen im Kreislauf von Gewalt und Missachtung“ beschäftigte.

Er gehört seit dem Jahre 2006 2007 dem Kollegium im Institut für Sozialforschung in Frankfurt an.

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