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Der AWO-Bundesverband will „nicht zulassen, dass die gute Arbeit der vielen Ehrenamtlichen in den Ortsvereinen der AWO in Frankfurt gefährdet wird.

AWO-Affäre

AWO-Spitze verweigert Rückzug

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Frankfurter Führung will trotz Aufforderung des Bundesvorstands weiterarbeiten.

In die AWO-Affäre in Frankfurt hat jetzt der Bundesverband eingegriffen. Der Vorstandsvorsitzende Wolfgang Stadler forderte alle beteiligten Mandatsträger des Kreisverbands Frankfurt auf, ihre Ämter ruhen zu lassen. Es brauche nun eine „unbeeinflusste Aufklärung“. Doch es gibt offenen Streit: Der Vorsitzende des Frankfurter AWO-Präsidiums, Ansgar Dittmar, kündigte kurz danach im Gespräch mit der FR an, dass man der Weisung aus Berlin nicht Folge leisten werde.

„Das Eingreifen des Bundesvorstands ist kontraproduktiv für unsere Transparenzoffensive“, sagte der Sozialdemokrat. Und fügte hinzu: „Wir müssen jetzt weiterarbeiten!“ Im ersten Quartal 2020 wolle man dann regulär einen neuen Vorstand wählen.

Der AWO-Bundesverband will „nicht zulassen, dass die gute Arbeit der vielen Ehrenamtlichen in den Ortsvereinen der AWO in Frankfurt gefährdet wird und die AWO insgesamt in Verruf gerät“. Der Bundesverband verlangte vom Frankfurter Vorstand, „kurzfristig eine außerordentliche Kreiskonferenz einzuberufen“. Schon unmittelbar zuvor hatte der AWO-Kreisverband eine außerordentliche Sitzung des Kreisausschusses für den kommenden Dienstag, 3. Dezember, einberufen. Dieses Gremium umfasst, wie der Frankfurter AWO-Sprecher Johannes Frass der FR sagte, etwa 100 führende Funktionäre in der Stadt, darunter alle Ortsvereinsvorsitzenden des Wohlfahrtsverbands.

AWO-Sprecher Frass bestätigte, dass leitende Funktionäre in Frankfurt Luxusautos als Dienstwagen zur Verfügung gestellt bekämen. So fährt die stellvertretende AWO-Geschäftsführerin tatsächlich einen 80 000 Euro teuren Audi, wie zunächst der HR berichtet hatte. Ein Abteilungsleiter ist mit einem 55 000 Euro teuren AMG-Mercedes unterwegs. Diese Luxuswagen sollen bald der Vergangenheit angehören. „Wir werden unsere Dienstwagenrichtlinie zeitnah ändern“, kündigte Frass an. Dabei gehe es darum, künftig mit kleineren und preiswerteren Autos auszukommen, die auch ökologischen Erfordernissen genügten. Bisher sei es so gewesen, dass führende AWO-Funktionäre die Möglichkeit besaßen, bis zu 80 000 Euro teure Limousinen als Dienstwagen zu erhalten. Bei der AWO galt dies als Mittelklassefahrzeug.

Entsprechende Regelungen wurden nach Angaben des Sprechers in den Verträgen der führenden AWO-Funktionäre getroffen. Wie Frass der FR sagte, fahre der AWO-Vorstandsvorsitzende in Frankfurt, Jürgen Richter, keinen Dienstwagen. „Er hat ein privates Fahrzeug.“

Die Autoflotte des AWO-Vorstands sei geleast. Wenn die Leasingverträge ausliefen, werde man sie nicht verlängern, sagte der Sprecher.

Der AWO-Bundesverband erwartet von den Frankfurter Funktionären „eine vollständige Aufklärung aller öffentlich gewordenen Vorwürfe gegenüber den Ortsvereinen und der Öffentlichkeit“. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hatte „gegen Verantwortliche der AWO“ ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Betrugs und der Untreue eingeleitet. Es geht um den Verdacht, dass Leistungen, für die der AWO-Kreisverband Zuschüsse aus Steuergeld erhielt, nicht erbracht wurden.

Unterdessen hat der CDU-Kreisvorsitzende den Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann scharf angegriffen.

Peter Feldmann soll im Stadtparlament am 12. Dezember endlich Antworten zur AWO-Affäre geben. Alleine die FDP bringt zwölf Anfragen und Anträge zum Thema ein.

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